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Brandywine-Ökonom : „Die Märkte schätzen Trump falsch ein“

Überall Trump: Sogar in einem Devisenhandel in Tokio Bild: Reuters

Der Brandywine-Ökonom Chen Zhao rechnet nach einem kurzen Wachstumsimpuls mit einem deutlichen Einbruch der Märkte. Trumps Strategie werde seinen Wählern nicht helfen.

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          Auch wenn man noch nicht genau weiß, welche Wirtschaftspolitik der neue amerikanische Präsident Donald Trump letztlich genau umsetzen wird, haben die Märkte beschlossen, es positiv zu sehen. Sie preisen einen Wachstumsimpuls ein. Chen Zhao, Leiter der Abteilung Makroökonomie der zur Fondsgesellschaft Legg Mason gehörenden Vermögensverwalter Brandywine Global ist sich indes sicher: Die Märkte schätzen Trump nicht richtig ein.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Trumps Politik ist eine Mischung aus Reagonomics und Protektionismus. Das wird kurzfristig positive, aber langfristig viel schwerwiegendere negative Folgen haben. Derzeit konzentrieren sich die Märkte einzig auf die positiven Aspekte“, sagt Zhao und listet sie auf: Steuersenkungen und Infrastruktur-Investitionen und eine Deregulierung, vor allem der Banken. Das hören die Märkte gern und lässt die Aktienkurse steigen. Kurzfristig könne das der amerikanischen Wirtschaft auch bis zu zwei Prozentpunkten mehr Wachstum bringen.

          Zhao fürchtet erneuten Einbruch

          Doch allein der Blick auf die Geschichte bringt den Ökonomen schon ins Grübeln: „Es gab seit 1950 in Amerika zehn Rezessionen. Neun davon ereigneten sich unter republikanischen Präsidenten. Die Wirtschaft expandiert seit acht Jahren moderat. Was zuletzt fehlte, war der letzte Wachstumsschub. Der könnte jetzt kommen – und danach die Trump-Rezession.“

          Zeitlich würde das auch zu den beiden vergangenen Einbrüchen an den Finanzmärkten passen: 2001 die Aktienblase, 2008 die Immobilienblase und jetzt die Anleiheblase. Ereignen könnte sich der Einbruch dann 2017 oder 2018, genau könne man das jetzt nicht vorhersagen.

          Aber auch jenseits der historischen Gesetzmäßigkeiten hat Zhao einige Argumente parat. „Die Globalisierung war für viele ein großer Erfolg. Sie hat 500 Millionen Menschen in den Schwellenländern aus der Armut geholt. Sie hat die Inflation beständig sinken und die Unternehmensgewinne und die Aktienkurse auf den höchsten Stand aller Zeiten steigen lassen.“

          Doch auf der anderen Seite habe es auch Verlierer gegeben – namentlich Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe der entwickelten Länder. „Trotz des starken Wachstums sind die Haushaltseinkommen dieser Gruppe in den vergangenen dreißig Jahren nicht wesentlich gestiegen.“ Das seien auch diejenigen, die vorrangig Trump gewählt und für Protektionismus gestimmt hätten.

          Das Problem mit der Globalisierung sei nie der Verlust von Arbeitsplätzen gewesen, sondern stets ein Verteilungsproblem. Die Globalisierung habe sogar dafür gesorgt, dass mehr besser bezahlte und qualifiziertere Arbeitsplätze entstanden seien. Dafür seien aber einfachere Tätigkeiten in der Produktion verloren gegangen, und das habe wieder für eine große Zahl von Menschen stagnierende oder sinkende Einkommen bedeutet.

          Radikale Maßnahmen könnten zu radikalen Folgen führen

          Ob diese nun von einem Präsidenten Trump das bekommen werden, was sie sich wünschten, daran zweifelt der Ökonom. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Arbeitsplätze in der Produktion in die Vereinigten Staaten zurückkehren werden. Diese Jobs wären auch ohne Freihandel verloren gegangen, denn es ist Folge einer technischen Entwicklung.“

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