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Richtig anlegen : Wohin mit dem Geld 2017?

Abseits solch gigantischer Zahlen kann man sich die Ungeheuerlichkeit dieser Entwicklung aber auch ganz plastisch vor Augen führen. Wer sich in der Branche umhört, stößt immer wieder auf einen Satz: Die Umwälzung, die derzeit stattfinde, gleiche in ihrer Heftigkeit der Ablösung der Schreibmaschine durch den Computer. Wer, wie wohl die meisten Menschen, bislang davon ausging, dass an der Börse hauptsächlich Aktien gehandelt werden, wird durch ETF eines Besseren belehrt. Fonds wie den Vanguard S&P 500 kaufen und verkaufen die Anleger mittlerweile häufiger pro Tag als die Aktien des größten börsennotierten Unternehmens der Welt, des Technologiekonzerns Apple. Eine Zeitenwende.

Wie sehr sich die Fondsmanager alter Schule dessen bewusst sind, zeigt ihre zunehmend aggressive Reaktion auf den Siegeszug der ETF. In Hintergrundgesprächen können wichtige deutsche Geldmanager geradezu ausfallend werden, wenn das Thema zur Sprache kommt. Von „ETF-Müll“ ist dann die Rede, manchmal gar von „ETF-Bullshit“. Die Heftigkeit der Reaktion überrascht nicht: Sehen die Fondsmanager ihr Geschäftsmodell durch die neue Konkurrenz doch stark in Frage gestellt. Konnten sie bisher mehr als auskömmlich von den hohen Gebühren der Anleger leben, stehen sie nun unter Rechtfertigungszwang. Das ist das Wesen von Revolutionen. Sie erzeugen immer auch Verlierer.

Ganz normale Anleger dürfen sich dagegen uneingeschränkt als Gewinner dieser Umwälzungen sehen. Dass sie genau wie Großanleger zu niedrigsten Gebühren ETF kaufen können, zahlt sich auch in Form höherer Renditen aus. Denn das Jahr 2016 hat ein weiteres Mal gezeigt, dass die traditionellen Fondsmanager ihr wichtigstes Versprechen nicht einhalten können. Es lautet: In unruhigen Zeiten schützen wir unsere Kunden durch geschicktes Anlegen vor zu großen Verlusten. Ein ETF dagegen, so geht das Argument weiter, macht den Absturz voll mit, wenn die Kurse stark fallen.

Schöne neue Anlagewelt?

In der Theorie ist diese Überlegung richtig. Doch in der Praxis scheitern die Fondsmanager kläglich daran, ihren vermeintlichen Vorteil auszuspielen. Ausgerechnet im wilden Börsenjahr 2016 haben sie bescheiden abgeschnitten. Laut einer Untersuchung von Barclays kamen fast 60 Prozent der amerikanischen Aktienfonds in den Wochen nach der Wahl Donald Trumps auf ein schlechteres Ergebnis als einfache Aktienbarometer wie der S&P 500. Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre blieben gar 90 Prozent der Aktienfonds hinter dem Index zurück.

Selbst Anleger, die trotz allem weiter an die althergebrachten Investmentstile glauben, profitieren vom Siegeszug der ETF. Blackrock-Deutschland-Chef Staub erwartet, dass der Erfolg der billigen Indexfonds dazu führen wird, dass auch die Gebühren für klassische Fonds sinken. „Der Druck, günstige Finanzprodukte anzubieten, ist enorm.“

Dass ETF weiter zu Lasten der traditionellen Fonds an Gewicht zulegen werden, kann als ausgemacht gelten. Dafür sorgt allein die zunehmende Digitalisierung der Geldbranche: Je mehr Finanz-Apps um die Gunst der Kunden werben, umso mehr gewinnen auch bequeme und billige Anlagelösungen an Bedeutung. Immer beliebter werden beispielsweise die sogenannten Robo-Advisor. Es handelt sich dabei um Online-Vermögensverwalter, die den Kunden je nach Risikoneigung bestimmte Musterportfolios zur Auswahl stellen - in der Regel setzen sich diese Portfolios aus verschiedenen ETF zusammen.

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