https://www.faz.net/-gv6-rgaa

Zertifikate : Werden geschlossene Fonds und Zertifikate stärker reguliert?

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die große Koalition will im Bemühen um mehr Anlegerschutz und Transparenz geschlossene Fonds und „Anlagezertifikate“ unter die Lupe nehmen. Union und SPD prüfen eine stärkere Regulierung geschlossener Fonds und der Anlagezertifikate.

          2 Min.

          Die große Koalition will im Bemühen um mehr Anlegerschutz und Transparenz auch geschlossene Fonds und „Anlagezertifikate“ stärker unter die Lupe nehmen. Diese Anlageformen sollen zwar weiterhin nicht von den Vorgaben der neuen Finanzmarktrichtlinie (MiFID) erfasst werden.

          Union und SPD prüfen aber eine stärkere Regulierung geschlossener Fonds sowie der zuletzt boomenden Anlagezertifikate, wie am Mittwoch aus dem Finanzausschuss des Bundestages in Berlin verlautete. Ob es ein separates Gesetz dazu geben wird, sei aber noch offen. „Es geht aber nicht, dass diese Anlageformen nahezu im luftleerem Raum agieren und nicht angemessen kontrolliert werden“, verlautete aus Koalitionskreisen.

          Missstände bei geschlossenen Fonds sowie Anlagezertifikaten

          Verbraucherschützer und die Grünen hatten zuvor kritisiert, dass geschlossene Fonds - etwa für Immobilien, Schiffe, Medien oder Windkraft - sowie Anlagezertifikate nicht vom MiFID-Gesetz erfasst werden. Hier gebe es noch zahlreiche Missstände. Der Markt für Anlagezertifikate boomt, weil mit zahlreichen Optionen für jede Börsensituation Gewinne versprochen werden. Der Markt gilt laut Kritikern unter Anlegern besonders attraktiv, weil er weitgehend ungestört von staatlicher Aufsicht und Regulierung oft deutlich höhere Gewinnspannen auf Kosten der Kunden durchsetzen könne.

          Bei geschlossenen Fonds gibt es zwar eine Prospekthaftung. Seit Mitte 2005 müssen Initiatoren solcher Fonds die Prospekte auch von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin genehmigen lassen. Auf Grund der geringen staatlichen Regulierung im Vergleich zum Aktienmarkt wird die Branche aber dem „grauen Kapitalmarkt“ zugerechnet.

          Mehr Transparenz im Wertpapierhandel und bestmögliche Ausführung von Aufträgen

          Die europäische Finanzmarktrichtlinie (MiFID), die in deutsches Recht umgesetzt werden soll, dient dem Anlegerschutz, verlangt mehr Transparenz im Wertpapierhandel und die Ausführung von Aufträgen zu den für die Kunden günstigsten Bedingungen. Das Regelwerk sollte nach der abschließenden Beratung im Finanzausschuss an diesem Donnerstag vom Bundestag verabschiedet werden. Die neuen Vorgaben sollen von November 2007 an von allen Finanzdienstleistern angewandt werden. Koalitionsvertreter hatten erklärt, geschlossene Fonds gehörten fachlich nicht in die MiFID-Regelungen. „Das heißt aber nicht, dass wir kein Auge darauf haben werden“, hatte es geheißen.

          Mit dem MiFID-Gesetz werden zudem Börsen und vergleichbare Handelsplattformen einheitlichen Transparenzregeln unterworfen, etwa bei der Veröffentlichung aktueller Geldkurse. Unter anderem die Deutsche Bank nutzt die neuen Möglichkeiten und plant mit sechs anderen Banken eine eigene europaweite Handelsplattform für Aktien.

          Die Koalitionäre einigten sich jetzt, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für diese multilateralen Handelsplattformen zuständig ist und nicht die Aufsichtsbehörden der Länder. In einem Extra-Passus wird aber darauf verwiesen, dass damit nicht den Beratungen der Föderalismuskommission von Bund und Ländern vorgegriffen werden solle. Bei der geplanten Föderalismusreform II soll auch die künftige Börsenaufsicht grundsätzlich erörtert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Berlin wird fleißig gebaut: Die kommunalen Gesellschaften in Berlin haben 2019 4608 Wohnungen fertiggestellt und damit ein Viertel mehr als im Jahr zuvor.

          Ultimatum bis Montag : Berliner Wohnungssumpf

          Baustadtrat Florian Schmidt galt als Robin Hood der Mieter. Nun soll er wichtige Akten manipuliert haben. Das kann auch für die Landesregierung gefährlich werden.
          Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Mercedes-Stern dreht sich auf dem Daimler-Werk in Untertürkheim. Die weltweiten Rückrufe und Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal kosten den Autobauer Daimler für 2019 nochmals bis zu 1,5 Milliarden Euro zusätzlich.

          Folgen des Diesel-Skandals : Nächster Tiefschlag für Daimler

          Analysten und Anleger sind nervös: Der Autokonzern muss einen weiteren Milliardenbetrag für Diesel-Altlasten zurückstellen. Und auch die Van-Sparte leidet unter einer ganzen Reihe hausgemachter Schwierigkeiten. Ein Beobachter spricht von „einem traurigen Tag für alle Beteiligten“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.