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Zertifikate : Viele Anleger haben das Nachsehen

Bild: F.A.Z.

Stufenzinsanleihen bieten zwar vergleichsweise attraktive Zinsen, aber keine Teilhabe an dem guten Aktienjahr. Kuponzahlungen sind unter deutschen Anlegern gefragt.

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          Das Jahr 2010 ist an vielen Börsenplätzen der Welt ein überaus positives Aktienjahr gewesen. Besonders gut hat der Dax abgeschnitten. Für Deutschlands Leitindex steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche. Mit am Montag bis zu 7069 Punkten befindet sich der Dax zugleich auf dem höchsten Niveau seit Juni 2008. Dies sollte für Anleger eigentlich ein Grund zur Freude sein. Zertifikatebesitzer haben aber zuweilen das Nachsehen, lagen doch in diesem Jahr Zertifikate ohne Aktienrisiko und damit auch ohne entsprechende Kurschancen im Trend. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Scope. Die Ratingagentur hat dazu 2065 Zertifikate untersucht, die Banken in diesem Jahr Anlegern zur Zeichnung angeboten haben.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jenseits der Massenprodukte, mit denen Emittenten direkt den Markt fluteten und mit denen sie Lücken in ihren Angebotspaletten häufig automatisch füllten, sei an den Zeichnungsprodukten zu sehen, was Banken „in die Schaufenster“ stellten und über den Vertrieb aktiv an die Anleger zu bringen versuchten, sagen die Fachleute von Scope. Besonders deutlich sei der Trend weg vom Aktienrisiko an der wachsenden Beliebtheit von Stufenzinsanleihen abzulesen. Scope hat in diesem Jahr 111 solcher Anleihen erfasst. Sie zählen zu der Gruppe der strukturierten Anleihen und zudem zu den kapitalgarantierten Anlagezertifikaten. Gleichwohl sind alle Zertifikate als Schuldverschreibungen einer Bank bei deren Insolvenz nicht vor einem Zahlungsausfall geschützt.

          Kuponzahlungen waren Trend

          Stufenzinsanleihen bieten neben der Kapitalgarantie zum Laufzeitende einen festen jährlichen Zinskupon, der in der Regel von Jahr zu Jahr steigt. Regelmäßige Kuponzahlungen sind unter deutschen Anlegern gefragt. Mehr als die Hälfte aller Wertpapiere, die Scope 2010 in der Zeichnungsphase zählte, weisen eine Kuponstruktur auf. Die Laufzeit der Stufenanleihen beträgt meist vier bis sechs Jahre. Sie können börsentäglich verkauft werden. Ihre Kursentwicklung hängt nicht von einem Basiswert wie einem Index ab. Deswegen profitieren die Besitzer dieser Anleihen auch nicht von den in diesem Jahr teils deutlich gestiegenen Aktienkursen.

          Stufenzinsanleihen werden von den Banken häufig als Ersatz für Tages- oder Festgeld offeriert, da sie wegen des Emittentenrisikos in der Regel höhere Zinsen bieten. Nach Berechnungen der FMH Finanzberatung Max Herbst beläuft sich der Durchschnittszins für ein Tagesgeld über 5000 Euro in Deutschland aktuell auf 1,12 Prozent. Im Durchschnitt der 280 Stufenzinsanleihen, die Scope derzeit bewertet, beträgt ihr Zins 3,25 Prozent jährlich und die Laufzeit 4,6 Jahre. Die Konditionen dieser Garantieprodukte hätten aber gerade im Jahr 2010 unter dem niedrigen Zinsniveau gelitten.

          Zins der kündbaren Produkte höher

          Eine typische aktuelle Stufenzinsanleihe ist eine bis voraussichtlich zum 7. Januar in der Zeichnung befindliche Zuwachsanleihe der West LB (WKN: WLB6TZ). Als erster Börsenhandelstag ist der 12. Januar 2011 vorgesehen. Im ersten Jahr beträgt der Zinssatz 2,20 Prozent jährlich. Im zweiten Jahr steigt er auf 2,40 Prozent und im dritten auf 2,60 Prozent, im vierten Jahr sind es 2,80 Prozent. Die Laufzeit endet planmäßig am 12. Januar 2015. Allerdings hat die West LB das Recht, die Schuldverschreibung einmalig zum 12. Januar 2013 zu kündigen.

          Solche Sonderkündigungsrechte sind häufig zu finden. Laut Scope ist etwa die Hälfte der untersuchten Anleihen mit einem solchen vorzeitigen Kündigungsrecht ausgestattet, das einmal während der Laufzeit oder auch häufiger auftreten kann. Generell gelte, dass der Emittent umso wahrscheinlicher von diesem Recht Gebrauch machen werde, je weiter der angekündigte Zins über dem aktuellen Marktniveau liege, heißt es bei Scope. In Europa beträgt der Leitzins nach wie vor 1 Prozent. Das vorzeitige Kündigungsrecht bringt für die Anleger eine gewisse Unsicherheit mit sich. Es schlägt sich allerdings positiv im Zins nieder. Laut Scope ist der Zins der kündbaren Produkte im Durchschnitt höher als derjenige der nichtkündbaren Anleihen: 3,7 Prozent vergleichen sich mit 2,8 Prozent. Zu den Emittenten, die Scope in diesem Zertifikate-Bereich auswertet, zählen Deutsche Bank, LBBW und West LB.

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