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Vorsicht vor 2018, sagt Carmignac-Anlagestratege Didier Saint-Georges. Bild: Helmut Fricke

Carmignac : Renommierte Fondsgesellschaft warnt vor 2018

Die Fondsgesellschaft Carmignac glaubt, dass Anleger im nächsten Jahr andere Aktien brauchen: Es geht um Aktien, die auch im Abschwung stabil sind. Welche das sind, verändert sich gerade.

          Die französische Fondsgesellschaft Carmignac warnt Privatanleger vor den Risiken des Jahres 2018. „Für das nächste Jahr muss aus meiner Sicht mit einer zyklischen Abschwächung der Weltwirtschaft gerechnet werden“, sagte Carmignac-Anlagestratege Didier Saint-Georges. „Nicht mit einer Rezession, aber mit einer Verlangsamung des Wachstums – ausgehend vor allem von Amerika und von China.“ Der Konjunkturzyklus in Amerika habe seinen Höhepunkt erreicht, das zeigten alle Indikatoren. Die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten und die Aussicht auf Steuererleichterungen hätten den Aufschwung zwar verlängert – außer Kraft gesetzt werden könne der zyklische Charakter der Wirtschaftsentwicklung jedoch nicht: „Privatanleger sollten bei ihren Aktieninvestments vorsichtiger sein.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es sei noch zu früh, um aus Aktien in Anleihen umzuschichten, meint Saint-Georges: „Aber ein neuer Schwerpunkt im Depot bei weniger zyklischen Aktien wäre klug.“ Allerdings verändert sich gerade strukturell, was zyklische und was defensive Aktien seien. „Aus meiner Sicht führt die sogenannte ,Amazonisierung’ weiter Teile der Wirtschaft dazu, dass früher defensive Werte wie Einzelhandelskonzerne inzwischen angreifbarer geworden sind.“ Pharma-Werte mit einer starken Produktpipeline hingegen behielten ihren „schützenden“ Charakter.

          „Defensiv sind heute aus meiner Sicht aber auch Technik-Aktien von Facebook über Google bis Amazon.“ Diese Unternehmen wüchsen sehr stark durch Netzeffekte und die Monetarisierung des bislang ungenutzten Potentials ihrer gewaltigen User-Zahlen – das macht sie relativ unabhängig vom Konjunkturzyklus. Ein starkes neues Technik-Unternehmen könnte im Abschwung sogar Marktanteile gewinnen, wenn es konventionelle Anbieter aus dem Markt drängt. „Die große Schwierigkeit bei den Technik-Unternehmen ist nur immer die richtige Bewertung.“

          Das Depot „winterfest“ machen

          Die Fondsgesellschaft Carmignac selbst habe in ihren Mischfonds (bekannt in Deutschland ist vor allem der „Patrimoine“) derzeit einen Aktienanteil von 48 Prozent gegenüber 52 Prozent Anleihen. „Damit liegen wir knapp unter unserer selbstgesteckten Obergrenze von 50 Prozent Aktien“, sagte Saint-Georges. „In den vergangenen zwei Monaten haben wir aber eine Neusortierung der Aktieninvestments vorgenommen, hin zu defensiveren Werten.“ Damit habe die Fondsgesellschaft das Depot gleichsam „winterfest“ gemacht. „Investments in Emerging Markets halten wir dabei nach wie vor für sehr interessant – und europäische Aktien sollte man gegenüber amerikanischen vorziehen, weil der Konjunkturzyklus hierzulande noch nicht so weit fortgeschritten ist.“

          Die Reduzierung der EZB-Anleihekäufe – im Fachjargon Tapering genannt – werde Wirkung auf die Kapitalmärkte haben. „Es ist aber logisch, dass die Kommunikation des Tapering durch Mario Draghi viel weniger Auswirkungen hat als die Tapering-Ankündigung in Amerika 2013.“ Die Anleihekäufe würden zunächst unbefristet fortgesetzt, zudem sei Amerikas Tapering letztlich schmerzlos geblieben. Und eine Leitzinserhöhung in der Eurozone sei in weiter Ferne.

          An den Märkten gebe es eine auffällige Inkonsistenz, meint Saint-Georges: Die Aktienmärkte seien sehr euphorisch über die Wirtschaftslage, die Anleihe-Renditen hingegen spiegelten das nicht: „Ein deutsches Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent und eine Inflation von gut 1 Prozent bedeutet ein nominales Wirtschaftswachstum von 3 Prozent. Dazu passt eine Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 32 Basispunkten nicht.“ Die Anleihe-Investoren sähen möglicherweise das Risiko, dass bei gleichbleibendem deflationären Druck beispielsweise durch Globalisierung und Demographie bei einer Abschwächung der Wirtschaft in Zukunft die Deflationsrisiken wieder die Oberhand gewinnen.

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