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Frequentis : Leben retten mit Kommunikation

Nautische Zentrale im Hamburger Hafen: Mehr als tausend besonders große Schiffe laufen jedes Jahr den Hafen an – von hier aus werden sie dirigiert. Bild: picture alliance/dpa

Frequentis ist Weltmarktführer bei Sprachkommunikationssystemen für die Flugsicherung. Die Folgen der Corona-Krise hat das Unternehmen mittlerweile überwunden. Die Auftragsbücher sind wieder prall gefüllt.

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          Flugsicherungszentralen rund um den Globus nutzen die Kommunikationslösungen von Frequentis. Trotzdem sagt der Name der Wiener Technikschmiede nur wenigen etwas. Das mag auch mit dem geringen Streubesitz zu tun haben sowie der spärlichen Beachtung durch Analysten.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die Mehrheit der Anteile kontrolliert Hannes Bardach, der frühere Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Die Aktie wurde vor drei Jahren zu 18 Euro emittiert. Jetzt liegt der Kurs rund zehn Euro höher. Doch handelt es sich bei Frequentis um einen bedeutenden Nischenspieler. Schließlich leisten die weltmarktbeherrschenden Kommunikations- und Steuerungslösungen einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit auch in Deutschland. So sind vier Flugsicherungszentralen der Deutschen Flugsicherung sowie mehr als zwanzig regionale und internationale Tower in Deutschland mit Frequentis-Systemen zur Sprachkommunikation ausgestattet. Diese haben in den zurückliegenden Jahren mehr als 200 Millionen Passagiere jährlich bei ihren Flügen geschützt.

          Nach wie vor auf Wachstumskurs

          Außerdem hat Frequentis hierzulande in großem Stil Betriebszentralen und Stellwerke der Deutschen Bahn mit Kommunikationssystemen, mit denen die Sicherheit von Passagieren gewährleistet wird, ausgestattet. Wie wichtig schnelle und effektive Kommunikationssysteme sind, hat auch die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gezeigt. Sie sind ein entscheidendes Kriterium, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten.

          Um die Kommunikationssysteme digital zu vernetzen und zu integrieren, kommen Spezialisten wie Frequentis ins Spiel. Das österreichische Unternehmen hat sich auf sicherheitskritische Kommunikationslösungen spezialisiert. Wie die Geschäftszahlen belegen, befindet sich der Konzern, zu dessen Kunden auch Sicherheitsinstitutionen aus aller Welt gehören, nach wie vor auf dem Wachstumskurs.

          FREQUENTIS AG

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          Die Folgen der Corona-Krise hat der Spezialist überwunden und das vergangene Geschäftsjahr ertragreich gearbeitet. Zwar war der Flugverkehr weiter von Einschränkungen geprägt gewesen. Doch konnte das Management dank eines beständigen Wachstums im Kerngeschäft sowie gelungenen Zukäufen nach dem Verlustjahr 2020 aufholen. Den Ergebnissprung führte der Vorstand neben dem stabilen Kerngeschäft auf Unternehmenszukäufe und die Erweiterung des Produktportfolios zurück.

          Im Vorjahr wurden etwa Einheiten des börsennotierten amerikanischen Unternehmens L3Harris Technologies übernommen. Zuletzt wurde ein Mehrheitsanteil des italienischen Unternehmens Regola, das Einsatzleitsysteme produziert, erworben. Auch im zukunftsträchtigen Geschäft mit Drohnen ist Frequentis mit von der Partie. In Norwegen ist schon ein Drohnenmanagementsystem der Österreicher im Einsatz. Das Management zitiert Prognosen, wonach Drohnen in fünf oder zehn Jahren die Hauptnutzer des geregelten Luftraums sein und vielleicht sogar Hubschrauber überholen werden.

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          Prall gefüllt sind auch die Orderbücher. Die Erhöhung der Ertragskraft ist weiter Ziel. Ob in diesem Jahr weitere Zukäufe folgen werden, ist unklar. Diese sind ohnehin Bestandteil der Unternehmensstrategie. Indirekte Auswirkungen des Ukrainekrieges kalkuliert das Management ein: In den betroffenen Regionen liege der Geschäftsanteil aber unter einem Prozent, berichtet das Unternehmen. Direkt sei man wirtschaftlich also nicht oder nur kaum vom Krieg betroffen.

          Wie umsichtig das Management auf Lieferkettenprobleme reagiert, mögen auch Analysten. Die Bevorratung von Komponenten wurde auf zwei Jahre verdoppelt. Zudem wird auf eine Mehrlieferantenstrategie zurückgegriffen. Auf diese Weise könnten Projektverschiebungen nahezu ausgeschlossen werden, lobt die BankM.

          Mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent ist Frequentis nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Sprachkommunikationssysteme für die Flugsicherung. Geliefert wird die bodengebundene Infrastruktur für Gespräche zwischen Lotsen und Piloten beziehungsweise den Lotsen in verschiedenen Kontrollzentralen untereinander. Neben seiner Sparte für sicherheitskritische Flugkommunikation bietet der Hochtechnikkonzern auch Kommunikations- und Informationssysteme für Kontrollzentralen bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Schifffahrt und Bahn an.

          Vergleichbare Unternehmen sind aus Sicht von Daniel Großjohann, Analyst in der BankM, vor allem mittelgroße Technikanbieter aus Europa, die wie Frequentis einen hohen Umsatzanteil mit der öffentlichen Hand erzielen. Das macht diese Unternehmen weniger konjunktursensitiv als andere Technologiekonzerne. Manche Unternehmen – wie Saab, SRT Marine Systems – sind Großjohann zufolge in Teilbereichen Marktbegleiter oder Wettbewerber, andere wie Ceotronics verfügen über ein eher komplementäres Produktportfolio. Wieder andere wie IVU und Init (innovation in traffic systems SE) beliefern mit ihren Hard- und Software-Systemen andere Bereiche der öffentlichen Hand.

          Die BankM sieht den fairen Preis der Aktie bei 34,21 Euro. Teresa Schinwald von Raiffeisen Bank International führt als Vorteil die Tätigkeit in attraktiven Wachstumsmärkten mit sehr hohen Marktbarrieren ins Treffen. Dass das höhermargige Servicegeschäft ausgebaut wird, wird ebenso als Plus gesehen. Auch wird auf die starke Forschungs- und Entwicklungstätigkeit verwiesen. Das jüngste Wachstum des Auftragsbestands bietet eine gute Sichtbarkeit für den bevorstehenden Umsatz und die Ertragsentwicklung. Niedrige Investitionsanforderungen ermöglichen einen stabilen Mittelzufluss. Für Anleger mit einem Sinn für zukunftsweisende Technik eine interessante Beimischung.

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