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Neue Auswertung : Ein Fünftel der Windparks wirft keine Rendite ab

Windräder an der Nordseeküste: Manchmal ist leider Flaute. Bild: dpa

Der Wind hat viel weniger geweht, als versprochen: Hunderttausende Anleger sind mit zu hohen Prognosen zu Investitionen in Windparks bewogen worden. Viele können froh sein, wenn sie ihr eingesetztes Kapital zurückbekommen.

          Hunderttausende Geldanleger sind mit viel zu hoch gegriffenen Windprognosen zu Investitionen in Windparks bewogen worden. Das geht aus einer Auswertung des Bundesverbands Windenergie hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Mit anderen Worten: Der Wind hat viel weniger geweht als in den Prospekten versprochen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Vom Wind hängt der Umsatz einer Anlage ab, ihre Fähigkeit, Kosten zu decken und Ausschüttungen zu erwirtschaften. Der mit der Analyse betraute Steuerberater Werner Daldorf kommt zu dem Ergebnis, dass die Windräder im Schnitt 15 Prozent weniger Umsatz erwirtschaften als geplant. Bei 37 Prozent der Windparks reichten die Erlöse nicht, um die Darlehen zu tilgen, geschweige denn um Dividenden auszuschütten. Nur ein Drittel der Windparks leisteten sich Ausschüttungen von zwei Prozent und mehr.

          Nach einer Auswertung der Jahresabschlüsse von 1150 Windparks aus den Jahren 2002 bis 2011 kommt der Experte zu dem Resultat, dass die Anleger im Durchschnitt auf ihr eingesetztes Kapital 2,5 Prozent erhalten haben. Über die Summe der zehn Jahre kamen sie damit auf gerade einmal 25 Prozent ihrer Einlage, während ihnen in den Prospekten für die Zeitspanne 60 bis 80 Prozent versprochen wurden.

          Die Windräder generieren zu wenig Ökostrom

          Im Detail ergibt sich ein noch „katastrophaleres Bild“, wie Daldorf schreibt: 20 Prozent der Windparks haben de facto gar nichts ausgeschüttet, 17 Prozent haben nur in einem Jahr Geld an ihre Anleger überwiesen, 21 Prozent haben nur in zwei von zehn Jahren ausgezahlt.

          Der Experte kommt zu folgendem Schluss: Rund die Hälfte aller kommerziellen Windparks an Land laufe so schlecht, dass die Anleger froh sein könnten, „wenn sie nach 20 Jahren ihr Kapital zurückbekommen haben“. Daldorf vermutet, dass zwischen 200.000 und 300.000 Menschen in Deutschland Kommanditisten einer der zahllosen GmbH & Co. KG sind, mit denen das Kapital für die Windparks aufgebracht wurde. Die eingesammelte Anlagesumme beträgt 9,5 Milliarden Euro. In den Jahren von 2000 bis 2005 wurde den Anlegern regelmäßig versprochen, dass sie binnen 20 Jahren zwischen 200 und 300 Prozent des eingezahlten Kapitals erhielten. Für die Anleger klang das hochattraktiv: Sie konnten über die Rückzahlung ihres eingezahlten Kapitals hinaus mit einer jährlichen Rendite zwischen 5 und 10 Prozent rechnen. Bis 2004 veröffentlichten die Emissionshäuser, die Kapitalanleger anwarben, sogenannte Leistungsbilanzen. Sie zeigten, was bereits projektierte Windräder abwarfen. Das sollte den Vertrieb beflügeln.

          Dann waren die Windjahre 2002 bis 2005 so schwach, dass die Windräder zu wenig Ökostrom und Umsatz generierten. Man bekam nur 84 Prozent der geplanten Umsätze. Viele kommerzielle Windparks gerieten da schon in Schieflage. Die Emissonshäuser zogen aus diesem ersten Desaster die Konsequenz, keine Leistungsbilanzen mehr zu veröffentlichen.

          In den Prospekten für die Kapitalanleger, bemängelt Daldorf, wurde die Berechnungsmethode für die Windernte selten ausführlich dargestellt. Und schon gar nicht wiesen die Emissionhäuser darauf hin, dass es bei den Winderträgen einen Unsicherheitsbereich von rund zehn Prozent gebe.

          Dass die Emissionshäuser notorisch zu optimistische Windernten angeben konnten, liegt auch an dem sogenannten Windindex. Diese Maßgröße speist sich aus Meldungen über Winderträge, die in die Zukunft fortgeschrieben werden. Und er scheint regelmäßig zu optimistisch gewesen zu sein – mit gravierenden Konsequenzen für die Geldanleger.

          Der Index vernachlässige zum Beispiel, so sagen Kritiker schon länger, dass Windparks immer häufiger wegen überlasteter Stromtrassen vom Netz gehen müssen – und dass bei dicht gestellten Windparks große Anlagen die kleinen in den Windschatten stellen, womit sie deren Erträge mindern.

          Statt aber falsche Erwartungen einzugestehen, so bemängeln die Kritiker, verbreitet die Windbranche lieber die Mär von vermeintlich schlechten Windjahren.

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