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Zocker-Report : Konkurs-Aktien hoch im Kurs

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Vage Hoffnungen bei Realtos

Auch die Realtos ist eine Immobiliengesellschaft, die praktisch ein Börsenmantel ist. Auf eine Ad-hoc-Mitteilung, daß der Vorstand in Verhandlungen mit einer süddeutschen Investorengruppe stehe, die nach einem möglichen (!) Erwerb des Börsenmantels den Aufbau einer Strategic-Finance-Gruppe nach dem Vorbild der Arques AG betreiben würde, reagierten die Anleger mit einem Kurssprung von 102 Prozent.

Weil vielleicht eine gute Nachricht nicht genügt, hatte Realtos gleich zwei. Angeblich sei auch eine amerikanische Gesellschaft an dem Mantel für ihr Europageschäft interessiert. Vielleicht war das nötig, weil Realtos-Alleinvorstand Andreas Arndt beim Wiederbeleben von Börsenmänteln nicht immer erfolgreich war. Arndt war nach Angaben von Boerse-ARD.de zuletzt gemeinsam mit anderen Investoren über die Magus Verwaltungsgesellschaft bei der Schichau Seebeckwerft AG in Erscheinung getreten. Als der ursprüngliche Plan scheiterte, brach der Schichau-Kurs heftig ein. Ähnlich ergebnislos verlief die von Arndt und anderen versuchte Reanimation der Gontard & Metallbank AG.

Allgemein ist das Börsenmantel- und noch mehr das praktisch vorgelagerte Geschäft mit Konkurs-Aktien sehr heiß. Denn wie man sieht, genügen ja oftmals nur Kursbewegungen, noch nicht einmal Gerüchte, um die Aktien in ungeahnte Höhen zu treiben. Wer dann vorsichtig verkauft, macht einen guten Schnitt.

Rinol-Konkurs abgewendet - Aktie explodiert

Auch bei der neuntgrößten Kurssteigerung des vergangenen Monats ist Insolvenz das Reizwort. Allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Nachricht, daß die drohende Insolvenz des schwäbischen Fußbodenherstellers Rinol abgewendet sei, ließ die Aktie um insgesamt 93 Prozent steigen. Das Unternehmen erhält neue Kredite von seinen Großinvestoren und stockt mit einem Kapitalschnitt sein Eigenkapital wieder deutlich auf. Damit erklommen die Papiere den höchsten Stand seit einem Jahr, nachdem sie zu Jahresbeginn noch bei rund einem Euro gehandelt worden waren.

Rinol hatte sich mit seiner Auslandsexpansion übernommen und das Grundkapital zu mehr als 50 Prozent aufgezehrt. Im ersten Halbjahr 2005 schrieb das Unternehmen trotz der Trennung von Verlustbringern rote Zahlen. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von rund 85 Millionen Euro ist das Unternehmen damit derzeit mit einer Marktkapitalisierung von knapp 14 Millionen Euro bewertet. Das bedeutet ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,16. Sollte eine Verbesserung der Geschäftszahlen eintreten, hätte die Aktie Potential nach oben. Heiß ist die Spekulation trotz alledem.

Einzig der zweitbeste Wert des vergangenen Monats hat mit Konkurs nichts am Hut, ist aber vom Zocken auch nicht weit entfernt. Die Trading-house.net AG betreibt Day-Trading-Center nach amerikanischem Vorbild. Das Geschäft lief aber auch schon einmal besser. Im Hype-Geschäftsjahr 1999/2000 setzte das Unternehmen noch über eine Milliarde Euro um. Im vergangenen Geschäftsjahr 2003/2004 noch 461 Millionen Euro. Gewinne hat man auch noch nie gemacht - im vergangenen Geschäftsjahr stand ein Bilanzverlust von knapp einer Million Euro. Aber „irgendein Börsenbrief“ soll die Aktie mit einem Kursziel von 22 Euro empfohlen haben - das reicht ja mal für einen Zock.

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