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Deutsche Börse eröffnet : Fürs Selfie als Börsenreporter ins Besucherzentrum in Frankfurt

Besucherzentrum der Börse: Die leuchtende Stäbe stehen für die Dax-Entwicklung seit 1988 Bild: Maximilian von Lachner

Nach vier Jahren Planung, Umbau und Corona-Verzögerungen können von Freitag an wieder Besucher in die Börse in Frankfurt. Viele interaktive Möglichkeiten sollen den Menschen die Börse näher bringen. Selfie als Börsenreporter inklusive.

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          Wie heißt der bekannteste Börsenindex der Welt? Olivia Jones, Dow Jones, Tom Jones oder Norah Jones? Okay, die Frage war einfach. Aber in welcher Marktsituation liegt der Terminkurs eines Finanzinstruments unter dem zu erwartenden Kassakurs bei Fälligkeit? Dass es sich hier um Back­wardation handelt, ist schon deutlich kniffliger. Die Börse stellt diese Fragen in ihrem interaktiven Quiz im neuen Besucherzentrum. Dort können Besucher gegeneinander antreten oder auch für sich allein ihr Börsenwissen in den Kategorien leicht, mittel und schwer testen. Wer sich vorher die neue Ausstellung intensiv angeschaut hat, ist klar im Vorteil.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Deutsche Börse hat vor vier Jahren angefangen, kräftig in die „Neue Börse“ am Börsenplatz im Herzen Frankfurts zu investieren. Anders als der Name „neu“ vermuten lässt, stammt das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Die Arbeitsplätze für die Radio- und Fernsehjournalisten wurden modernisiert. Für Unternehmen, die an die Börse gehen, gibt es neue Räume, die X-Lounge genannt werden und auch für andere Veranstaltungen gemietet werden können. Und Besuche an der Börse werden deutlich vereinfacht.

          Früher waren oft nur Gruppenführungen möglich, und die beschränkten sich auf die Besuchergalerie oberhalb des großen Handelssaals. Dieser Bereich ist nun der Abschluss des neuen Besucherzen­trums. Vorher ist die Ausstellung deutlich größer und steht jedermann kostenlos offen. Vom 1. Juli an bietet die Börse montags bis freitags um 11 Uhr, um 13 Uhr und um 15 Uhr jeweils 70 Personen die Möglichkeit, sich die neue Ausstellung anzuschauen. Auf deutsche-boerse.com ist eine Anmeldung nötig. Der Eröffnungsfreitag ist schon ausgebucht. Aber für nächste Woche sind noch viele Termine frei. Auch spontane Besuche sind möglich, sofern die Termine noch nicht ausgebucht sind.

          Warum heißt es Bulle und Bär?

          Im Besucherzentrum führt eine Wendeltreppe im historischen Börsengebäude in den ersten Stock und empfängt die Besucher mit einer Kurstafel, deren klackernde Lettern ein berühmtes Geräusch aus dem Frankfurter Handelssaal sind. Hier klackert jedoch erst einmal nichts. Dafür sprechen auf einer Videowand fünf Personen über ihre Börsenerfahrungen. Schüler Max (16) aus Darmstadt zum Beispiel oder Rentner Werner (65) aus Hamburg. Die Geschichte des Gebäudes wird auf historischen Bildern dokumentiert, und auch die erste gehandelte Aktie, die der Österreichischen Nationalbank, ist ausgestellt. Im großen Ausstellungsraum gibt es sehr viele Informationen rund um Börsen, Handel und Geldanlage. Wer sich für die Organisation der Trägergesellschaft der Börse interessiert hat, findet hier entsprechende Organigramme. Auch wer sich bestmöglich auf das Quiz vorbereiten will, kann sich an den Touchscreens mit mehr als 500 Textbeiträgen ausgiebig informieren. Wem das zu trocken ist, der kann durch Gucklöcher die Skulpturen von Bulle und Bär an verschiedenen Börsenstandorten der Welt erblicken. Ein Guckloch ermöglicht auch den Live-Blick auf den Frankfurter Börsenplatz direkt vor der Tür. Wieso es überhaupt zu Bulle und Bär als Symbolen für die Börse kam? Auch hier gibt es natürlich die Erklärung im Besucherzentrum: Schaukämpfe zwischen Bulle und Bär im London des 17. Jahrhunderts waren der Ursprung. Der Bär schlug immer mit der Tatze von oben nach unten. Abwärtskurse gelten seither als Bärenmarkt. Der Bulle wiederum kam mit tief gesenktem Kopf und versuchte in einer Aufwärtsbewegung seinen Gegner aufzuspießen. Er symbolisiert seither steigende Kurse an der Börse.

          Wer schauen will, welche Bewegungen ein Aktiendepot in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, kann sich an einem interaktiven Tisch per Touchscreen verschiedene Depots zusammenstellen und merkt zum Beispiel, dass es klug gewesen wäre, seine Bayer-Aktien länger als nur bis ins Jahr 2000 zu halten, dass es aber noch klüger gewesen wäre, einen Dax-ETF oder eine Sartorius-Aktie zu kaufen.

          Über Telefonhörer in die Vergangenheit

          An den ausrangierten Handelsschranken der 1980er-Jahre können die Besucher das Quiz machen. Wer die Telefonhörer dort abnimmt, hört eine kurze Handelsszene aus dem Zurufhandel der damaligen Zeit. Wenige Schritte später zeigt sich beim Blick vom Balkon auf den aktuellen Handelssaal der Kontrast. Es gibt viel weniger Händler, die dafür vor um so mehr Bildschirmen sitzen. Geschrien wird schon lange nicht mehr. Immerhin gilt von Juli an wieder die Präsenzpflicht für Händler, dann wird der Handelssaal nicht mehr ganz so verwaist sein wie während der Pandemie. An einer Selfie-Station kann sich jeder als Börsenreporter beweisen.

          Knapp 20 Millionen Euro hat die Börse für den Umbau in der „Neuen Börse“ veranschlagt. Nach Angaben von Bastian Lange, der bei der Börse unter anderem für das Besucherzentrum zuständig ist, dürfte es mehr werden. Ein paar Konferenzflächen sind noch nicht fertig. Das Besucherzen­trum ist es seit fast zwei Jahren, doch Corona hat die Eröffnung immer wieder durchkreuzt. Wie viele Eröffnungen geplant waren? Diese Quizfrage könnten nicht mal die Eingeweihten spontan beantworten.

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