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Frauen und Geldanlage : Aktien sind gut für das Selbstbewusstsein

Noch schnell das Depot checken: Aus dem Home Office heraus haben auch viele Frauen die Aktienanlage für sich entdeckt. Bild: dpa

In der Pandemie sind auch mehr Frauen auf den Geschmack der Aktienanlage gekommen. Eine Umfrage unter Anlegerinnen in zehn europäischen Ländern bringt manche Überraschung zum Vorschein.

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          Die Corona-Pandemie hinterlässt deutliche Spuren im Leben vieler Menschen. Manche müssen ihr Erspartes auflösen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Andere geben in Zeiten von Homeoffice, mehr oder minder geschlossenen Geschäften und weniger Urlaubsmöglichkeiten kaum noch Geld aus und sparen es. Angesichts niedriger Zinsen und einer wachsenden Zahl von Instituten, die Negativzinsen auf Einlagen verlangen, investieren viele Anleger vermehrt in Aktien. Deutlich gestiegene Kurse wie die aktuelle Rekordjagd des Dax spiegeln dies.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auch Frauen sind stärker auf dem Kapitalmarkt aktiv. Dies ergibt eine Umfrage der Fondsgesellschaft JPMorgan Asset Management unter fast 4000 Frauen in zehn europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Schweiz. Demnach haben 29 Prozent der Frauen, die schon zu den Anlegerinnen zählten, ihre Kapitalmarktanlagen während der Pandemie erhöht. In der männlichen Vergleichsgruppe taten dies allerdings 40 Prozent. Dennoch entschieden sich selbst diese Anlegerinnen häufiger dafür, ihre Spareinlagen aufzustocken, als das Geld zu investieren, heißt es in der Analyse. Befragt wurden Frauen im Alter von 30 bis 60 Jahren, die über Kapitalanlagen oder Ersparnisse und ein gewisses Mindesteinkommen verfügen, damit sie zumindest theoretisch in der Lage wären, Geld anzulegen.

          Wenige investieren regelmäßig

          In dieser Gruppe sind inzwischen fast zwei Drittel der befragten Frauen Anlegerinnen (64 Prozent). In Deutschland und Österreich ist deren Anteil mit 71 Prozent sogar am größten. Dennoch setzten mit einem Anteil von 79 Prozent der Befragten noch immer zu viele Frauen auf Sparbuch oder Tagesgeld, obwohl das Erreichen langfristiger Finanzziele durch die niedrigen Zinsen damit seit Jahren in immer unerreichbarere Ferne rücke, heißt es von JPMorgan Asset Management. Nicht einmal ein Fünftel der Frauen investiere regelmäßig, dagegen sparten mehr als drei Viertel beständig.

          Dabei helfe die Wertpapieranlage nicht nur dabei, Vermögen aufzubauen, sagt JPMorgan Asset Management. Anlegen steigere zudem das finanzielle Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Viele Analysen zeigten zudem einen Zusammenhang zwischen finanzieller Sicherheit und dem allgemeinen Wohlbefinden auf. In der Umfrage verfügten rund 37 Prozent der Frauen, die investiert hatten, über ein überdurchschnittliches Selbstwertgefühl, verglichen zu 25 Prozent derjenigen, die bisher nur sparten. Insgesamt war im Durchschnitt jede dritte Befragte eher selbstbewusst. Dieser Anteil fiel in den meisten Ländern ähnlich aus. Zwei Werte fallen gleichwohl auf: Finnische Frauen waren demnach fast doppelt so selbstbewusst wie französische (Anteil von 39 gegenüber 20 Prozent). Insgesamt noch stärker ausgeprägt war das Selbstwertgefühl aber unter den Männern. Hier traf dies auf rund die Hälfte zu.

          Doch gerade mangelndes Selbstvertrauen und Lücken im Finanzwissen sind der Grund dafür, dass sich Frauen am Aktienmarkt und bei sonstigen Finanzaktivitäten zum Vermögensaufbau weniger stark engagieren als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter anderem mit der Universität Groningen und der Niederländischen Nationalbank. Frauen schätzen ihr Finanzwissen demnach zudem häufig geringer ein, als es tatsächlich ist. Ihre geringere Finanzkompetenz hänge denn auch mit den eigenen Selbstzweifeln in Bezug auf dieses Wissen und auch die Entscheidungsfindung zusammen.

          Nachhaltiges Investieren als möglicher Schlüssel

          Wie verschiedene Analysen ergeben haben, legen vor allem Frauen Wert auf Nachhaltiges. Dies gilt auch in der Anlage. JPMorgan sieht in diesem Investmentthema insofern auch eine mögliche treibende Kraft, die noch fehlende Akzeptanz der Wertpapieranlage insgesamt zu stärken. Denn rund drei Viertel der Frauen gaben an, dass nachhaltiges Investieren für sie von großer Bedeutung sei, für 20 Prozent sogar von „extrem hoher“. Unter den Frauen mit Vorkenntnissen in diesem Bereich waren 77 Prozent der Ansicht, dass ihre Anlagen etwas Gutes für die Gesellschaft bewirkten. Fast die Hälfte sieht in nachhaltigen Wertpapieranlagen die Zukunft des Investierens und beabsichtigt, künftig nur noch in entsprechende Unternehmen zu investieren. Es gab dabei klare Favoriten. Der Klimawandel war den befragten Frauen mit Abstand am wichtigsten. Es folgten Menschenrechte, Umweltverschmutzung, faire Arbeitsbedingungen und Tierversuche.

          Die durch das Analysehaus Kantar im Auftrag von JPMorgan Asset Management durchgeführte Umfrage zeigt zudem, dass sich mit der Pandemie das Bewusstsein für die Notwendigkeit verstärkt hat, für künftige Unwägbarkeiten vorzusorgen. Als Hauptgrund für das Sparen wurde dabei am häufigsten die Planung für den Notfall genannt, gefolgt vom Sparen für den Ruhestand. Die Befragten setzen dafür allerdings eher auf das Sparbuch. Wertschwankungen und die Notwendigkeit, die Anlagen im Auge zu behalten, führten zu einem Gefühl fehlender Kontrolle – insbesondere im Vergleich zur Flexibilität und einfachen Verfügbarkeit von Sparbüchern und Tagesgeldkonten, heißt es.

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