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Windparks : Windkraft sorgt für Sturm im Portfolio

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Bisher nur vier Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien Bild: ZB - Fotoreport

Sauberer Strom - sauberes Gewissen. Windkraftprojektierer rechnen über Jahre hinaus mit zweistelligem Wachstum.

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          Zweistellige Wachstumsraten während der nächsten zehn Jahre, Kursfantasie und ökologisch korrekte Geldanlage: Die deutschen Windkraftprojektierer, Weltmarktführer in ihrem Segment, scheinen viele Investorenwünsche auf sich zu vereinigen.

          Der Erfolg der erneuerbaren Energien ist zudem politisch gewünscht. Auf mindestens zwölf Prozent soll ihr Anteil an der bundesdeutschen Energieversorgung bis zum Jahr 2010 ansteigen, Windkraft wird dabei den größten Beitrag liefern. Für SEB-Fondsmanager Erich Hein bearbeiten Windkraftprojektierer wie Plambeck, Umweltkontor, Energiekontor und P&T Technology daher den „Wachstumsmarkt schlechthin“.

          Fonds setzen auf Diversifizierung

          Die Wachstumstitel finden sich vor allem in ökologisch oder ethisch orientierten Fondsprodukten, häufig mit sehr hoher Gewichtung. Energiekontor und Umweltkontor sind mit sechs beziehungsweise sieben Prozent etwa im Naturetech-Fonds der Union Investment vertreten. In Heins SEB-Invest Ökolux vereinigen die Projektierer rund neun Prozent des Fondsvolumens auf sich.

          Trotz guter Perspektiven der Windkraft setzen die Fonds auf Diversifizierung. Denn auch Umweltkontor & Co. waren und sind den Unbilden des Neuen Marktes ausgesetzt. Jetzt aber sind laut Erich Hein wieder „Kaufkurse“ entstanden. Axel Funhoff hingegen, Analyst der Investmentbank Bear Stearns, relativiert das: „Gemessen an der verschiedenen Kennzahlen halte ich die Unternehmen allenfalls für leicht unterbewertet.“

          Risiken nicht zu unterschätzen

          Nicht nur die Finanzmärkte, auch die operativen Pläne der Gesellschaften bergen Risiken. Da in Deutschland und Dänemark die lukrativen Plätze langsam knapp werden, werden sich nur diejenigen Unternehmen behaupten, die ins Ausland expandieren. Umweltkontor und Energiekontor, darin sind sich die Experten einig, sind dort bereits gut aufgestellt.

          P&T Technology hingegen leidet unter seinem Engagement in südlichen Ländern, wo unter anderem die wirtschaftspolitische Krise in der Türkei zu Projektverschiebungen geführt hat. Für die Cuxhavener Plambeck birgt der Zwang zur Expansion ebenfalls Risiken: Die WestLB Panmure etwa ist sich unsicher, ob Plambeck „ein stagnierendes inländisches Geschäft durch groß angelegte ausländische Projekte ausgleichen“ könne.

          Hoher Finanzierungsbedarf

          Die größten Hoffnungen allerdings richten sich nicht auf Windkraftanlagen an Land, sondern auf künftige Offshore-Projekte, riesige Windparks zum Beispiel in Nord- und Ostsee. Energiekontor und Plambeck werden auf diesem Markt als führend gesehen. „Borkum Riffgrund West“, dessen Baubeginn Energiekontor für das Jahr 2004 plant, soll in der Endausbaustufe eine Nennleistung von 1,8 Gigawatt erbringen.

          Den immensen Finanzierungsbedarf - die 50 Kilometer von Borkum entfernte Plattform wird 5,5 Milliarden Mark verschlingen - sieht Axel Funhoff zwar „noch nicht geklärt“. Andererseits produzieren die Parks in vergleichbarerer Größenordnung wie Atomkraftwerke, so dass Konzerne wie RWE oder E.ON sicherlich ihr Interesse bekunden werden.

          Warten auf die Gigaprojekte

          Selbst wenn die Offshore-Projekte gelingen: Immer kompliziertere Genehmigungsverfahren, technische Unwägbarkeiten und die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen können den Windkraftspezialisten stürmische Zeiten bescheren. Während Energiekontor mit Stromlieferungen ab 2004/2005 rechnet, erwartet Fondsmanager Hein erst ab 2006 signifikante Umsätze für die Offshore-Branche. Funhoff ergänzt: „Zudem kann es leicht zu Projektverschiebungen um ein Jahr kommen, die Turbulenzen an den Aktienmärkten zur Folge haben werden.“

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