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Zertifikate : Zertifikate-Flut zum Megatrend Infrastruktur

  • Aktualisiert am

Tunnelbau: Aufgabe für Infrastruktur-Anbieter Bild: picture-alliance/ dpa

In den kommenden Jahren wird weltweit sehr viel Geld in die Infrastrukturen investiert werden. Diese Aussicht lockt auch immer mehr Anleger in die zahlreich aufgelegten Zertifikate. Doch eine gute Produktwahl wird zunehmend wichtiger.

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          Wenn sich an der Börse erst einmal ein Thema herumgesprochen hat, das sich zum Anlage-Megatrend eignet, dann dauert es nicht lange, bis sich alle Marktteilnehmer darauf stürzen. Das ist auch beim Infrastruktur-Thema nicht anders, das seit geraumer Zeit fast ähnlich ausführlich diskutiert wird wie das Thema Klimawandel.

          Bester Beleg für die Beliebtheit dieser Anlageidee sind die zahlreichen Infrastruktur-Zertifikate, die inzwischen aufgelegt wurden. Der „Run“ ist mit einigen wenigen Zahlen leicht zu begründen. So schätzt die Weltbank, dass allein die Schwellenländer bis zum Jahr 2010 jährlich rund 465 Milliarden Dollar in neue Infrastrukturprojekte - beispielsweise Autobahnen, Eisenbahnen und Pipelines - investieren werden.

          Die Credit Suisse beziffert in einer Studie die Finanzmittel, die in den kommenden fünf Jahren weltweit für den Aufbau der Infrastruktur in bislang unterentwickelten Regionen und für die Modernisierung bestehender Infrastruktur in den Industrieländern benötigt werden auf rund 1,5 Billionen Dollar. Und da die meisten staatlichen Institutionen mittlerweile dazu übergehen, diese Aufgaben auszulagern, können daran oft auch private Unternehmen und im Endeffekt auch Anleger davon profitieren.

          Gute Performance-Ergebnisse in der Vergangenheit

          Schon in den vergangenen Jahren haben sich Infrastruktur-Investments gelohnt. So hat etwa der UBS Global Infrastructure Index zwischen dem 28. April 2000 und dem 12. Januar 2007 um 87,54 Prozent zugelegt. Das ist deutlich besser als der MSCI World Index, der in dieser Zeit sogar um 1,33 Prozent gefallen ist und liegt auch deutlich vor dem DJ Euro Stoxx 50-Index, der gleichzeitig um 21,33 Prozent gefallen ist. Nun sind in der Vergangenheit erzielte Gewinne zwar keine Garantie für eine Wiederholung in der Zukunft, die sich abzeichnenden hohen Investitionen in den Sektoren stellen aber einen günstigen Nährboden dar für weitere Kursgewinne.

          Zu diesem Schluss kommen offenbar auch die Banken, denn sie sind gerade eifrig dabei, ein Infrastruktur-Zertifikat nach dem anderen aufzulegen. Gleich eine ganze Reihe von entsprechenden Zertifikaten hat die UBS im Angebot. So wurde dort ein so genannter UBS Infrastructure Rotator Index EUR geschaffen, in dem alle drei Monate die Infrastruktur-Subsektoren entsprechend ihrer Wertentwicklung neu gewichtet werden. Und dazu gibt es mit dem Partizipationszertifikat auf UBS Rotator Index (Isin CH0028617949) natürlich längst auch ein entsprechendes Zertifikat.

          Breite Produktpalette

          Noch etwas interessanter klingt wegen der höheren Dynamik bei Infrastruktur-Investments auch eine Ausrichtung auf die Anlage in Schwellenländern. Diesem Segment widmet sich etwa das DWS GO EM Infrastruktur TR Index Zertifikat (Isin DE000DWS0GF3). Dieses Zertifikat partizipiert an der Entwicklung des gleichnamigen und von der DWS zusammengestellten Total Return Index, der sich auf Unternehmen konzentriert (den Schwerpunkt bilden Brasilien, Russland, Indien und China), die direkt vom Infrastrukturaufbau in den Schwellenländern profitieren.

          Ebenfalls eine Nische herausgepickt hat sich die Fondsgesellschaft Invesco, die ein Produkt mit Namen Asia Infrastructure Fund (Isin LU0243955886) vertreibt. Dieser Fonds investiert in Unternehmen der gesamten Asien-Pazifik-Region (mit Ausnahme von Japan), mit besonderem Fokus auf aufstrebende Länder wie China und Indien.

          Für konservativere Anleger, denen es vor allem auch auf den Kapitalerhalt ankommt, liegt mit dem UBS Kapitalschutz-Zertifikat auf den UBS Global Infrastructure Price Return Index (Isin: DE000UB9KAS4) ebenfalls schon ein geeignetes Produkt noch bis zum 09. März zur Zeichnung auf. Eines der existierenden Produkte ist beispielsweise das Goldman Sachs Open-End-Zertifikat auf den INFRAX Infrastructure Performance Index EUR (Isin DE000GS72RX9). Dieser Index bildet die 50 weltweit größten und liquidesten Unternehmen ab, die im Infrastruktur-Bereich tätig sind.

          Spannendes Anlagethema, aber nicht blind investieren

          Bei aller Zuversicht für den Sektor sollten die Anleger aber auch bei diesem Thema nicht zu euphorisch werden. Die Flut an Zertifikaten legt den Verdacht nahe, dass inzwischen vielleicht etwas zu viel Kapital in die Branche gelenkt wird. Wenn aber zu viel Kapital vorhanden ist, nimmt der Anlagezwang zu und das drückt für gewöhnlich die Rendite. Außerdem hat die starke Nachfrage nach Infrastruktur-Aktien die Titel mittlerweile oft in bereits recht anspruchsvolle Bewertungshöhen katapultiert.

          Der von der Ratingagentur Standard & Poor´s vor einigen Wochen angestellte Vergleich mit der Dotcom-Blase regt jedenfalls zum Nachdenken an. Wer sich für den Sektor interessiert, sollte sich deshalb genau überlegen in was für ein Produkt er investiert. Der Vorteil, das Infrastruktur-Aktien bisher nur eine niedrige Korrelation mit anderen Aktien und Anleihen hatten, sollte bei diesen Überlegungen mit einfließen, aber nicht zu hoch gewichtet werden. Denn der Ansturm der Anleger auf das Thema dürfte diesen Vorteil in den kommenden Jahren geringer werden lassen.

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