https://www.faz.net/-gv6-15y24

Zertifikate : Vom Rohstoffreichtum profitieren

Brasilien ist ein rohstoffreiches Land Bild: AFP

Wer mit steigenden Preisen für Rohstoffe rechnet, muss nicht den Rohstoff direkt kaufen. Auch über die Aktienindizes und Währungen der rohstoffreichen Länder ist eine Partizipation möglich.

          Die Geldanlage in Rohstoffen hat ihre Tücken. Da die Anleger meist kein Interesse an einer tatsächlichen Lieferung von Mais, lebenden Rindern oder Sojabohnen haben, läuft der Handel über Terminkontrakte. Diese sichern eine Lieferung des Rohstoffs zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort, zu einem festgelegten Preis zu.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Da aber auch dann noch meist kein Interesse an der Lieferung besteht, muss der Terminkontrakt rechtzeitig vor dem Liefertermin verkauft und einer mit einem ferner in der Zukunft liegenden Termin gekauft werden. Dabei entstehen meist Verluste, die in der Fachsprache Rollverluste genannt werden.

          Umweg-Investments vermeiden Rollverluste

          Wer diese die Rendite der Rohstoffanlage mitunter deutlich mindernden Verluste umgehen will, kann sich auch über einen anderen Weg eine Partizipation an steigenden Rohstoffpreisen verschaffen und in die Aktien und Währungen der rohstoffreichen Länder investieren. Der legendäre Rohstoffinvestor und Hedge-Fonds-Manager Jim Rogers hat elf Länder ausgemacht, die seiner Ansicht nach besonders von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Aus Europa sind Norwegen mit seinen Erdölvorkommen und Russland mit zahlreichen Rohstoffreichtümern wie Erdöl, Erdgas, Nickel, Platin und Palladium vertreten.

          In Nordamerika nennt Rogers Kanada mit seinen Vorkommen an Erdöl, Aluminium, Nickel und Holz, in Mittelamerika Mexiko mit Rohstoffen wie Erdöl, Kaffee, Baumwolle und Silber und in Südamerika Chile mit Kupfer und Wein sowie Brasilien unter anderem mit Zucker, Kaffee, Kakao und Eisenerz. Südafrika nennt Rogers mit Gold, Platin und Diamanten, Australien mit Gold, Eisenerz und Kohle, Neuseeland unter anderem mit Holz und Viehzucht, Indonesien mit Erdöl, Erdgas und Kautschuk sowie schließlich Malaysia mit Erdöl, Erdgas, Palmöl und Kautschuk.

          Rogers' Rohstoffwährungskorb

          Allen diesen Ländern ist gemein, dass sie mit dem Verkauf von Rohstoffen hohe Exporteinnahmen erzielen. Dies fördert das wirtschaftliche Vorankommen der Länder. Steigen die Rohstoffpreise - und diese Annahme treffen viele Analysten bei praktisch allen Rohstoffen angesichts eines prognostizierten wirtschaftlichen Aufholprozesses unter anderem in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien -, so steigen die Exporteinnahmen der rohstoffreichen Länder zusätzlich.

          Dies wirkt sich langfristig positiv auf die wirtschaftliche Stellung dieser Länder auf der Welt aus und mithin auch auf ihre Währungen. Rogers hat deshalb aus den genannten elf seiner Ansicht nach wichtigsten Rohstoffexporteuren einen Währungskorb zusammengestellt. Das Gewicht der einzelnen Währungen orientiert sich an der Wirtschaftsleistung der Länder. Russland, Brasilien und Kanada haben mit je 18 Prozent das größte Gewicht im Index, Chile und Neuseeland mit je 2 Prozent das kleinste. Der Index entwickelt sich wie dieser Währungskorb zum amerikanischen Dollar. Rogers hebt neben dem umgehen von Rollverlusten auch die geringeren Kursschwankungen der Rohstoffwährungen im Vergleich zu den Rohstoffpreisen selbst hervor.

          Die Royal Bank of Scotland hat Mitte März ein Indexzertifikat auf den Jim Rogers Commodity FX Total Return Basket begeben (Isin DE000AA16X29). Das Zertifikat entwickelt sich genau wie der Index. Zinserträge gehen in die Entwicklung des Index ein. Die Anleger müssen eine jährliche Gebühr von einem Prozent zahlen. Am Montag kostete ein Zertifikat knapp 107 Euro.

          Indexfonds und Zertifikate

          Ein weiterer Weg, um indirekt von steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren, ist die Geldanlage in den Aktienindizes rohstoffreicher Länder. Basis dieser Überlegungen ist die Annahme, dass hohe Zuflüsse aus Rohstoffverkäufen nicht nur der Rohstoffindustrie dieses Landes direkt nutzen, sondern auch über Steuereinnahmen der gesamten Volkswirtschaft und damit auch den anderen Branchen zugute kommen.

          Auf die Aktienindizes von sechs der elf genannten Länder gibt es Indexfonds. Auf den australischen S&P/ASX 200 einen der Deutschen Bank (Isin LU0328474803) mit einer jährlichen Gebühr von 0,5 Prozent, auf den brasilianischen Bovespa von Lyxor (Isin FR0010408799) mit 0,65 Prozent Gebühr, auf den MSCI Kanada von der UBS (Isin LU0446734872) mit 0,45 Prozent Gebühr, auf den MSCI Malaysia von Lyxor (Isin FR0010397554) mit 0,65 Prozent Gebühr, auf den Daxglobal Russia von Market Access (Isin LU0269999958) mit einer Gebühr von 0,7 Prozent und auf den südafrikanischen FTSE JSE 40 von Lyxor (Isin FR0010464446) mit 0,65 Prozent Gebühr.

          Auf alle diese Indizes gibt es auch Zertifikate. Diese sind meist ohne Verwaltungsgebühr, dafür trägt der Anleger aber das Risiko, dass der Zertifikate-Emittent zahlungsunfähig wird und das Zertifikat wertlos verfällt. Auf drei der fünf anderen Länderindizes gibt es zwar keine Indexfonds, jedoch Indexzertifikate. Auf den mexikanischen Mexbol bietet Goldman Sachs ein Indexzertifikat (Isin DE000GS0J2K9), auf den RBS Indonesia die Royal Bank of Scotland (Isin NL0000400166) und auf den Chile Inter 10 (Isin NL0000756583) ebenfalls die Royal Bank of Scotland. Auf norwegische und neuseeländische Aktien gibt es keine Zertifikate.

          Weitere Themen

          Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Digitales Geld : Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Die Bundesbank sieht großes Potential für Facebooks Libra und andere Digitalwährungen. Diese müssten jedoch den Zielen der Geldwertstabilität folgen und die Regeln für einen fairen Wettbewerb einhalten.

          Topmeldungen

          Sommer in New York

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.
          Boris Johnson: Favorit auf das Premierministeramt in Großbritannien

          Großbritannien : CDU traut Boris Johnson positive Überraschung zu

          Boris Johnson dürfte heute das Rennen um die Regierungsspitze für sich entscheiden. Aus der CDU bekommt er Lob für seine Intelligenz. Der frühere Premier Tony Blair hält einen Brexit ohne Abkommen für ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.