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Zertifikate : Bei Express-Zertifikaten genau hinschauen

  • Aktualisiert am

Bild: Scope Analysis

Fast die Hälfte aller aktuellen Zertifikate in Zeichnung sind mit Express-Mechanismus ausgestattet. Struktur und Basiswert dieser Produkte sollten jedoch genau geprüft werden, raten die Zertifikate-Experten von Scope Analysis.

          3 Min.

          Wer nur auf den Marktanteil achtet, der könnte den Eindruck gewinnen, dass Express-Zertifikate in der Börsianergunst verlieren. Denn laut Statistik des Deutschen Derivate Verbands (DDV) sank ihr Marktanteil in Deutschland zwischen Juli 2009 und Juli 2010 von 10,8 Prozent auf 8,6 Prozent.

          Doch damit ist die Kategorie noch immer die drittstärkste nach Kapitalschutzprodukten und Strukturierten Anleihen. Und die Idee des Express-Mechanismus ist keinesfalls „out“. Laut den Zertifikate-Experten von Scope Analysis ist derzeit vielmehr vor allem bei den Zeichnungsprodukten eine hohe Quote zu registrieren. Mit 48 Prozent sind fast die Hälfte der Zertifikate in Zeichnung sind mit Express-Funktion ausgestattet.

          Emittenten bieten verstärkt kombinierte Express-Zertifikate an

          Allerdings wird die Express-Idee inzwischen vielfach variiert und zum Beispiel mit Kapitalschutz kombiniert. In der DDV-Statistik fallen diese Produkte dann aus der Kategorie „Express-Zertifikate“ heraus. Klassischerweise wurde bei diesen Produkten der Basiswert an festgelegten Stichtagen überprüft. Notiert das Underlying dabei mindestens auf einem vorab festgelegten Niveau (meist 100 Prozent des Startkurses), wird das Zertifikat vorzeitig fällig und mit einem Zusatzbetrag zurückgezahlt.

          Diese Möglichkeit der schnellen Rendite brachte den Zertifikaten ihren Namen „Express“ ein. Ist das festgelegte Niveau bei der Überprüfung nicht erreicht, läuft das Produkt weiter und der Vorgang wiederholt sich beim nächsten Termin, wobei die Zusatzzahlung anwächst. Beim vorab festgelegten endgültigen Abrechnungstermin kann bei einigen Produkten ein Risikopuffer greifen. Ist der Basiswert nicht über den Puffer hinaus ins Minus gerutscht, gibt es zumindest den Nennbetrag zurück. Bei größeren Rückschlägen orientiert sich die Rückzahlung an der negativen Performance des Basiswerts.

          Inzwischen setzen die Emittenten aber verstärkt auf eine Kombination aus Express- und anderen Strukturen um damit den Anlegerbedürfnissen nach mehr Sicherheit durch Kapitalschutz und möglichst regelmäßigen Erträgen in Form von Kupon-Zahlungen entgegen zu kommen. Laut Scope kann dabei aber die Renditeseite schnell zu kurz kommen. Das zeige die DZ Bank, die aktuell mehr als 40 Papiere mit Kapitalschutz und Kupon-Struktur zur Zeichnung anbiete: Basiswert ist dabei jeweils ein Basket aus mehreren Aktien.

          Auf Transparenz und Einfachheit achten

          Die Funktionsweise erklärt Scope in einer Ausarbeitung zu dem Thema anhand des „VB VarioZins Garant Express 2.0“ (ISIN: DE000AK0ADF8). Das Zertifikat läuft maximal bis März 2017. Bis dahin werden alle Aktien im Korb monatlich überprüft. Ist bei keinem Termin mindestens ein Titel zu finden, der unterhalb von 75 Prozent seines Startniveaus liegt, wird das Zertifikat am nächsten jährlichen Zahlungstermin vorzeitig mit einem Kupon von acht Prozent getilgt. Steht mindestens ein Titel zwischen 60 und 75 Prozent des Startniveaus, liegt der Kupon bei lediglich vier Prozent und die Laufzeit verlängert sich. Ohne Kupon geht es in die nächste Periode, wenn mindestens eine Aktie an einem der Überprüfungstermine unterhalb von 60 Prozent notiert. Am finalen Rückzahlungstermin erfolgt die Tilgung aufgrund des Kapitalschutzes mindestens zum Nennbetrag.

          Neben der komplexen Funktionsweise dieser Papiere sollten Anleger auch die zugrunde liegenden Baskets genau betrachten. Generell gilt: Je niedriger die Korrelation der einzelnen Titel, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie „ausreißt“ und der Höchstkupon passé ist. Bei unserem Beispiel sind vom amerikanischen Wert aus der Lebensmittelbranche (Coca Cola) bis zum deutschen Finanz- und Schweizer Pharmatitel (Deutsche Börse, Roche) zehn Aktien aus den unterschiedlichsten Branchen enthalten. Eine von Scope Analysis erstellte Korrelationsmatrix (siehe Grafik) für diese Werte auf Monatsbasis erstellt hat (Zeitraum: drei Jahre), zeigt teils sehr niedrige Werte. Die BASF-Aktie weist beispielsweise eine Korrelation von 0,36 zu Roche und 0,34 zu Nokia auf.

          Im Gegensatz zu einem solch bunten Strauß an Basiswerten achtet die Société Générale bei ihren „Duo Memory Express-Zertifikaten“ bewusst auf eine hohe Korrelation der je zwei Underlyings. Beispielsweise stammen die Aktien des Zertifikats mit der ISIN DE000SG1TE06 beide aus der Automobil-Branche (Daimler, BMW). Eine Kapitalgarantie ist nicht beinhaltet. Die „Memory“- Funktion sorgt allerdings dafür, dass einmal ausgefallene Kupon-Zahlungen in der nächsten Periode nachgeholt werden können. Nur ein Basiswert ist dagegen beispielsweise bei einem Produkt der Landesbank Baden-Württemberg (ISIN: DE000LB0DDW5) von Bedeutung.

          Bei zu vielen Basiswerten ist Vorsicht angebracht

          Hauptunterschied zu den bereits vorgestellten Zertifikaten liegt darin, dass der Kupon unabhängig vom Basiswert gezahlt wird. Der jährliche Zins beim Zertifikat auf den Euro STOXX 50 beträgt 5,0 Prozent. Das Produkt ist vorzeitig fällig, wenn der Index an einem der Überprüfungstage mindestens das Startniveau erreicht. Geht es in die Verlängerung, ist spätestens im November 2014 Schluss. Dann ist der Nennbetrag durch einen Puffer von 50 Prozent geschützt. Liegt der Euro STOXX 50 tiefer im Minus, orientiert sich der Rückzahlungsbetrag an der negativen Performance des Index.

          Zwar ist die Funktionsweise der vorgestellten Zertifikate recht unterschiedlich. Für alle Express-Strukturen gilt jedoch: Die Renditechancen sind auf vordefinierte Kupons begrenzt. Ihre Stärken ausspielen können diese Papiere bei seitwärts tendierenden bzw. leicht fallenden oder steigenden Kursen. Besondere Vorsicht gilt, wenn sich das Produkt - wie bei vielen Zertifikaten in Zeichnung derzeit der Fall - gleich auf mehrere Basiswerte bezieht.

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