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Französische Banken : „Bei der Bankenunion sind wir ein bisschen deutsch“

Damit spielt Barbat-Layani auf Fälle wie vor einiger Zeit die Bank Austria an, bei dem die österreichischen Aufseher einen Abzug von Eigenkapital nach Italien befürchteten, nachdem die österreichische Bank von der Unicredit mit Sitz in Mailand übernommen worden war. Die Österreicher sahen sich von einer Unterkapitalisierung für die Geschäfte in Österreich bedroht, die Italiener argumentierten, die Österreicher hätten mehr als genug Eigenkapital.

Französische Banken sind auch in anderen Euroländern tätig

In solchen Fällen wünscht sich der französische Bankenverband freie Hand für seine Mitgliedsunternehmen. Kein Wunder: Der französische Marktführer BNP Paribas beispielsweise ist Eigentümer der Banca Nazionale del Lavoro (BNL), einer der größten Banken Italiens. Auch etliche andere französische Häuser sind in Europa grenzüberschreitend tätig. „Die nationalen Aufseher verlangen immer mehr, dass die Liquidität und das Kapital in den Filialen bleiben, als ob sie sich nicht in einer Bankenunion befänden. Das ist ein echtes Problem, denn es erhöht die Kosten. Dies beleuchtet, dass das gegenseitige Vertrauen in der Bankenunion schwindet“, findet die französische Verbandschefin.

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Dabei könnte der freie Kapitalfluss einer Volkswirtschaft wie der italienischen sehr gut tun, weil ausländische Banken sie unterstützen könnten. Gerade für den dynamischen Mittelstand Italiens wäre das wichtig. „Denn eine große französische Bank beispielsweise hat keine Probleme, sich günstig am Markt zu finanzieren und damit auch günstige Kredite zu vergeben. Für italienische Häuser ist das weniger der Fall, denn sie haben ihre Konsolidierung noch nicht beendet und haben noch in erheblichem Umfang zweifelhafte Kredite in ihren Bilanzen.“ Dass sich die französischen Banken damit Marktanteile im Ausland sichern, liegt auf der Hand, doch das wäre eben auch ein Ergebnis von grenzüberschreitendem Wettbewerb, argumentiert man in französischen Bankenkreisen.

„Man muss dem Zeit geben.“

Beim Abbau notleidender Kredite ziehen Deutschland und Frankreich am gleichen Strang. In der Erklärung des Gipfeltreffens von Meseberg fordern Berlin und Paris eine Obergrenze für den Bruttobestand notleidender Kredite von 5 Prozent der Kreditsumme. In mehreren Ländern liegen die Problemkredite höher, in Frankreich dagegen bei rund 3 Prozent und in Deutschland bei rund 2 Prozent. Barbat-Layani weist darauf hin, dass die notleidenden Kredite nicht nur in Italien, sondern auch in Portugal und Griechenland hoch seien. Doch sie lehnt das Drängen auf einen raschen Abbau ab: „Diese Kredite in einem halben Jahr abzubauen ist unmöglich. Man muss dem Zeit geben.“

Bei den sogenannten Klumpenrisiken in Südeuropa signalisieren die französischen Banken ebenfalls Zurückhaltung. Sie entstehen dann, wenn eine Bank hohe Bestände an Anleihen ihres eigenen Staates in der Bilanz führt (F.A.Z. vom 19. Juli). Im Krisenfall können sich Staaten und Banken gegenseitig nach unten ziehen, weshalb manche Ökonomen eine Entflechtung wollen. Doch der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht habe das Dossier geschlossen, heißt es in französischen Bankenkreisen, daher gäbe es für Europa keinen Grund, es wieder zu öffnen. Die französischen Banken wollen keine regulatorischen Hindernisse, zumal die Staatsanleihen Frankreichs als vergleichsweise sicher gelten und etwas mehr Rendite bringen als die deutschen Papiere.

Wie kommt es indes, dass sich die französischen Banken in einem guten Zustand befinden? Viele Beobachter verweisen auf das größere Betätigungsfeld, das durch keine öffentlich-rechtlichen Institute blockiert werde. Das umfangreiche Immobiliengeschäft mit den Franzosen, die in hohem Umfang Eigentümer sind, liefert auch einen guten Sockel, zumal in den vergangenen Jahren größere Preiseinbrüche ausblieben. „Es ist immer ein Bremsfaktor, wenn ein Teil der Banken keine Verpflichtung zur Rentabilität hat. In Frankreich haben sich die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen vor rund 15 Jahren reorganisiert. Sie schlossen sich zu größeren Einheiten zusammen und wurden profitabler. Der Prozess der Konsolidierung setzt sich heute noch fort.“

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