https://www.faz.net/-gv6-6ojgl

Frühaufsteher : Die deutschen Aktien brechen weitere fünf Prozent ein

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET-Jan Bazing

Nach dem schwarzen Montag beurteilen Anlagestrategen die weitere Entwicklung sehr skeptisch. „Das Jahr wird schwierig“, lautete der Tenor. Wie zum Beleg ging in Asien die Talfahrt der Kurse weiter. Der Dax eröffnete sehr schwach.

          8 Min.

          Der Ausverkauf an den Börsen geht auch am Dienstag weiter. Der deutsche Aktienmarkt verlor in den ersten Handelsminuten nach sehr schwachen Vorgaben aus Asien erneut deutlich.

          Der Dax gab bis 9.15 Uhr 4,5 Prozent auf 6487 Punkte nach. Der MDax verlor 5,2 Prozent auf 7526 Punkte und der TecDax 5,1 Prozent auf 683 Zähler. Ohne positive Signale aus den Vereinigten Staaten werde es wohl keine signifikante Gegenbewegung geben, sagten Händler am Morgen. Die amerikanischen Börsen blieben am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

          Auch der Euro notierte am Morgen schwächer. Die Gemeinschaftswährung wurde zum Dollar mit 1,4383 gehandelt. Händlern zufolge belastet die Flucht von Investoren aus Anlagen in der Eurozone. Die Europäische Zentralbank hatte am Montag einen Referenzkurs von 1,4482 Dollar festgestellt.

          Mit den höchsten Verlusten starteten im Dax Allianz. Die Aktie verlor mehr als acht Prozent auf 109,50 Euro. SAP und Continental verbilligten sich um jeweils mehr als sieben Prozent. Auch die anderen Werte des Leitindexes notierten schwächer. Die geringsten Verluste verzeichneten Henkel mit einem Minus von 1,5 Prozent auf 17,75 Euro.

          In der zweiten Reihe verzeichneten acht Werte zweistellige Verluste. Angeführt wurden sie von Kuka, die sich um 13,3 Prozent auf 17,00 Euro verbilligten. Nur geringfügig verloren AWD und Deutsche Euroshop. Gewinner gab es auch im MDax keine.

          Ähnlich sah es im TecDax aus. In dem Technologieindex büßten Conergy 17,7 Prozent auf 12,95 Euro ein. Bechtle und Solon verloren jeweils mehr als 13 Prozent. Auch die anderen Solarwerte brachen erneut ein und verloren zum Handelsauftakt mehr als zwölf Prozent.

          „Die Börsen sind im freien Fall“, sagte ein Händler. “Die Anleger zweifeln, dass das Konjunkturpaket der amerikanischen Regierung reicht, um die Rezession zu verhindern.“ Börsianer vermuten, dass viele institutionelle Anleger ihre Aktienpositionen systematisch verringen. “Die Vermögensverwalter nehmen die Aktienquote herunter und gehen in Cash-Anlagen“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Beraterhaus FrankfurtFinanz.

          Nach Angaben von Münchener-Rück-Finanzvorstand Jörg Schneider hat der Rückversicherer seinen Aktienbestand schon auf kaum mehr als zehn Prozent heruntergefahren. Vor einigen Jahren seien es noch über 30 Prozent gewesen.

          Bundesbankchef ruft die Banken zu mehr Offenheit auf

          EZB-Ratsmitglied Jürgen Stark versuchte in einem Interview im Deutschlandfunk ein wenig Ruhe in den Markt zu bringen. Die Fundamentaldaten in der Euro-Zone seien gesund. Sollte es aber nötig werden, gebe die EZB wieder Liquidität an den Markt geben.

          Bundesbankchef Axel Weber rief die Bankenbranche zu mehr Offenheit im Umgang mit der Finanzkrise auf. In einem Interview mit dem Anlegermagazin“Focus-Money“ sagte Weber, das erste und zweite Quartal dürften aus seiner Sicht eine deutliche Entspannung der Märkte bringen. Voraussetzung sei aber, dass die “Banken die bisherige Salamitaktik bei der Offenbarung ihrer finanziellen Belastungen beenden und eine weitreichende Transparenz herstellen“.

          Crash an den asiatischen Börsen

          An den asiatischen Börsenplätzen brachen die Kurse zusammen. In Indien fiel der wichtigste Börsenindex um über zwölf Prozent. Der Nikkei 225 in Tokio verlor im freien Fall mehr als 750 Punkte und schloss um 5,65 Prozent schwächer auf 12.573,05 Zählern. Der Index fiel damit erstmals wieder seit Oktober 2005 unter die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Der breit gefasste Topix fiel um 5,70 Prozent auf 1.219,95 Punkte.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Nach Wahlsieg für Tories : Der nächste Boris

          Sein Versprechen an die neuen Tory-Wähler ist auch eine Verpflichtung für Boris Johnson. Nach seinem fulminanten Wahlsieg könnte der britische Premierminister deshalb ganz anders daherkommen als gewohnt.

          „Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

          Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.
          Gelingt dem ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache die Rückkehr in die Politik?

          Zerreißprobe der FPÖ : Das Comeback des Heinz-Christian Strache

          Vor zweieinhalb Monaten erst verkündete Strache seinen Rückzug, doch nun könnte der frühere Vorsitzende die FPÖ aufspalten. Wie ihm die Rückkehr in die österreichische Politik gelingen könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.