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Kapitalmarktausblick : Fondsriese DWS preist noch keine Taiwan-Eskalation ein

Die Fondsgesellschaft DWS blickt vorsichtig optimistisch auf die Kapitalmärkte im kommenden Jahr. Bild: Reuters

Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bank blickt vorsichtig optimistisch auf die Kapitalmärkte im nächsten Jahr. Weitere Kriege, etwa gegen Taiwan, berücksichtigt das Szenario nicht.

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          Das Jahr 2022 ist für Anleger eines zum Vergessen. Insbesondere in den Anlageklassen Aktien und Anleihen. Trotz der jüngsten Erholung sind die Verluste immer noch im zweistelligen Prozentbereich. Die Gründe hat Björn Jesch, Chefanlagestratege der Fondsgesellschaft DWS, schnell ausgemacht: den russischen Angriff auf die Ukraine, die Energiekrise in Europa nebst galoppierender Inflation, ebenso China, dessen Zugkraft für die Weltwirtschaft nachlässt.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Umso überraschender, dass Sean Taylor, der Chefanleger für Asien der Deutsche-Bank-Tochter mit Sitz in Hongkong, den chinesischen Markt nicht gar so kritisch betrachtet. Eine starke Rally sei durchaus möglich, meint Taylor, im zweiten Halbjahr kommenden Jahres könnten die Kurse in China um 15 bis 20 Prozent zulegen, sagte er.

          Zwar rechnet Taylor mit der Fortsetzung der Zero-Covid-Politik durch die Kommunistische Partei, allerdings mit einer flexiblen Handhabung der Restriktionen. Ein klarer Fahrplan aus der Pandemie und eine höhere Impfquote sind für ihn mögliche Katalysatoren für die dortigen Börsen, dann werde die DWS auch stärker in dem Land investiert sein, kündigt Taylor an.

          Mit Blick auf die aufkeimenden Proteste in dem Land gegen restriktive Lockdowns im Kampf gegen die Pandemie glaubt Taylor nicht alles, was in den sozialen Medien trotz strenger Zensur zu sehen ist. „Wir hören auch andere Dinge aus dem Land“, wiegelt er ab: „Die nächsten 24 bis 48 Stunden werden darüber entscheiden, wie sich die Lage weiter entwickelt“, sagt er.

          Und ein möglicher Angriff Chinas auf Taiwan, das von Peking als „abtrünnige Provinz“ betrachtet wird? Die Möglichkeit, dass eine Attacke „in den kommenden fünf Jahren“ erfolgt, beziffert Taylor auf „10 bis 15 Prozent“ – also eher unterdurchschnittlich. „Unser Basis-Szenario ist das nicht“, schiebt der DWS-Manager nach.

          Verschärfung des Kriegs in der Ukraine

          Nun waren es Krisen wie der russische Angriff auf die Ukraine, die die Welt, auch die der Börsen, in diesem Jahr nachhaltig verändert haben. Mit was rechnet die DWS im kommenden Jahr? Jesch gibt sich zurückhaltender: „Sollte die Intensität des Kriegs in der Ukraine im kommenden Frühjahr wieder zunehmen, könnte das zu Schwierigkeiten führen. Und Taiwan – das haben wir nicht berücksichtigt, aber es könnte auch zu einem Risiko werden.“

          Dass das Problem der gegenwärtig ausufernden Inflation aber von den Notenbanken eingedämmt wird, davon sind die Anlagestrategen der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft überzeugt. „Der Höhepunkt ist hinter uns“, sagt Jesch. Im nächsten Jahr rechnet die Fondsgesellschaft mit einer Teuerung von 6 Prozent in der Eurozone und 4,1 Prozent in den USA. Zuletzt lag die Inflation in der Eurozone noch bei knapp 11 Prozent und knapp 8 Prozent in den USA. Inflationsdämpfend werde sich ein geringeres Wachstumstempo auswirken.

          Von der Zinswende profitiert haben Banken. Und Aktien europäischer Institute erscheinen Marcus Poppe, Portfolio-Manager der DWS, gerade als günstiger Kauf. Dazu passt, dass die DWS selbst einem Medienbericht zufolge ihre Rechtsform ändern möchte, um für Investoren attraktiver zu werden. Kommentieren will Jesch das freilich nicht.

          Alles in allem: Die DWS blickt vorsichtig optimistisch auf die Kapitalmärkte im kommenden Jahr. Aber wie sagt Stefan Kreuzkamp, DWS-Veteran und langjähriger Chefanlagestratege, der die Fondsgesellschaft Ende des Jahres verlässt: „Man braucht auch ein bisschen Glück an den Märkten.“

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