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Zertifikatemarkt : Aktienanleihen zeigen ihre Nachteile

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Bild: FAZ.NET

Aktienanleihen und Diskontzertifikate sind defensiv, nur zum Nachteil der Anleger. Im Abschwung führen sie zu hohen Kursverlusten, im Aufschwung dagegen sind die möglichen Kursgewinne nach oben gedeckelt. Am Beispiel von BASF wird das überdeutlich.

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          Die Zertifikatebranche versucht ihr Geschäft immer wieder neu zu beleben. Denn die Banken profitieren vom Verkauf und vom Handel der von ihnen konstruierten Produkte überproportional, weil sie in den Strukturen beachtliche Margen verstecken können. Im täglichen Handel, der aufgrund der spezifischen Struktur eines Produktes letztendlich oft nur mit dem Emittenten möglich ist, profitieren sie von beliebig setzbaren Spannen zwischen An- und Verkauf und willkürlichen Handelsunterbrechungen im Krisenfall.

          Das große Interesse der deutschen Privatanleger zeigt sich unter anderem daran, dass Ende November nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes fast 550.000 Zertifikate und Hebelpapiere auf dem Markt waren.

          Aktienanleihen und Diskontzertifikate sind defensiv nur zum Nachteil der Anleger

          Besonders hoch sind die Handelsumsätze mit hoch riskanten Knock-Out-Papieren oder Hebelzertifikaten. Ihre Eigenschaften zeigen sich alleine schon daran, dass einige Banken dazu übergegangen sind, täglich eine auf den aktuellen Dax-Stand zugeschnittene Produktpalette neu aufzulegen und auch innerhalb des Tages je nach Marktentwicklung neue Produkte zu emittieren, weil andere in kürzester Zeit wertlos verfallen sind.

          Bild: cri

          Noch vor kurzem rührte die Branche ihre Werbetrommel kräftig für Discountzertifikate oder Aktienanleihen. Sie eigneten sich bei Seitwärtsbewegungen ideal zur Erzielung überdurchschnittlicher Renditen, hieß immer wieder. Die Papiere seien aufgrund ihrer hohen Kupons oder der Discounts interessante Alternativen zu festverzinslichen Papieren. Immerhin gälten sie als „defensive Anlageinstrumente“, die aufgrund des hohen Volatilitätsniveaus günstig zu haben seien.

          Manche Anbieter hatten sich nach den bitteren Erfahrungen vieler Anleger mit einem Totalverlust von Lehmanzertifikaten sogar Möglichkeiten einfallen lassen, mit welchen Anleger sogar das Emittenten- beziehungsweise das Bonitätsrisiko des Emittenten ausschalten konnten. Solche Argumente und Maßnahmen sollten das Vertrauen der Anleger in die Instrumente wieder herstellen. Heute ist davon kaum noch zu hören, da inzwischen wieder allgemeiner Optimismus ausgebrochen ist. In solchen Phasen wollen viele Anleger leichtsinnigerweise nichts mehr von solchen „Kinkerlitzchen“ wissen. Zumal oft verschwiegen wird, dass die Absicherung gegen den Ausfall eines Emittenten nicht umsonst zu haben ist und die in den Produkten enthaltenden Gebühren erhöht.

          Kritische Geister fühlen sich zudem von den Verkaufsargumenten hinters Licht geführt. Denn entgegen der von der Branche verbreiteten Ansicht sind die phasenweise stark beworbenen Discount-Zertifikate nicht defensiv. Tatsächlich tragen Discount-Zertifikate nicht nur Kursrisiken nach unten, sondern sie beschneiden gleichzeitig auch die Ertragsmöglichkeiten: Nach oben hin ist ihre Kursentwicklung gedeckelt. Das zeigt sich überdeutlich an einer zufällig gewählten Aktienanleihe mit Bezug auf die Papiere von BASF mit einem Wandlungspreis von 44,285 Euro und einem Kupon von 8,75 Prozent (Isin DE000BHF05Q2).

          Im Abschwung führen sie zu hohen Kursverlusten, im Aufschwung sind Kursgewinne gedeckelt

          Von der BHF-Bank im Februar des Jahres 2008 auf den Markt gebracht, machten sie die massiven Kursverluste der Aktie in den Folgemonaten beinahe vollständig mit. Der maximale Kursverlust des Zertifikats lag bei 45 Prozent, während die BASF-Aktie bis zu 52 Prozent ihres Wertes verlor. Die zwischenzeitlichen Verluste waren enorm, die „Defensivität“ entsprechend relativ. Dagegen wurde der „defensive Charakter“ der Aktienanleihen in den vergangenen Wochen überdeutlich in Form von entgangenen Kursgewinnen. Während die BASF-Aktie seit Ende August knapp 50 Prozent zulegen konnte, stieg der Wert der Aktienanleihe nicht einmal um zehn Prozent.

          Auf diese Weise zeigt sich der asymmetrische Charakter der Diskont-Zertifikate und Aktienanleihen deutlich. Anleger legen sich mit ihrem Kauf große Kursrisiken nach unten in ihre Depots, während sie auf den größten Teil der möglichen Kursgewinne und Dividendenausschüttungen verzichten müssen. In diesem Sinne sind diese Produkte für die Emittenten interessant, da sie ihre Risiken günstig auf die Käufer der Zertifikate abwälzen können.

          Zertifikate sind grundsätzlich nur als taktische Anlagen geeignet - und zwar nur für jenen Teil erfahrener Anleger, der die Entwicklung an den Finanzmärkte mit einer gewissen Verlässlichkeit und die damit verbundenen Risiken abschätzen kann.

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