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Baltic-Dry-Index : Frachtschiffahrts-Index signalisiert Gefahr für Welthandel

  • Aktualisiert am

Das Frachtschiff „Solvi A“ Bild: dpa

Der für die Frachtschiffahrt der Welt wichtigste Index, der Baltic Dry, ist auf ein Allzeittief gefallen. Nach herkömmlichem Verständnis signalisiert das eine Krise des Welthandels

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          Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft beschäftigen die Finanzmärkte schon seit einiger Zeit. Am Freitag kam jetzt ein weitere Grund hinzu. Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Charterraten auf den wichtigsten Seehandelsrouten widerspiegelt ist mit 504 Punkten auf den niedrigsten Stand seiner 30-jährigen Geschichte gefallen. Da der Index als Frühindikator für die Entwicklung des Welthandels gilt, ist dies ein negatives Signal auch für das weltweite Wachstum.

          Vor allem das schwächere Wachstum in China belastet die Charterraten, weil die Nachfrage des Landes nach Kohle und Eisenerz deutlich nachgelassen hat. Die Preise für Eisenerz in China steigen kaum noch und auch der Erzhandel verzeichnet die niedrigste Zuwachsrate seit 2001. Der Markt sehe beängstigend aus, sagte Schifffahrtsanalyst Eirik Haavaldsen von Pareto Securities der Nachrichtenagentur Bloomberg, der nicht mit einer Erholung in absehbarer Zeit rechnet.

          Bild: FAZ.NET

          Die Charterraten für Schüttgüter, deren Entwicklung der Baltic Dry Index nachzeichnet waren von 2006 bis 2008 auf ein Rekordhoch geklettert – dank der Nachfrage aus China. Damals stand der Index schließlich bei mehr als 11.000 Punkten. Das führte seinerzeit zu einem großen Ausbau der Transportkapazitäten, die nun zusätzlich auf die Charterraten drücken. Durch die zeitliche Verzögerung zwischen Aufträgen und Bau wird die Flotte bis mindesten 2017 per saldo noch weiter wachsen. Vor allem Transportschiffe mittlerer Größe (sogenannte Handymax) laufen immer noch weit mehr vom Stapel als abgewrackt werden.

          Der Verfall der Charterraten beschränkt sich aber nicht auf die Schüttgüter. Auch der wöchentlich vom Broker Harper Petersen berechnete Harpex-Index für Containerschiffe ist seit Ende 2005 stark gefallen. Ende der vergangenen Woche notierte er mit 389 Punkten zwar noch oberhalb des Tiefs vom Dezember 2012 bei 352 Punkten, doch seit Juni ist der Index steil um 40 Prozent gefallen. Das bisher letzte Mal lag der Harpex im Mai 2014 auf diesem Niveau. Der Baltic Dry Index ist seit Mai dagegen um 60 Prozent gefallen, nachdem er sich von dem im Februar erreichten damaligen Allzeittief zwischenzeitlich erholt hatte.

          Die Tatsache, dass die Frachtschifffahrt ein immenses Problem mit Überkapazitäten hat allerdings immer mehr Fachleute bewogen, dem Index seine Prognosefähigkeit abzusprechen. Schon im Oktober kamen etwa die Analysten der LBBW zu dem Schluss, dass der Index seit Jahren eine extreme Krise der globalen Konjunktur signalisiere die es nicht gebe. Seit der Finanzkrise habe er BDI offensichtlich an Prognosefähigkeit verloren. Was die Entwicklung allerdings anzeigt, ist eine anhaltende Krise der Frachtschifffahrt. Außerdem reflektiert er die schwache Verfassung der Rohstoffmärkte.

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