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Frühaufsteher : Ausverkauf an den Börsen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET-Jan Bazing

Massive Verluste an den Weltbörsen sorgen auch am deutschen Aktienmarkt am Montag für eine schwache Eröffnung. Rezessionsängste und die Wirren um die Hypo Real Estate dominieren die Stimmung und die Aktivitäten der internationalen Anleger.

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          Der Dax weitet am Montagvormittag seine Verluste aus und fällt kurzzeitig unter die Marke von 5.500 Punkten. Bis 10.35 Uhr MESZ verliert der deutsche Leitindex 4,7 Prozent oder 272 Punkte auf 5.525. Im Tagestief lag der Dax schon bei 5.492 Punkten und damit auf einem neuen Jahrestief. Der Dax werde dabei vor allem von der Entwicklung beim Dax-Futures belastet.

          „Der Futures kämpft bei rund 5.570 gerade mit seinem Jahrestief und ist der Motor dieser Bewegung“, sagt ein Händler. Dies entspreche rund 5.520 Punkten im Kassa-Dax. „Sollte der Futures dort durchbrechen, werden wir massive Stop-Loss-Verkäufe sehen“, so der Händler weiter. Weitere 200 Punkte nach unten seien dann nicht unwahrscheinlich.

          Liquiditätslücke: Größer als angenommen

          Die Papiere der Hypo Real Estate verloren im frühen Handel die Hälfte ihres Wertes, bevor sie sich etwas erholen konnten. Die Liquiditätslücke bis 2009 war weit größer als der zunächst angenommene Kreditbedarf von rund 35 Milliarden Euro. „Ein Desaster“, kommentierte ein Börsianer mit Blick auf offensichtliche Fehleinschätzungen des Finanzierungsbedarfs. „Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht.“ Inzwischen mehren sich Rücktrittsforderungen gegen HRE-Vorstandschef Georg Funke sowie HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz.

          Aktien der Commerzbank stürzten um 16,36 Prozent auf 11,86 Euro. Die Commerzbank muss angeblich die Vermögensgegenstände der Allianz-Tochter Dresdner Bank neu bewerten, um zusätzliche Risiken im Zuge Finanzmarktkrise zu berücksichtigen. Laut einem Börsianer könnte dies Gerüchte wieder aufwärmen, denen zufolge die Fusion zwischen der Commerzbank und der Dresdner Bank platzen könnte. Allianz-Titel verloren 4,48 Prozent auf 94,65 Euro. Aktien der Deutschen Bank fielen um 6,43 Prozent auf 49,60 Euro. Die Papier der Postbank gaben 7,48 Prozent auf 30,06 Euro nach.

          Händler machten die Krise an den Finanzmärkten und die Sorge vor einem weiteren Abrutschen der Konjunktur in der Eurozone für die kräftigen Kursverluste verantwortlich. An diesem Montag kommen die Finanzminister der Euro-Länder in Luxemburg zusammen, um über die Finanzkrise und die Folgen für die Konjunktur zu beraten. Die EU-Kommission rechnet wegen der Finanzmarktturbulenzen für das gemeinsame Währungsgebiet inzwischen nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent im laufenden Jahr.

          Infineon Technologies fielen um 7,63 Prozent auf 3,80 Prozent. Händler verwiesen auf die allgemeine Marktschwäche und einen negativen Analystenkommentar. UBS-Experte Nicolas Gaudois senkte seine Prognosen für das Umsatzwachstum in der Halbleiter-Branche von vier auf zwei Prozent im Jahr 2009 und von fünf auf vier Prozent im Jahr 2010. Grund sei der schwächere globale Ausblick. Gaudois verwies dabei auf die verschärften Probleme im Automobilsektor und das verlangsamte Wachstum in der Mobilfunkbranche.

          Kursgewinne an den Rentenmärkten

          Für den deutschen Rentenmarkt erwarten Experten am Montag Kursgewinne. Vor dem Hintergrund schwacher asiatischer Aktienmärkte und der vorerst noch anhaltenden Beunruhigung über die Lage der Banken dürfte der Bund Future heute weitere Kursgewinne verbuchen, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Wichtige Konjunkturdaten stünden nicht zur Veröffentlichung an. Charttechnische Widerstände bestünden für den richtungsweisenden Bund-Future zwischen 115,88 und 116,13 Zählern. Unterstützung erfahre der Future bei 115,26 und 115,37 Punkten. Der Bund-Future verzeichnet im frühen Handel einen Kursgewinn von 90 Stellen auf 116,55 Prozent.

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