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Zahlungsverkehr : Immer Ärger mit der Kreditkarte

  • -Aktualisiert am

Wird zu oft unberechtigt abgebucht? Bild: AFP

Wer auf Reisen geht, für den ist eine Kreditkarte oft unentbehrlich. Autovermietungen oder Hotels verlangen als Sicherheit die Kreditkartennummer. Immer wieder passiert es, dass unberechtigt Geld vom Konto des Kunden abgebucht wird.

          Wer im Ausland auf Reisen geht, für den ist eine Kreditkarte oft unentbehrlich. Denn häufig verlangen Autovermietungen oder Hotels, dass der Kunde als Sicherheit seine Kreditkartennummer angibt. Doch immer wieder passiert es, dass damit auch unberechtigt Geld vom Konto des Kunden abgebucht wird.

          Diese Erfahrung machte auch Stefan Wegener. Er hatte über ein deutsches Reiseunternehmen einen Mietwagen in Südafrika gebucht. Als er das Fahrzeug abholte, musste er seine Kreditkarte vorlegen mit der üblichen Begründung: Falls nach Rückgabe des Autos noch nachgetankt werden müsse, könne man ihm das auf diesem Weg abbuchen.

          Autovermietungen und Hotels buchen ohne Nachweise ab

          Doch als Wegener aus dem Urlaub zurückkam, erlebte er eine böse Überraschung. Auf seiner Kreditkartenrechnung sah er, dass die Autovermietung Avis weit mehr abgebucht hatte, als eine Tankfüllung hätte kosten können, nämlich 380 Euro.

          „Ich konnte mir das zunächst überhaupt nicht erklären", sagt Wegener. Denn er hatte nie einen Beleg über diesen Betrag unterschrieben. Erst auf Nachfrage erfuhr er, dass ihm die Firma eine angeblich in dem Fahrzeug fehlende Kofferraumabdeckung in Rechnung gestellt hatte. „Diese Abdeckung war aber von vornherein nicht im Wagen gewesen", ist sich Wegener sicher.

          Solche ungerechtfertigten Abbuchungen per Kreditkarte nehmen zu, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beobachtet. Vor allem Autovermietungen oder Hotels buchten öfter ohne unterschriebene Belege ab, sagt Hartmut Strube, Anwalt bei der Verbraucherzentrale. Das habe Kosten- und Rationalisierungsgründe. Denn so könnten es sich die Unternehmen sparen, ausstehende Beträge mühsam bei den Kunden einzutreiben. In den meisten Fällen funktioniert das im gegenseitigen Einverständnis. Problematisch wird es, wenn es Streit über die abgebuchte Summe gibt.

          So wie im Fall von Stefan Wegener, der die unberechtigte Forderung der Autovermietung nicht akzeptierte und die Abbuchung des strittigen Betrags stornierte. Doch seine Bank zog nicht mit. Sie sperrte seine Kreditkarte und forderte die 380 Euro bei der nächsten Abrechnung erneut ein, zuzüglich einer Strafgebühr. Die Baden-Württembergische Bank, bei der Stefan Wegener sein Kreditkartenkonto hat, teilte ihm mit, er müsse die 380 Euro in jedem Fall begleichen. "Leistungsstörungen" seien direkt mit dem Vertragspartner, also in diesem Fall mit Avis, zu klären.

          Das Kreditinstitut kann das Konto nur belasten, wenn es Belege hat

          Doch damit mache es sich die Bank zu einfach, sagt Strube. „Wenn keine Rechnung vorgelegt wird, die ordnungsgemäß abgezeichnet worden ist, oder keine unterschriebene Kreditkartenbuchung, darf dieser Betrag nicht belastet werden. Der Kunde kann ihn zurückfordern."

          Grundsätzlich könnten Abbuchungen per Kreditkarte innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Abrechnung reklamiert werden, bestätigt auch Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Die Beweislast liege dann bei dem Vertragspartner des Kunden. Er müsse bei der Bank durch die entsprechenden Belege nachweisen, dass seine Forderungen berechtigt sind.

          Um Ärger zu vermeiden, sollten Kunden beim Auschecken aus dem Hotel oder bei der Abgabe eines Mietwagens darauf achten, dass sie eine vollständige Rechnung erhalten, diese prüfen und gegenzeichnen, sagt Strube. „Und der Kunde sollte verlangen, dass ihm eine Kreditkartenabrechnung vorgelegt wird und er einen Beleg unterschreibt."

          Kunden, die eine unberechtigte Abbuchung auf ihrem Konto feststellen, rät Kerstin Altendorf vom Bundesverband Deutscher Banken, sich unmittelbar mit ihrer Bank in Verbindung zu setzen. „Das Kreditinstitut kann das Konto des Karteninhabers grundsätzlich nur belasten, wenn es - zum Beispiel durch die Vorlage einer entsprechenden Belegkopie - nachweisen kann, dass der Karteninhaber eine Abbuchung angewiesen hat."

          Trotz dieses eindeutigen Sachverhalts habe der Kunde aber oft große Schwierigkeiten, sein Recht durchzusetzen, beobachtet Verbraucheranwalt Strube. Er rät dazu, nicht nachzugeben und in hartnäckigen Fällen juristische Unterstützung zu suchen.

          Das tat auch Stefan Wegener und hatte damit Erfolg. Nachdem er eine Anwältin eingeschaltet hatte, forderte die Bank schließlich von Avis die entsprechenden Belege an. Daraufhin lenkte die Autovermietung ein und verzichtete auf die 380 Euro.

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