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Zinswende : Amerikanische Anleiheinvestoren in Panik

  • -Aktualisiert am

Die amerikanische Notenbank sorgt mit der angedeuteten Zinswende für Furore Bild: REUTERS

Amerikanische Privatanleger haben im Juni 60 Milliarden Dollar aus Rentenfonds abgezogen. Der Grund ist die anstehende Zinswende der Notenbank.

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          Die anstehende Zinswende in den Vereinigten Staaten versetzt amerikanische Privatanleger in Panik. Sie haben im vergangenen Monat rund 60 Milliarden Dollar aus Investmentfonds abgezogen, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Das geht aus aktuellen Daten des amerikanischen Fondsverbands Investment Company Institute (ICI) hervor. Rentenfonds gehörten in den Jahren nach der Finanzkrise zu den beliebtesten Finanzprodukten verunsicherter Amerikaner, obwohl Aktien die wesentlich lukrativere Anlage gewesen sind.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Seit 2009 ist rund 1 Billion Dollar in die als sicherer geltenden Anleihefonds geflossen. Gestützt wurde deren Kursentwicklung von einer extrem lockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed, die dreimal ein Anleihekaufprogramm auflegte, um die langfristigen Zinsen zu senken. Doch die Anleihenkurse stehen seit Mai stark unter Druck, weil die Notenbank das Ende dieser Geldpolitik signalisiert hat. Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren schoss von 1,6 Prozent auf zuletzt 2,7 Prozent in die Höhe. Da sich die Rendite gegenläufig zu den Preisen der Anleihen entwickelt, verbuchten viele Rentenfonds damit Verluste.

          Entwicklung seit dem 29. Mai

          „Der Anstieg der Renditen hat Investoren klargemacht, dass Anleihen keine Einbahnstraße sind, wie festverzinsliche Papiere das in den vergangenen fünf bis sieben Jahren zumeist waren“, sagte der selbständige Berater Geoffrey Bobroff der Nachrichtenagentur Bloomberg. Anleger, die Gelder aus Rentenfonds abziehen, scheinen die freiwerdenden Mittel aber nicht gleich in Aktien umzuschichten, sondern warten erst mal ab. So ist das verwaltende Vermögen von Geldmarktfonds, die sich an Privatanleger richten, in der vergangenen Woche um 4,9 Milliarden Dollar angeschwollen. Geldmarktfonds legen ihr Geld in Anleihen mit sehr kurzfristiger Fälligkeit an und werden von Anlegern genutzt, um Geld ohne Risiko zu parken.

          Aktienfonds haben zwar in diesem Jahr erstmals seit der Finanzkrise, die zu starken Kursverlusten geführt hatte, wieder Zuflüsse verbucht. Getrieben wurde dieser Trend von der Rekordjagd der großen Aktienbarometer bis Mitte Mai. Seither hat die anstehende Zinswende auch an den Aktienmärkten für Verunsicherung gesorgt. Zuflüsse in amerikanische Aktienfonds gab es nach Angaben des ICI in den vergangenen fünf Wochen daher nur bei Adressen, die international anlegen.

          Auch bekannte Fondsmanager, die in den vergangenen Jahren erfolgreich auf der Anleihewelle geritten sind, bekommen die wachsende Abneigung der Anleger zu spüren. Nach Angaben des Informationsdienstes Morningstar haben Investoren im Juni die Rekordsumme von 9,6 Milliarden Dollar aus dem von Starmanager Bill Gross geleiteten Pimco Total Return Fonds abgezogen. Das entspricht mehr als 3 Prozent des verwalteten Vermögens. Der Pimco Total Return ist der größte Rentenfonds der Welt und das Vorzeigeobjekt der kalifornischen Fondsgesellschaft, die zum deutschen Versicherer Allianz gehört.

          Der Fonds, der stark in amerikanischen Staatsanleihen engagiert ist, hat zuletzt schlechter abgeschnitten als viele Konkurrenten. Im zweiten Quartal hat der Fonds nach Angaben des Informationsdienstes Lipper 3,7 Prozent an Wert verloren. Damit gehörte er zu den schlechtesten 5 Prozent in seiner Kategorie. Schon im Mai hatten Anleger nach Verlusten 1,3 Milliarden Dollar aus dem Total Return abgezogen. Das waren die ersten Abflüsse seit Dezember 2011. Gross hatte im April auf steigende Anleihepreise gewettet und seine Bestände an Staatsanleihen ausgeweitet. Im Mai hatte er die Anteile dann nur leicht von 39 Prozent auf 37 Prozent reduziert.

          Für auf Rentenfonds spezialisierte Vermögensverwalter ist die erwartete Zinswende nach Ansicht der Beratungsgesellschaft Casey, Quirk & Associates geschäftsbedrohend. „Die Anleiheverwalter müssen sich umstrukturieren, weil ihre geschäftlichen Aussichten im aktuellen Umfeld bedroht sind und ihre Kunden nicht auf Verluste mit festverzinslichen Papieren vorbereitet sind“, meint Yariv Itah, Partner bei Casey, Quirk & Associates.

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