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Zertifikate : Sicherheit ist Trumpf

Die Bullen unter den Anlegern dürften 2010 wieder angriffslustiger werden Bild: dapd

Privatanleger wollen kein Aktienkursrisiko, dafür nehmen sie enge Begrenzungen ihrer Rendite in Kauf. 42 Prozent des in Zertifikate angelegten Geldes sind in Papieren ohne Kursrisiko und mit festen Zinszahlungen investiert.

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          Wenn Privatanleger Zertifikate kaufen, dann tun sie dies offenbar weiterhin vor allem, um eine sichere Rendite zu erzielen, auch wenn diese oft nicht sonderlich hoch ausfällt. Papiere mit Aktienkursrisiko werden auch nach 21 Monaten Börsenhausse gemieden. Nach der jüngsten Erhebung des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) sind gut 45 Milliarden Euro und damit 42 Prozent des in Zertifikaten angelegten Geldes in Papieren ohne Kursrisiko und mit festen Zinszahlungen investiert, weitere 23 Milliarden Euro (21 Prozent) in Garantiezertifikaten.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Papiere sichern mindestens die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zu, die Rendite hängt aber von der Entwicklung an den Börsen ab. Gerade dieser etwas mutigeren Variante der kapitalgarantierenden Produkte widmeten die Anleger zuletzt größeres Interesse. Nach einer Umfrage des Fachmagazins „Der Zertifikateberater“ unter Bankberatern fragten in den vergangenen Wochen gut 61 Prozent der Kunden Garantiezertifikate nach und damit so viele wie in keiner anderen Zertifikategattung. Auch in einer Umfrage des DDV unter den Zertifikate begebenden Banken äußerten diese für 2011 die Erwartung, das Kapitalschutz-Zertifikate den größten Anklang finden werden, wohl überwiegend auf Indizes und in einfachen Strukturen.

          Ein typisches Garantiezertifikat bietet die DZ Bank an unter der Wertpapierkennnummer (WKN) AK0E39. Es wird seit März gehandelt und kostete am Montag 98,60 Euro. Dem Anleger wird die Rückzahlung von mindestens 100 Euro im März 2015 garantiert, sofern die DZ Bank, das Zentralinstitut von rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken, dann noch zahlungsfähig ist. Der aktuelle Kurs zeigt, dass die Rückzahlungsgarantie zu mindestens 100 Euro nur zum Laufzeitende gilt. Wer das Zertifikat früher an der Börse verkaufen möchte, muss auch mit niedrigeren Kursen vorliebnehmen.

          Dem Anleger bleibt die Rückzahlung

          Zu höheren Rückzahlungen kommt es am Laufzeitende, wenn der Euro Stoxx 50 bis dahin über sein Startniveau von 2877 Punkten steigt. Am Montag lag der 50 Werte aus dem Euro-Raum umfassende Index rund 100 Punkte tiefer. Liegt er im März 2015 zum Beispiel auf 3000 Punkten, betrüge die Auszahlung je Zertifikat gut 104 Euro und vollzöge so den Gewinn des Index nach. Der Anleger partizipiert bis zu einer Obergrenze am Anstieg des Euro Stoxx 50. Diese Grenze liegt bei rund 3740 Punkten. In diesem Fall erhielte der Anleger die höchstmögliche Auszahlung von 130 Euro je Zertifikat. Dies entspräche, von heute aus gerechnet, einer Rendite von etwa 7 Prozent im Jahr. Steigt der Index in den gut vier Jahren der Laufzeit stärker, so profitiert der Zertifikateanleger davon nicht.

          Ebenso fließen in die Berechnung des Euro Stoxx 50 die Dividendenzahlungen anders als beim Dax nicht ein, was die Indexentwicklung angesichts der aktuellen Dividendenrendite um gut 3 Prozent im Jahr belastet. Fällt der Index gegenüber seinem heutigen Niveau während der Laufzeit weiter zurück, bleibt dem Anleger unabhängig vom Ausmaß der Verluste immerhin jedoch die Rückzahlung von 100 Euro je Zertifikat. Kursverluste erleidet er somit nicht.

          Eine wesentlich bessere Kursentwicklung als die europäischen Aktien haben in diesem Jahr die deutschen Aktien genommen. Die Hypo Vereinsbank hat noch bis zum 26. Januar unter der WKN HV5CMW ein Garantiezertifikat auf den Div-Dax in der Zeichnung. Auch hier ist dem Anleger das anfänglich eingesetzte Kapital zum Ende der Laufzeit von fünf Jahren sicher, sofern die Hypo Vereinsbank nicht insolvent wird. Das Zertifikat partizipiert am Anstieg des Div-Dax, in dem die 15 dividendenstärksten Dax-Aktien notiert sind. In die Indexentwicklung fließen jedoch die Dividendenzahlungen nicht ein. Die Rückzahlung am Laufzeitende orientiert sich zudem an einer Durchschnittskursbildung. In den 20 Quartalen der Laufzeit wird jeweils der Schlusskurs genommen und daraus ein Durchschnitt gebildet. Liegt er unter dem Anfangskurs, wird die Kapitalgarantie wirksam und die Rückzahlung erfolgt zu 100 Prozent.

          Liegt der Durchschnittskurs höher, partizipiert der Anleger daran voll bis zu einer Obergrenze von 150 Prozent. Damit sind aber trotz Kapitalgarantie Renditen von fast 9 Prozent im Jahr möglich. Im ersten Beispiel waren es immerhin 7 Prozent. Sie sind für die Anbieter im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nur durch die Begrenzung der Rückzahlung auf ein Höchstniveau, die Nichtberücksichtigung der Dividenden in der Indexentwicklung und im zweiten Beispiel durch eine Durchschnittsbetrachtung, die in steigenden Märkten in aller Regel zu einer Minderung des Auszahlungsbetrages führt, darstellbar. Die risikoaversen Anleger müssen die Kapitalgarantie derzeit teuer erkaufen.

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