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Zocker-Report : Turn-Arounds ziehen Kurse nach oben

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Einen neuen Investor hat auch der Windkraftanlagenbauer Repower, seitdem der französische Kernkraftwerksbauer Areva in der vergangenen Woche mit 21,1 Prozent eingestiegen ist. Damit soll Repower nun in Übersee stärker expandieren können. Analysten rechnen erst längerfristig mit dann aber deutlichen Auswirkungen. Nötig hatte es Repower durchaus, nachdem der Anlagenbauer erst 2003 den Gewinn mehr als halbierte, 2004 in die roten Zahlen rutschte und diesen Verlust im ersten Halbjahr noch ausbaute. Ob aber ein Kursplus von 94 Prozent angemessen ist, ist eine andere Frage.

Mögliche Turn-Arounds sorgen für neue Anlegerhoffnungen

Neue Power erhielt auch PA Power Automation mit einem Plus von 113 Prozent. Der Umsatz des Unternehmens war nach einem kurzen Höhenflug im Jahr 2002 auf 2,9 Millionen Euro zusammengeschrumpelt. Auf die Geschäftsberichte der Jahre 2003 und 2004 müssen die Anleger noch warten und sich solange mit Halbjahresberichten bescheiden, die jeweils nur die ersten sechs Monate umfassen.

Empfohlen wird PA Power dagegen von „Hot Stocks Europe“. Es könnte sich bei dem Unternehmen um den spektakulärsten Turnaround des Jahres handeln. Immerhin sei der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2005 um 51 Prozent auf 1,45 Millionen Euro gestiegen. Nimmt man das mal zwei, ist man beim 2002 erzielten Jahresumsatz angelangt. Spektakulär ist da etwas anderes. Das Management habe außerdem angekündigt, daß sämtliche zur Gruppe gehörenden Gesellschaften im vierten Quartal 2005 nachhaltig steigende und positive Ergebnisse ausweisen würden. Vielleicht erfährt man ja mal zuerst, wie die zweiten Halbjahre 2003 und 2004 verlaufen sind. Das wäre doch erst mal ein Anfang.

Auch bei Transtec und Co.don zeigen sich Lebenszeichen mit einem Kursplus von 71 bzw. 97 Prozent. Der Tübinger Computerbauer Transtec, der seit Jahren gegen schrumpfende Umsätze und das tiefere Rutschen in die Verlustzone kämpft, wird gleichfalls als Turnaround empfohlen. So schreibt der „BetaFaktor“ unlängst, es scheine ein Turnaround anzustehen. Die Erlöse sollen in diesem Jahr um rund drei Prozent auf 65 Millionen Euro steigen und ein „in etwa“ ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden. In den Folgejahren wolle die Gesellschaft sogar ordentlich mit gut zehn Prozent jährlich wachsen und mittelfristig eine Gewinnmarge von fünf Prozent erreichen. Soviel Optimismus ist erfreulich - allein wie das angesichts der Margenimplosion im Hardwaregeschäft gelingen soll, vermag nicht so recht einzuleuchten.

Wer zu früh wendet, könnte aus der Kurve fliegen

Wenn Transtec auch seit 2001 nun mehr in jedem Jahr rund 20 Prozent weniger umsetzt, nehmen die Tübinger damit immer noch mehr ein als das Biotech-Unternehmen Co.don bislang je zustande gebracht hat. Knapp fünf Millionen Euro beträgt der kumulierte Umsatz des Unternehmens seit 1997, das „mit Innovationen einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt leistet“ und dessen „eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung“ sowie „ein Netzwerk von externen Partnern“ „eine Erfolg versprechende Produktpipeline“ garantiert.

Die große Hoffnung ruht auf einem strategischen Investor, den Co.don seit Anfang Juni verspricht und mit dem ein Abschluß offenbar immer konkreter zu werden scheint. Aber ob das mehr Leben in die Bude bringt, muß man abwarten. Bislang wurde jedenfalls noch nicht einmal ein Name genannt. Außerdem will die „zu einer international tätigen Unternehmensgruppe gehörende, in den Vereinigten Staaten ansässige Gesellschaft“, 2,36 Millionen neue Aktien gegen 2,6 Millionen Euro in Bar zeichnen. Darüber hinaus wird ein „beabsichtigtes erhöhtes Investitionsvolumen von voraussichtlich über 20 Millionen Euro“ genannt.

Nun möglich ist vieles und es wird sicher erfreulich sein, wenn ein solches Investment zustande kommt und es Co.dom ermöglicht, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Indes lehrt die Erfahrung mit Einlagen amerikanischer Investoren in kleine, liquiditätsschwache amerikanische Gesellschaften, daß dies nicht immer zu deren Vorteil gereicht. Oftmals sind die angekündigten „strategischen Investoren“ in Wirklichkeit Penny-Stock-Broker, die auf diese Weise die Kurse anschieben, um später Kasse zu machen. Oft genug werden die Unternehmen dabei auch einfach über den Tisch gezogen. Merke: Turn-Around-Storys sind durchaus Grund genug für Kurssteigerungen, aber wer zu früh darauf setzt, dem kann es passieren, daß er erst einmal noch eine Weile geradeaus fahren muß, bevor das Steuer herumgerissen wird - falls es dann auch geschieht.

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