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Richtig anlegen : Wohin mit dem Geld 2017?

Eine schöne neue Anlagewelt also? Nicht ganz. Blackrock-Vertreter Christian Staub weiß selbst am besten, welches Ereignis sein florierendes Geschäft bedrohen könnte. „Die größte Gefahr ginge von einem Unfall aus, der die Anlageform der ETF in der Öffentlichkeit in Misskredit bringen würde.“ Der Finanzmanager hat dabei im Hinterkopf, was sich nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 ereignete. In der Folge fielen auch viele Lehman-Zertifikate aus, die gerade deutsche Anleger in Scharen gekauft hatten. Ihr Geld war verloren. Die Anbieter von Zertifikaten haben sich von diesem Vertrauensverlust nie wieder erholt.

Lernen von Warren Buffett

Mit ETF ist bislang alles gutgegangen. Doch die besondere Art ihrer Konstruktion hat mitunter seltsame Folgen. Die meisten ETF bilden den ihnen zugrundeliegenden Index nämlich ab, indem sie anteilig die darin enthaltenen Wertpapiere kaufen. Im Falle des Dax sind dies also die Aktien aller aktuellen Dax-Konzerne im Verhältnis ihres jeweiligen Börsenwertes. Wenn nun viele Anleger ihren ETF verkaufen wollen (was sie laut Versprechen der Fondsgesellschaften jederzeit können), müssen die ETF-Anbieter wiederum die von ihnen gehaltenen Wertpapiere verkaufen, um die Anleger auszuzahlen. Dies mag im Falle eines beliebten Aktienmarktes wie des Dax problemlos möglich sein. Was aber, wenn ein solcher Abverkauf Anleihe-ETF träfe, für die sich immer mehr Anleger interessieren? Anleihen lassen sich in schwierigen Marktphasen unter Umständen gar nicht mehr verkaufen. Käme es dazu, wäre der Unfall da, vor dem die Branche sich so fürchtet.

Auch eine andere Frage wird immer lauter gestellt. Lässt sich angesichts des zunehmenden Einflusses von ETF noch behaupten, dass sie die Wertentwicklung eines Marktes lediglich widerspiegeln - oder machen sie mittlerweile selbst den Markt? Massive Zuflüsse in einen großen ETF führen nämlich dazu, dass dieser in großem Stil die Aktien des dazugehörigen Index kaufen muss. Dies wiederum treibt die Aktienkurse des Index in die Höhe - ein sich selbstverstärkender Effekt, der nicht schlimm sein muss. Geht die Bewegung allerdings in die andere Richtung und fallen die Kurse, könnten die ETF womöglich ganze Märkte zum Absturz bringen.

All dies sind aber bislang nur Gedankenspiele, von denen sich Anleger nicht schrecken lassen sollten. Sie fahren am besten, wenn sie sich für leicht zugängliche Börsenbarometer wie den Dax entscheiden (beispielsweise über den iShares Dax-ETF von Blackrock) oder für den Euro Stoxx 50, der die Wertentwicklung der 50 wichtigsten Aktiengesellschaften des Euroraums abbildet (über den db x-trackers Euro Stoxx 50-ETF).

Anleger können sich aber auch an einen der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten halten. Kein Geringerer als Warren Buffett hat 2014 erklärt, er würde seinen Erben empfehlen, 90 Prozent seines Milliardenvermögens in den Vanguard S&P 500-Indexfonds zu investieren. Wer sich Buffetts Empfehlung zu Herzen nahm, kann sich bislang an einem Plus von 25 Prozent erfreuen.

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