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Musik fürs Parkett : Believe gelingt der Börsengang

Auch sie arbeiten mit ihrem eigenen Label mit Believe zusammen: die Kasseler Band Milky Chance im September 2017 in der Jahrhunderthalle Frankfurt Bild: Michael Braunschädel

Der Schritt an die Pariser Euronext bringt dem französischen Unternehmen rund 300 Millionen Euro ein. Im frühen Handel gibt der Aktienkurs allerdings nach.

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          Das französische Musikunternehmen Believe hat den Sprung an die Pariser Börse Euronext geschafft. Der Ausgabepreis lag mit 19,50 Euro am unteren Ende der zuvor festgelegten Spanne. Mit den ausgegebenen rund 15 Millionen neuen Aktien nimmt Believe gut 300 Millionen Euro ein, nachdem das zuvor avisierte Ziel von ungefähr 500 Millionen Euro reduziert wurde. Bestehende Investoren hätten ihren Anteil nicht weiter verwässern wollen, hieß es zur Begründung.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Größter Anteilseigner bleibt weiterhin die US-Investmentgesellschaft TCV, deren Anteil von 49,6 Prozent auf rund 41 Prozent sinkt. Gut 14 Prozent der Anteile werden nun gehandelt, wobei die Option auf die Ausgabe zusätzlicher Aktien möglich sei, mit der weitere rund 30 Millionen Euro eingenommen werden könnten. Im Börsenhandel fiel der Aktienkurs indes deutlich, im Tief bis auf 16,80 Euro. Believe wird damit aktuell mit rund 1,9 Milliarden Euro bewertet.

          Das 2005 unter anderem vom ehemaligen Vivendi-Manager Denis Ladegaillerie gegründete Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von „Artist & Label Services“. Als solcher versteht es sich primär als Dienstleister für Künstler und Labels. Kerngeschäft ist der Musikvertrieb, angefangen mit dem Basis-Angebot TuneCore. Über diese Plattform kann jeder Musiker gegen eine geringe Einmalzahlung seine Werke auf den Streamingdienste und anderen digitalen Plattformen anbieten. Believe übernimmt aber auch den Vertrieb für Indie-Labels und bietet darüber hinaus diverse Marketingservices für Künstler an.

          Die Branchengrößen drängen auf den Markt

          Im Gegensatz zu einem klassischen Label-Vertrag behalten Künstler im Rahmen eines Service-Deals die Rechte an ihren Aufnahmen und in der Regel eine deutlich höhere Beteiligung an den Einnahmen aus der Vermarktung der Musik. Dafür ist der Künstler aber als Unternehmer mit im Boot und geht für eine Kampagne mit ins finanzielle Risiko.

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          Ein solches Modell erscheint für Künstler zunehmend reizvoll, da die vormals großen Hürden wie der Vertrieb oder auch hohe Produktionskosten heute nur noch bedingt anfallen und eigenständigere Künstler mit eigenem Team einfacher mehr selbst in die Hand nehmen können. Daher sind neben anderen Konkurrenten längst auch die drei großen globalen Musikunternehmen Universal, Sony und Warner Music auf dem Feld aktiv und bauen ihrerseits reine Dienstleistungsangebote für Künstler und Indie-Labels aus. Erst am Mittwoch hatte etwa Universal Music eine Allianz mit dem großen unabhängigen Musikunternehmen Pias bekanntgegeben, was die Position des Branchenprimus auf dem Indie-Gebiet weiter stärkt.

          Der Wettbewerb ist folglich hart. Believe will mit den Einnahmen aus dem Börsengang weiteres Wachstum finanzieren. Derzeit ist das Unternehmen in mehr als 50 Ländern aktiv. In den vergangenen Jahren wurden diverse Übernahmen in unterschiedlichen Märkten getätigt, in Deutschland haben die Franzosen unter anderem das auf Rap spezialisierte Unternehmen Groove Attack und das große Metal-Label Nuclear Blast übernommen. Auch international gehören diverse klassische Labels zu Believe, obgleich das Kerngeschäft reine Dienstleistungen darstellen.

          Musik reizt zusehends Finanzinvestoren

          Mit einem konsolidierten Umsatz von 441,4 Millionen Euro in 2020 kann Believe vor allem Dank des Streaming-Booms auf ein starkes Wachstum verweisen. 2019 kam die Gruppe noch auf 394,5 Millionen. Gleichwohl ist das Geschäft kostenintensiv, sodass 2020 unter dem Strich ein Verlust von 26,3 Millionen Euro nach 4,6 Millionen Euro Gewinn im Jahr 2019 anfiel.

          Musik reizt Finanzinvestoren seit einiger Zeit wieder stärker. Das unterstreichen auch die Käufe von Werkekatalogen etablierter Musiker, in denen viele eine langfristig stabile Anlageform sehen. Der Börsengang scheint für Believe zudem vor dem Hintergrund sinnvoll, dass die großen Label im Kampf um Künstler und Marktanteile nicht zuletzt auch auf die Einnahmen aus ihrem großen Katalog an älteren Werken zurückgreifen können.

          Auf Basis der früheren Verträge erhalten die Labels meist noch einen deutlich höheren Anteil an den Tantiemen als heute üblich und natürlich arbeiten auch viele der aktuellen Stars mit den drei Branchengrößen zusammen. Alleine Universal Music generierte 2020 so einen Umsatz von 7,4 Milliarden Euro und soll nach dem Willen von Mehrheitseigner Vivendi bald ebenfalls an die Börse gehen. Bewertet wird Universal mittlerweile mit 35 Milliarden Euro.

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