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Schwarmfinanzierung : Neuer Anschluss für Kleinanleger

  • -Aktualisiert am

Geschlossene Fonds für Kleinanleger: Ihr schlechter Ruf könnte passé sein. Bild: Picture-Alliance

Geschlossene Fonds haben keinen guten Ruf. Eine Plattform zur Schwarmfinanzierung könnte das ändern. Sie vermittelt Fonds an Kleinanleger.

          3 Min.

          Der Vertrieb geschlossener Fonds galt lange als ein analoges Geschäft, nicht nur wegen der dicken Anlageprospekte. Doch der Finanzvertrieb probiert nun neue, digitale Wege aus. Früher machten Finanzberater Anlegern die Zeichnung von Fonds mit Schiffen, Immobilien oder Solar- und Windkraftanlagen teils mit aggressiven Methoden in persönlichen Gesprächen schmackhaft, weil den Vertrieblern hohe Provisionen winkten. Doch die Zeiten, in denen die Anlageklasse Teil des nur schwach regulierten Grauen Kapitalmarkts war, sind vorbei. Das Kapitalanlagegesetz hat die Regeln seit dem Jahr 2013 verschärft.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viele Fondshäuser, deren Ruf unter der Misere der Schiffsfonds gelitten hat, haben sich neu orientiert – auch mit Blick auf die Vertriebsmethoden. So kooperiert die Dr. Peters Group aus Dortmund mit der Schwarmfinanzierungsplattform Zinsbaustein.

          „Geschlossene Fonds können über uns jetzt rein digital gezeichnet werden“, sagt Volker Wohlfarth, Geschäftsführer von Zinsbaustein, der F.A.Z. Zwar hat die Corona-Krise den Verkaufsstart des ursprünglich für die Premiere vorgesehenen Fonds mit drei Hotels durchkreuzt, doch die Dr. Peters Group sei nicht der einzige mögliche Kooperationspartner. Zinsbaustein, gegründet 2016, ist eigentlich kein Fondsspezialist, sondern eine der erst vor einigen Jahren entstandenen Plattformen für Schwarmfinanzierungen. Daneben sind sogenannte Clubdeals für Vermögende im Angebot, die mindestens 50.000 Euro in ein Projekt investieren müssen.

          Beteiligung schon mit kleinen Beträgen möglich

          Kleinanleger dagegen können sich über Zinsbaustein schon mit kleinen Beträgen an Immobilienprojekten beteiligen. Das läuft über Nachrangdarlehen, deren Verlustrisiko hoch ist. Bisher hat die Plattform Investitionen in Höhe von insgesamt mehr als 75 Millionen Euro eingeworben und davon rund die Hälfte zurückgezahlt. Beispiel: 419 Anleger haben insgesamt eine Million Euro für die Renovierung eines Lidl-Marktes im niedersächsischen Dannenberg beigesteuert, die im März 2020 nach 15 Monaten zurückgezahlt wurden. Der Jahreszins betrug 5,25 Prozent. Das in eine Nachranganleihe geflossene Anlegergeld war nur ein kleiner Teil der Gesamtfinanzierung des Projekts in Höhe von 11,7 Millionen Euro. Der Großteil stammte aus einem Bankdarlehen von 9,5 Millionen Euro, 1,2 Millionen Euro waren Eigenkapital des Projektunternehmens.

          Angesichts fehlender Zinsen auf Sparguthaben erscheint die Geldanlage in über den Schwarm finanzierte Projekte vielen Anlegern als besonders lohnend. Doch mit dem höheren Zins geht auch ein höheres Verlustrisiko einher – anders als bei zinslosen, aber durch die Einlagensicherung geschützten Bankguthaben. Die Anleger werden zu Gläubigern nachrangiger Teilkreditforderungen oder von Nachrangdarlehen und haften im Fall eines Fehlschlags des finanzierten Projekts fast wie Eigenkapitalgeber. Sie erhalten nur so viel Geld zurück, wie nach der vollständigen Bedienung der Ansprüche aller anderen Gläubiger übrig bleibt. Der Totalverlust des investierten Geldes ist also möglich.

          „Die Entscheidung, ob und in welche Projektfinanzierung ein Anleger investiert, muss er selbst treffen“, sagt Zinsbaustein-Geschäftsführer Wohlfarth. Die Plattform biete keine Vermögensberatung, weder für geschlossene Fonds noch für die Schwarmprojekte. Jedoch analysiert Zinsbaustein die angebotenen Immobilienprojekte und sorgt für eine transparente Darstellung und Auswahl auf seinen Internetseiten. Anleger zahlen keine direkten Gebühren oder Ausgabeaufschläge bei Schwarmprojekten, denn Zinsbaustein erhält Gebühren von den Projektentwicklern. Angesichts der überschaubaren Anlagebeträge ab 500 Euro können Anleger sich an vielen unterschiedlichen Projekten beteiligen, statt alles auf eine einzige Karte zu setzen. Das schützt vor Klumpenrisiken. „Andere Plattformen ermöglichen sogar noch deutlich niedrigere Mindestbeträge, was aber aus unserer Sicht nicht wirtschaftlich ist“, sagt Wohlfarth.

          Eine im vergangenen Jahr in Kraft getretene überraschende Änderung des Vermögensanlagegesetzes hat den Spielraum für Finanzierungen über den Schwarm vergrößert. Emittenten dürfen nun innerhalb von 12 Monaten Anlagen in Höhe von bis zu 6 Millionen Euro anbieten, statt zuvor 2,5 Millionen Euro. Internetplattformen wie Zinsbaustein müssen dabei sicherstellen, dass Anleger sich keine Klumpenrisiken ins Depot holen.

          Grundsätzlich dürfen Anleger maximal 1.000 Euro in Projekte desselben Emittenten stecken. 10.000 Euro sind zulässig, wenn eine Selbstauskunft des Anlegers vorliegt, dass er über frei verfügbares Vermögen von 100.000 Euro verfügt. Darüber hinaus sind bis zu 25.000 Euro Anlagesumme möglich, wenn diese unter dem zweifachen monatlichen Nettoeinkommen des Anlegers bleibt. Nachgewiesen wird das mit einer Selbstauskunft des Kunden. „Viele, die vorher die Maximalanlage ausgeschöpft haben, schöpfen nun auch die erhöhten Summen aus“, beobachtet Wohlfarth. Das gelte insbesondere für Anlegerinnen, die bei Zinsbaustein höhere Beträge anlegen als die männliche Kundschaft. Immerhin ein Viertel der Kunden seien weiblich.

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