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Preissteigerungen : Friseure in anderen Ländern schlagen noch mehr auf

Es ist teurer geworden, sich die Haare schneiden zu lassen. Bild: dpa

Nach den schwierigen Monaten der Coronakrise ist auch das Haareschneiden teurer geworden. In anderen Ländern ist dieser Effekt aber viel stärker als in Deutschland.

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          Die Inflation in der Eurozone ist im September auf 3,4 Prozent gestiegen – aber die Inflationsraten in den einzelnen Euroländern sind sehr unterschiedlich. Deutschland liegt mit 4,1 Prozent im oberen Mittelfeld. Italien liegt bei 3 Prozent, Frankreich bei 2,7 Prozent. Ganz oben aber stehen die baltischen Länder: Lettland 4,3 Prozent, Litauen 6,3 Prozent und Estland 6,4 Prozent.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Holstein, der Chefökonom der DZ Bank, hat sich das genauer angeguckt. Für die hohe Inflation in der Eurozone werden schließlich oftmals auch zwei Gründe angeführt, die nur auf Deutschland zutreffen: die Absenkung und Wiederanhebung der Mehrwertsteuer im Krisenverlauf – und der neue CO2-Preis auf Heizöl und Kraftstoff seit Jahresbeginn. Beide Faktoren treiben die Inflationsrate in Deutschland hoch und haben, entsprechend dem Anteil Deutschlands an der Eurozone, auch Einfluss auf die europäische Inflationsrate. Wenn das aber die entscheidenden Gründe wären, warum ist dann in manchen anderen Ländern die Inflation noch höher als in Deutschland?

          Holstein ist aufgefallen: Der Anstieg der Energiepreise hat in den baltischen Ländern schneller und stärker Einfluss auf die Verbraucherpreise. Veränderungen werden schneller überwälzt. Aber auch manche Dienstleistungen wie der Friseurbesuch sind im Baltikum stärker im Preis gestiegen. Die Inflation hat schon stärkere Auswirkungen auf die Löhne.   

          So seien die Energiepreise für Verbraucher etwa in Litauen im August auf Jahressicht (für diesen Zeitraum liegen schon detailliertere Zahlen vor) um 21 Prozent angestiegen, in Deutschland aber nur um gut 12 Prozent. Strom war für die Haushalte in Litauen um 11,2 Prozent teurer, für deutsche Haushalte nur um 1,7 Prozent. „Die Überwälzung auf die Verbraucher scheint  dort deutlich schneller und direkter zu laufen“, sagte Holstein.

          Und die vergleichsweise kräftigen Lohnsteigerungen sorgten für eine schnellere Verteuerung der Dienstleistungen. Die Preise für Friseurdienstleistungen etwa seien in Litauen auf Jahressicht um 7,8 Prozent gestiegen, in Deutschland um 3,2 Prozent.

          Bei Gaststätten und Beherbergungsdienstleistungen habe es in Litauen ein Plus von 5,9 Prozent gegeben, in Deutschland von 3,5 Prozent. Der Ökonom hebt hervor: „Trotz des in Deutschland enthaltenen Mehrwertsteuer-Effektes sind die Steigerungsraten also in Litauen hier sehr viel größer.“

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