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Projekt „Silbersee“ : Frankreich geht gegen aktivistische Fonds vor

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire plant einen Staatsfonds, um Großkonzerne vor aggressiven Investoren zu schützen. Bild: AFP

Ein Staatsfonds mit arabischer und privater Beteiligung soll Großkonzerne vor aggressiven Investoren schützen. In Berlin verfolgt man die französischen Pläne mit Interesse.

          2 Min.

          Frankreich will seine großen Unternehmen bald mit einem neuen Staatsfonds unterstützen. Daran sollen auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) teilhaben sowie private institutionelle Investoren, darunter Versicherer wie der Axa-Konzern. Eines der Ziele ist, unliebsame Fonds von den französischen Unternehmen fernzuhalten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Dem französischen Finanzminister Bruno Le Maire ist es schon länger ein Dorn im Auge, dass aktivistische Fonds vor allem angelsächsischer Herkunft mit geringen Kapitalanteilen französische Konzernführungen unter Druck setzen. Nach einer Studie sind seit 2010 rund vierzig Unternehmen von Fondsgesellschaften wie Elliot, Third Point, TCI oder Amber ins Visier genommen worden. Diese Fonds schadeten mit ihren kurzfristigen Renditezielen der Entwicklung der Unternehmen, findet Le Maire. „Die Aufgabe des neuen Fonds ist es, ein stabiles und langfristiges Aktionariat der größten französischen Unternehmen zu sichern“, erläutert er.

          Daher hat der französische Finanzminister in dieser Woche in Abu Dhabi einen Vertrag zum Einstieg des arabischen Staatsfonds Mubadala mitunterzeichnet. „Silbersee“ soll der neue französische Fonds heißen. Im April ist der offizielle Beginn geplant. Der Fonds soll Mittel von 4 Milliarden Euro verwalten; eine Milliarde kommt dabei von Mubadala, eine weitere Milliarde Euro jeweils von institutionellen privaten Investoren und von der staatlichen französischen Investitionsbank BPI.

          Zudem soll eine Milliarde Euro als Kredit aufgenommen werden. Längerfristig sollen Mittel von 10 Milliarden Euro zusammenkommen. Dafür werden auch Mittel von ausländischen Investoren etwa in Nordamerika gesucht. Auch für andere Staatsfonds und für Vermögensverwalter reicher Familien stehe der Fonds offen, betonte eine BPI-Sprecherin.

          Nicht-französischen Fonds nur als stille Teilhaber willkommen

          Warum aber sollten sich ausländische Investoren an einem Fonds beteiligen, der nach eigenem Bekunden in etwa 15 französische Großkonzerne mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 500 Millionen Euro investiert? Die überdurchschnittlich hohe Rendite gebe den Ausschlag, betont die BPI. Für die Diversifizierung der Anlagen könnte dies interessant sein.

          Die BPI ist anders als die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein agiler Investor, der in Frankreich mit seinem staatlichen Geld fast so frei umgehen kann wie eine private Beteiligungsgesellschaft. Sie hält Anteile an rund 20 Unternehmen des Börsenindex CAC-40 und erzielte damit in den vergangenen sechs Jahren eine Rendite oberhalb des Durchschnitts der vierzig notierten Unternehmen. Die BPI finanziert jährlich auch rund 3000 französische Gründerunternehmen mit Krediten und ist an etwa 100 direkt beteiligt. Hinzukommen Beteiligungen an rund 300 anderen Fonds.

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          Die BPI betont, dass sie beim Silbersee-Fonds ausdrücklich die Geschicke der Unternehmen mitbestimmen wolle. Alle Beteiligungen sollen so groß sein, dass sie einen Vertreter in den jeweiligen Verwaltungsrat schicken darf. Im Komitee für die Auswahl der Investitionen sollen aber nur BPI-Vertreter sitzen. Abu Dhabi etwa werde keinerlei Einfluss haben, heißt es ausdrücklich. Die nicht-französischen Fonds seien nur als stille Teilhaber willkommen.

          Altmaier sieht staatliche Beteiligungen als „ultima ratio“

          Die Franzosen verfügen schon über eine große Palette staatlicher Instrumente; dazu gehören neben der BPI auch die Beteiligungsgesellschaft Caisse des Dépôts und die Agentur für Staatsbeteiligungen (APE). Doch alleine schon wegen der angespannten Haushaltslage Frankreichs „können wir den Staat nicht einfach um 10 Milliarden Euro bitten“, heißt es in der BPI. Daher sammelt man jetzt im Ausland Geld ein.

          Auch die Caisse des Dépôts hat im November mit sieben großen französischen Finanzunternehmen den Fonds FSP wiederbelebt, der ebenfalls französischen Unternehmen helfen soll. Er soll allerdings vor allem Mittelständler unterstützen, während sich der jüngste Fonds auf die großen Konzerne konzentriert.

          Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin verfolgt die französischen Pläne mit Interesse, will sich aber nicht daran beteiligen. In der Industriestrategie von Minister Peter Altmaier heißt es, als „ultima ratio“ seien befristete staatliche Beteiligungen an deutschen Unternehmen im Einzelfall denkbar.

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