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Zweistellige Rendite : Das Wunder-Portfolio

ETF bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Börsenbarometers wie dem Dax exakt nach. Bild: Wolfgang Eilmes

Es ist eine unangenehme Nachricht für erfolgreiche Fondsmanager: Ein kinderleicht zusammengesetztes Portfolio hätte ihre Leistung mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre nahezu immer geschlagen.

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          Fondsmanager sind nicht zu beneiden. Es gibt wohl kaum einen Beruf, in dem sich die Leistung so genau nachverfolgen lässt: Über das Internet kann sich jedermann jederzeit darüber informieren, wie gut oder wie schlecht ein bestimmter Fonds gerade abschneidet. Wirklich großartig sind die Leistungen in aller Regel nicht. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass eine stattliche Zahl von Fondsmanagern daran scheitert, für ihre Anleger auskömmliche Renditen zu erzielen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es gibt aber, dies muss man fairerweise sagen, durchaus ein paar Fondsmanager, denen dies für eine gewisse Zeit erstaunlich gut gelingt. Der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach mit seinem Fonds „Multiple Opportunities“ gehört beispielsweise dazu, auch Claus Vorm, der den Fonds „Nordea Stable Return“ steuert.

          Doch eine Auswertung des Analysehauses Morningstar für die F.A.S hält selbst für diese Starmanager eine unangenehme Nachricht bereit: So gut sie für eine Zeitlang auch sein mögen – ein ganz einfach zusammengesetztes Portfolio hätte ihre Leistung mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre nahezu immer geschlagen.

          Allen vergleichbaren Fonds überlegen

          Dazu nötig sind nur zwei ETF (die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund, auch Indexfonds genannt) – also jene speziellen Fonds, die sich aufgrund ihrer simplen Funktionsweise mittlerweile großer Beliebtheit unter den Anlegern erfreuen. Sie bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Börsenbarometers wie beispielsweise des Dax exakt nach. Steigt der Dax um zwei Prozent, legt auch der ETF um zwei Prozent zu. Verliert der Dax dagegen zwei Prozent, macht auch der ETF einen Verlust von zwei Prozent.

          Diesen reinen Nachahmern gibt sich kein Fondsmanager der Welt gerne geschlagen, schließlich besteht ihr Beruf ja gerade darin, außergewöhnliche, möglichst lukrative Anlageideen zu haben. Doch Ideen hin oder her – die bittere Wahrheit ist: Eine Kombination aus einem Aktien-ETF und einem Anleihe-ETF ist laut der Morningstar–Untersuchung allen vergleichbaren Fonds überlegen, bei denen ein Manager die Anlageentscheidungen trifft.

          Für Anleger ist das eine frohe Botschaft, zeigt das Ergebnis doch: Ein teurer Fondsmanager, der sich seine Arbeit in der Regel durch hohe Gebühren bezahlen lässt, ist gar nicht nötig. Sondern man kann die Sache auch selbst in die Hand nehmen. Und das Ganze erfordert noch nicht einmal großen Aufwand.

          Zwei ETF von iShares

          Für dieses Portfolio nötig ist zunächst einmal ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World, der trotz seines Namens nicht etwa die Wertentwicklung von Aktien aus aller Welt abbildet, sondern die Entwicklung von Aktien aus den wichtigsten Industrieländern. Solche ETF hat beispielsweise der Marktführer iShares mit dem „iShares Core MSCI World“ (ISIN: IE00B4L5Y983) im Angebot, aber auch die Deutsche Bank mit dem „db x-trackers MSCI World“ (ISIN: LU0274208692).

          Dazu kommt nun ein Anleihe-ETF, der die Wertentwicklung europäischer Staatsanleihen und Unternehmensanleihen nachzeichnet. Dies macht zum Beispiel der „Euro Aggregate Bond“, den ebenfalls iShares im Angebot hat (ISIN: IE00B3DKXQ41).

          Eine Hälfte Aktien, eine Hälfte Anleihen

          Dass die Namen der Indexfonds mitunter seltsam klingen, sollte Anleger nicht verunsichern. Denn was sie nun noch mit den beiden ETF machen müssen, ist kinderleicht: Die eine Hälfte des anzulegenden Geldes gehört in den Aktien-ETF, die andere Hälfte in den Anleihe-ETF. Einmal im Jahr muss dann das Ausgangsverhältnis wiederhergestellt werden – die Fachleute sprechen vom Rebalancing. Haben sich beispielsweise die Aktienkurse viel besser entwickelt als die Anleihekurse, ist der Aktienanteil im Portfolio mit einem Mal deutlich höher als der Anleiheanteil.

          Das heißt aber auch: Das Risiko des Portfolios hat sich verändert. Darum müssten Anleger in so einem Fall so viele Anteile des Aktien-ETF verkaufen, bis das Portfolio wieder in der Balance ist. Alternativ kann man natürlich auch so lange in zusätzliche Anteile von Anleihe-ETF investieren, bis das Ausgangsverhältnis wieder erreicht ist.

          Zweistellige Rendite

          Wer diese einfache Regel beherzigt hat, konnte mit dem ETF-Portfolio gut verdienen. In den vergangenen fünf Jahren ließ sich so eine Rendite von 10,7 Prozent pro Jahr erzielen. Kaum ein klassischer Mischfonds, der unter der Leitung eines Fondsmanagers in Aktien und Anleihen investiert, konnte da mithalten.

          Auch bei kürzeren Zeiträumen bleibt das ETF-Portfolio nahezu immer ungeschlagen, was sich natürlich vor allem durch die geringeren Kosten erklärt. Egal, für welchen ETF-Anbieter sich der Anleger am Ende entscheidet – in der Regel muss er nicht mehr als 0,4 Prozent Gebühren für das Portfolio zahlen. Bei klassischen Mischfonds sind dagegen schnell rund zwei Prozent fällig.

          Wie alles im Leben ist natürlich auch das ETF-Portfolio nicht ohne Risiken. Niemand kann wissen, ob sich die Renditen der Vergangenheit so in die Zukunft fortschreiben lassen. Auch wird vielleicht nicht jeder Anleger glücklich damit, dass im Aktienindex MSCI World amerikanische Aktien das höchste Gewicht haben – das Depot ist somit stärker von der Börsenentwicklung in den Vereinigten Staaten abhängig. Alle anderen dürften ihre helle Freude daran haben, es mit diesem Wunder-Portfolio den Fondsmanagern zu zeigen.

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