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Zocker-Report : Zocker mögen Biotechs

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Flaute an der Börse macht sich überall bemerkbar. Nicht nur die Indizes konsolidieren - auch bei spekulativen Werten üben sich die Anleger in Zurückhaltung.

          Im vergangenen Monat war an den deutschen Börsen recht wenig zu gewinnen. Dax, MDax, TecDax, alles konsolidierte munter. Im TecDax konnten überhaupt nur zwei Aktien Kursgewinne verzeichnen. Mit einem Plus von 1,5 Prozent waren Web.de der absolute Highflyer.

          Selbst wer nicht sehr wählerisch war und im breiten Markt alles kaufte, was nicht bei Drei auf den Bäumen war, hatte nicht viel Sonne. Hatte es im September noch mehrere Papiere mit Kursgewinne von 100 Prozent und mehr gegeben, so gelang es nur drei Anteilsscheinen im Oktober über 80 Prozent Wertzuwachs hinauszukommen.

          Auf ein Neues: Kimon Life Ventures

          Ein Blick auf die Top-Plätze der Kursgewinner des Oktober führt indes zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten. Auch diesmal wieder dabei ist der Top-Performer des September Kimon Life Ventures (Turn-Arounds ziehen Kurse nach oben ) - diesmal allerdings mit gegenüber 530 Prozent wie im Vormonat mit einem vergleichsweise bescheidenen Kursgewinn von 70 Prozent.

          Vielleicht liegt es ja daran, daß im vergangenen Monat außer dem Kursanstieg nichts passiert ist. Also vermutet so mancher, daß etwas passieren muß. Schließlich bewegt sich ja der Kurs - und weil ja was passieren muß, muß man kaufen - das bewegt den Kurs - also muß ja was passieren - und so weiter.

          Für zusätzliche Verwirrung sorgt, daß manche Programme bei Eingabe der Wertpapierkennummer die Aktie der amerikanischen Waccamaw Bank ausspucken. Manteldeal heißt die Spekulation. Doch was eine kleine amerikanische Regionalbank aus North Carolina mit einem Nasdaq-Listing und einer seit Jahren bestehenden Deutschlandnotiz mit einem insolventen, schuldenbelasteten Börsenmantel soll, darauf gibt es eigentlich keine plausible Antwort.

          Wieder dabei: Mauser-Waldeck

          Platz Zwei mit 208 Prozent Kursgewinn geht ebenfalls an einen bekannten, den ehemaligen Waffen- und späteren Büromöbel-Hersteller Mauser-Waldeck, die schon im August mit einem Plus von 100 Prozent auf zwei Euro aufgefallen war (Konkurs-Aktien hoch im Kurs) und jetzt schon bei neun Euro notiert. Grund: „Ist mir der Spaß wert. Macht eben mehr Spaß 'ne Aktie steigen zu sehen, wenn man welche hat, oder? Und falls da irgendwann mal was Größeres passiert ...wer weiß.“ Auch das ist eine Art zu investieren. Noch besser der Einwurf eines weiteren Diskussionsteilnehmers: „Mauser Biotech Technologies AG“. Das reichte für ein Kursplus von 50 Prozent am Montag.

          Alte und neue Biotechs locken

          Denn Biotech zieht wieder - auch für den absoluten Hauptgewinner, die Aktie der Trace Biotech, die es auf einen Kursgewinn von 275 Prozent brachte. Trace war im April 1999 für 18,50 Euro in den Freiverkehr gekommen. Eine Zeitlang ging alles ganz gut. Noch im April 2003 vermeldete man einen um 14 Prozent höheren Umsatz von 708.000 Euro bei einem um 34 Prozent verringerten Verlust von 955.000 Euro. Allerdings reichten die liquiden Mittel von 470.000 Euro nicht mehr lange, einen Monat später folgte der Insolvenzantrag.

          Damit verschwand allerdings nur die Börsennotierung. Die „gut im Markt eingeführten Produkte“ wurden von der neu gegründeten Trace Analytics GmbH erworben, deren Geschäftsführer Wolfgang Künnecke schon Vorstand bei Trace Biotech war.

          Der Kurssprung war die Reaktion auf eine Ankündigung der auf den Handel mit Börsenmänteln spezialisierten Carthago Capital, daß sie nunmehr 13,52 Prozent der Stimmrechte halte und beabsichtige, die Gesellschaft nach Durchführung eines Insolvenzplanverfahrens neu auszurichten. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 29. Dezember soll jetzt der Beschluß zur Fortführung der Gesellschaft mit einer Kapitalherabsetzung und anschließender Kapitalerhöhung sowie zur Umbenennung gefaßt werden. Wenn mal eine Mantelspekulation Hand und Fuß hatte, dann diese - immerhin mal. Und bei einem Kurs von aktuell 52 Cents hat eine kleine Beteiligung bei überschaubarem Risiko durchaus Potential. Aber nicht traurig sein, wenn es schief geht...

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