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Fondsporträt : Der Investitionsapostel

  • -Aktualisiert am

Fondsmanager Mulholland blickte tief ins Buch der Bücher Bild: dpa

Mark Mulholland ließ sich für seinen kleinen Fonds „Matthew 25“ von der Bibel inspirieren. Bei der Fondsverwaltung hält er sich allerdings an das Evangelium von Buffett.

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          Mark Mulholland hat als Fondsmanager einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen und seinen Fonds nach dem Matthäusevangelium im Neuen Testament benannt - „Matthew 25“. Die Fondsverwaltung sitzt nicht in Boston oder San Francisco, sondern in Jenkintown, einem Mittelklasse-Vorort von Philadelphia. Das Büro ist nicht in einer Luxussuite untergebracht, sondern befindet sich im ersten Stock von Mulhollands Haus.

          Vor acht Jahren strebte der ehemalige Börsenmakler die Laufbahn eines katholischen Diakons an, allerdings wurde er von der Kirche aufgrund der Tatsache, dass er verheiratet war und vier kleine Kinder hatte, abgelehnt. Der enttäuschte Mulholland wollte nach wie vor Gutes tun und ließ sich dabei von der Bibel inspirieren - und zwar ganz besonders vom Matthäusevangelium.

          Die biblische Geldvermehrung

          Im 25. Kapitel des Evangeliums wird in einem Gleichnis von einem Mann berichtet, der seine Habe seinen Knechten hinterließ, bevor er sich auf eine längere Reise machte. Bei seiner Rückkehr stellte er fest, dass einige Knechte das zur Verfügung gestellte Geld angelegt hatten, während die anderen nichts damit unternommen hatten.

          Bei Mulholland ist die Botschaft so angekommen: Der möglicherweise beste Weg zum Dienst an der Gemeinschaft besteht darin, seine Fähigkeiten zur Vermögensvermehrung einzusetzen. 1995 machte er dann den ersten Schritt und gründete seinen Fonds mit rund 500.000 Dollar aus dem Familienvermögen. Gegen Ende des Jahres 1996 hatte er genügend Freunde für den Fonds begeistert, so dass er bereits eine Million Dollar verwaltete.

          Matthew 25 übertrifft S&P-500

          Im Matthew 25 werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt 29 Millionen Dollar verwaltet und der Fonds entwickelt sich durchweg positiv. Nach fünf Jahren, die der Fonds jetzt besteht, verzeichnet er eine Jahres-Nettorendite von 15,1 Prozent im Vergleich zu 13,2 Prozent, die der S&P-500-Index erzielt hat. Im vergangenen Jahr ging der S&P 500-Index um 9,1 Prozent zurück, Matthew 25 dagegen stieg um 3,6 Prozent. Und auch im laufenden Jahr hat sich der Fonds gut gehalten und ist lediglich um 1,8 Prozent gefallen im Vergleich zu einem Minus von 14,3 Prozent beim S&P 500.

          Der skurrile Hintergrund von Matthew 25 und das kleine Portfolio von gerade einmal 20 verschiedenen Werten lässt eine Zuordnung schwierig erscheinen. Mulholland ist jedoch der Ansicht, dass er aufgrund der übersichtlichen Anzahl an Aktien die Unternehmen, deren Werte er hält, umso genauer kennen lernen kann.

          Finanztitel favorisiert

          Zur Zeit fühlt sich der Portfolioverwalter zu Finanzwerten hingezogen, aus denen sich das Portfolio des Fonds bereits zu 60 Prozent zusammensetzt. Den größten Posten macht die Hypothekenkreditaktie Freddie Mac aus, in die Mulholland rund 18 Prozent des Fondsvermögens investiert hat. Daneben investiert er in den Rentenversicherer MBIA und den Kreditkartenverleiher Advanta. Zudem sind zehn Prozent des Kapitals von Matthew 25 in den Aktien der kleinen Banken Willow Grove Bancorp und Commonwealth Bancorp angelegt.

          Mulholland hat darüber hinaus beträchtliche Summen in Technologiewerten wie Advanced Micro Devices und Intel angelegt. Er hat sogar sieben Prozent des Fondsvermögens in das unter Druck stehende kalifornische Versorgungsunternehmen Pacific Gas & Electric investiert. Mulholland ist ausschließlich langfristig orientiert und sieht sich dabei nach Aktien um, die er mindestens fünf Jahre lang halten kann.

          Vorbild Warren Buffet

          Ganz ähnlich wie sein Vorbild Warren Buffett sieht sich Mulholland die Unternehmen gerne genau an - und nimmt sich ausreichend Zeit für ein eingehendes Studium der Geschäftsvorgänge sowie der Fähigkeiten des Managements. Nach seinen eigenen Angaben nimmt er auf der Suche nach konkreten Anhaltspunkten pro Jahr ungefähr 3.700 Unternehmen unter die Lupe. Dabei hält er Ausschau nach Unternehmen, die ihren Aktionären in der Vergangenheit gute Gewinne beschert haben und gleichzeitig über Potenzial für eine Ertragssteigerung in den kommenden Jahren verfügen. Er sieht es gerne, wenn das Management sich selber in beträchtlichem Umfang an den Aktien des eigenen Unternehmens beteiligt.

          Mulholland ist stolz darauf, dass er die Mehrheit seiner Anleger persönlich kennt und dass die Familie einen Anteil von fünf Prozent an dem Fonds hält. „Ich möchte nicht zum heimlichen Strippenzieher werden, der völlig abgeschirmt im Verborgenen agiert“, sagt der Fondsmanager.

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