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Window-Dressing : Von Schönfärberei profitiert niemand

  • Aktualisiert am

Manipulieren Fonds den Einblick? Bild: AP Photo/Clovis News Journal, Nick Mondragon

Window Dressing zum Bilanzstichtag ist eine beliebte Sache bei Fonds, um das Depot in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

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          Kurz vor Veröffentlichung der Depotzahlen, vor allem zum Jahresende, bringen einige Fondsmanager ihre Produkte noch mal richtig in Schuss. Da werden Verlustbringer ganz aus dem Depot geworfen oder deutlich untergewichtet und die Outperfomer neu gekauft oder aufgestockt.

          Wer auf die ein oder andere Niete gesetzt hatte und bei den Gewinnern nicht ausreichend investiert war, versucht auf diese Weise dem Anleger vorzugaukeln, er hätte von Anfang ein Gespür für die richtigen Werte gehabt. Außerdem soll die kurzfristige Fonds-Performance etwas geschönt werden. Dieses Phänomen ist gemeinhin als „Window-Dressing“ bekannt.

          Niemand profitiert vom „Window Dressing“

          Profitieren tut von diesen Vertuschungsaktionen eigentlich niemand. Denn Einfluss auf die langfristige Performance des Fonds haben sie natürlich kaum. Am Markt können sich diese Operationen vor Jahres- oder Quartalsende durchaus bemerkbar machen. Werte, die gut gelaufen sind, werden auf diese Weise noch gestützt, wobei bei schwächeren Titeln eher eine weitere Abwärtsbewegung zu verzeichnen ist. Und das auch, wenn es für die Fortführung des Trends eigentlich keine fundamentalen Gründe gibt. André Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut räumt jedoch ein: „Solche Veränderungen gibt es am ehesten bei kleinen, marktengen Papieren. Und selbst hier kann man nicht von nachhaltigen größeren Veränderungen durch Window-Dressing sprechen.“

          Zumeist findet ohnehin zum Jahres- oder Quartalsbeginn schon die Kurskorrektur statt. Zum einen lassen die Verkäufe nach, zum anderen kaufen Manager oftmals ihre ursprünglichen Positionen zurück. Denn in der Regel investieren sie ja in Werte, von denen sie überzeugt sind und die ihrer langfristigen Anlagestrategie entsprechen. Trudbert Merkel, Fondsmanager bei der Deka, hält eine solche Vorgehensweise für wenig sinnvoll. Zwar möchte er nicht ausschließen, dass es Fondsmanager gibt, die sich kurzfristig von den Nieten im Portfolio trennen, doch letzten Endes stehe immer die langfristige Wertentwicklung des Fonds im Vordergrund. Ein interessierter Anleger wird mit solchen rein kosmetischen Korrekturen ohnehin kaum zu täuschen sein, da die Fonds-Performance mit der Entwicklung der einzelnen Positionen konform gehen muss.

          Transparenz als wirksame „Verhütungsmethode“

          Die wirksamste Entkräftung jeglichen Verdachts des Window-Dressings ist natürlich eine möglichst hohe Transparenz. Ein vorbildliches Beispiel liefert hier Activest, die Fondsgesellschaft der HypoVereinsbank. Im Internet werden täglich die Top Ten Holdings der einzelnen Fonds aktualisiert. Eine Selbstverständlichkeit für den Pressesprecher Stefan Liebl: „Wir haben kein Problem damit, transparent zu sein.“ Trudbert Merkel von der Deka hält eine monatliche Aktualisierung für ausreichend. „Das Anlegerinteresse an den einzelnen Fonds-Positionen ist relativ gering.“

          Auch Stefan Liebl ist nicht der Meinung, dass Transparenz ein überwiegendes Kaufkriterium ist. „Da geht es doch eher um profundere Dinge wie eine überzeugende Anlagestrategie und eine vernünftige Performance.“ Aber er sieht keinen Grund, dem Anleger nicht zu zeigen, wie der Fonds arbeitet. „So geben wir ein Stück des Vertrauens, das der Anleger in uns setzt, zurück.“ André Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut ist aber ohnehin der Meinung, dass die genaue Depotstruktur eines Fonds für den Anleger kaum eine Rolle spielt, sei sie nun „gedressed“ oder nicht. „Denn letzten Endes gibt es kaum Fonds, die durch ihre Titelauswahl langfristig den Markt schlagen können.“

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