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Fondsinvestments : Wie Anleger mit Infrastruktur Geld verdienen

Unverzichtbare Infrastruktur für den Luftverkehr: Der börsennotierte Flughafen Wien Bild: Bloomberg

Infrastruktur ist zu einem wichtigen Thema für die Kapitalmärkte geworden. Gerade Versicherer suchen nach Alternativen zu den zunehmend niedrig verzinsten Anleihen und nehmen stattdessen Energieinfrastrukturanlagen in den Blick.

          Die seit der Finanzkrise oft hochverschuldeten Staaten, die ihre Infrastruktur kaum noch finanzieren, geschweige denn modernisieren können, freuen sich über die hohe Finanzierungsnachfrage dieser privaten Anleger und erleichtern ihnen mit seit diesem April nochmals lockeren aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen die Anlage. Dabei hat Europas größter Versicherer Allianz schon allein mehr als 3 Milliarden Euro in Erneuerbare-Energien-Projekte investiert, darunter in 63 Wind- und sieben Solarparks.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für private Anleger, die möglichst jederzeit wieder verkaufen können wollen, erscheinen derartige, einem geschlossenen Fonds ähnelnden illiquiden Anlagen eher nicht geeignet. Was bleibt ihnen, um am Infrastrukturmarkt teilzuhaben, dort Investitionen etwa in Energieeffizienz zu befördern und auch von der zunehmenden Mobilität einer wachsenden Weltbevölkerung zu profitieren? Viele Fondsgesellschaften bieten inzwischen Infrastrukturaktienfonds an. Sie haben den Vorteil, an der Börse gehandelt zu werden, also täglich liquide zu sein, und in eine große Bandbreite von Aktiengesellschaften zu investieren. Die Unterschiede zwischen diesen Fonds sind jedoch beträchtlich.

          Der Infrastrukturaktienfonds der australischen Bank Macquarie, der eine besondere Expertise für Rohstoff- und Infrastrukturinvestments nachgesagt wird, legt vor allem in Aktien von Schwellenländern an. In den vergangenen zwölf Monaten konnte sich der Macquarie Global Listed Infrastructure der Schwäche vieler Schwellenländerbörsen nicht völlig entziehen, auch wenn der Verlust von rund 10 Prozent deutlich geringer ausfiel als etwa die Verluste der russischen oder brasilianischen Börse insgesamt.

          Mit einem ähnlichen Minus von 9 Prozent schnitt der Aktienfonds Listed Global Infrastructure der Fondsgesellschaft Franklin Templeton ab, obwohl er eine ganz andere Länderstrategie wählt. 40 Prozent der gewählten Aktien sind Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, immerhin 10 Prozent sind in Spanien investiert (darunter der Flughafenbetreiber Aena und der Versorger Iberdrola). Der Infrastukturaktienfonds der Schweizer Bank UBS liegt mit einem Minus von 2,5 Prozent seit einem Jahr etwas besser als die beiden genannten Konkurrenten. Der UBS-Fonds hält unter anderem große Energieversorger wie die deutsche Eon und die französische Suez unter den zehn größten Positionen. Mit am besten allerdings schlägt sich seit geraumer Zeit der Infrastrukturfonds der kleinen Frankfurter Investmentboutique Veritas. Er hat das kleine Kunststück fertiggebracht, seinen Anlegern im Vergleich zu vor einem Jahr fast 2 Prozent Gewinn zu liefern.

          Von 1900 Infrastrukturaktien bleiben nur 300 übrig

          Diesen Ve-RI Listed Infrastructure zeichnet eine konzentrierte, gleichgewichtige und risikoarme Aktienauswahl aus. Der Fonds investiert nicht in Unternehmen mit Schwerpunkt Energieproduktion („Utilities“) oder „Soziale Infrastruktur“ wie zum Beispiel Krankenhäuser. Vielmehr müssen die Unternehmen mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit dem Betrieb von Infrastrukturnetzwerken wie Öl- und Gaspipelines, Elektrizitätsnetzen oder Wasserleitungen erzielen. Die Idee dahinter: Weil sie permanent Nutzungsentgelte kassieren, dürften sie vielmehr nicht die höchsten, aber doch stabile und planbare Gewinne erzielen. Um die Risiken besser zu überschauen, investiert der Fonds auch nicht in Schwellenländern, sondern in Unternehmen entwickelter Länder. Durch diese Filter schmilzt das Universum von mehr als 1900 Infrastrukturaktien auf weniger als 300.

          Aus diesen 300 Aktien wählt Veritas mit Hilfe von Dienstleistern 30 Aktien für den Fonds aus. Die ersten beiden Disziplinen der Auswahl dürfte fast jeder Fondsmanager berücksichtigen: Sie lassen sich mit Qualität, etwa der Dividendenpolitik, und mit Bewertung (ist die Aktie gemessen an den erwarteten Unternehmensgewinnen günstig oder ist schon zu viel „eingepreist?) umschreiben. Das dritte Kriterium von Veritas ist dann allerdings ungewöhnlich streng: Ähnlich wie ein Versicherer, der die größten Risiken wie Naturkatastrophen wenn nicht ausschließen, so doch zumindest angemessen berücksichtigen will, rechnet Veritas nicht mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen hohen Tagesverlust wie üblich, sondern mit 99,5 Prozent. Mit diesem Konzept des „Extreme Value at Risk“ geraten Aktien bei der Auswahl ins Hintertreffen, die in den vergangenen Jahren mit hohen Tageskursschwankungen auffielen. Darüber hinaus gibt es noch einen kleinen Bonus für gute Unternehmensführung.

          Im Transportwesen setzt der Fonds auf Aktien von Flug- und Seehäfen oder von Bahnbetreibern. Aus dieser Branche kam zu Beginn des ersten Quartals der Spitzenreiter, der sich unter 300 Aktien durchgesetzt hat: Der Flughafen Wien, von Österreichern oft belächelt, setzte sich im Veritas-Ranking mit der höchsten Punktzahl nach den Kriterien Qualität, Bewertung, Risiko und Unternehmensführung durch. Dass das Auswahlverfahren so schlecht nicht ist, zeigte sich im März, als der Flughafen Wien von Australiern aufgekauft wurde. Davon allerdings profitierte der Veritas-Fonds nur etwas, weil er alle ausgewählten 30 Aktien gleich gewichtet. Auch dies soll ein Mittel sein, um die Risiken gering zu halten. Auch eine Länderbegrenzung hat der Fonds auf maximal 20 Prozent. Gäbe es dieses Limit nicht, hätte er mehr amerikanische Aktien im Portefeuille.

          Gerade hat der Veritas-Fonds übrigens wieder seine Aktienauswahl neu durchgeführt. Zu Beginn des zweiten Quartals weist Elia, der Besitzer und Betreiber des belgischen Hochspannungsnetzes, die höchste Punktzahl nach den vier Kriterien von Veritas auf. Elia, das unter anderem aus dem Unternehmen Electrabel hervorging, gehört zu den kleineren Unternehmen im belgischen Aktienindex Bel-20. Auch der Flughafenbetreiber SATS aus Singapur, der Gas-und Ölnetzbetreiber Snam aus Italien, der Energieverteiler BKW aus der Schweiz und der Mautnehmer Hopewell aus Hongkong landeten bei der Aktienauswahl ganz vorne.

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