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Fondsmanagement : Wie aktiv sind aktive Fonds wirklich?

Bild: iStock

Die meisten Manager von Aktienfonds tun viel zu wenig für ihr Geld. Wozu auch, bisher wandert der Dax von ganz allein nach oben. Doch was, wenn die Hausse ein Ende findet?

          Fondsmanager müsste man sein! Genauer gesagt: Aktienfondsmanager. Für alle Angehörigen dieser ohnehin gut bezahlten Berufsgruppe waren die vergangenen Monate ein Traum: Die Börsen der Welt - ob nun in Deutschland, Europa oder in Amerika - entwickelten sich prächtig, vor allem der Dax stellte fast täglich einen neuen Rekord auf. Für jeden Aktienfondsmanager sind das perfekte Bedingungen: Wenn die Kurse steigen wie von selbst, ist auch der eigene Fonds automatisch im Plus und automatisch sind auch alle Anleger zufrieden. Der Manager kann sich dann bequem zurücklehnen, den Dingen ihren Lauf lassen und wird für dieses süße Nichtstun auch noch fürstlich entlohnt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Auswertung des Analysehauses Morningstar für die F.A.S. zeigt: Genau so haben es viele Manager großer Aktienfonds in den vergangenen Monaten gehalten. Sie haben ihr Portfolio so ausgerichtet, dass es im Wesentlichen der Zusammensetzung bekannter Aktienindizes wie des Dax oder des europäischen Aktienbarometers MSCI Europe entspricht. Hart gesagt, grenzt dies an Arbeitsverweigerung: Denn wozu zahlen Anleger hohe Gebühren, wenn die Manager am Ende nur der simpelsten aller Anlageideen folgen und quasi mechanisch einen Börsenindex nachbauen?

          Nun lässt sich einwenden: Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass es auf Dauer kaum einem Fondsmanager gelingt, besser abzuschneiden als der Aktienmarkt als Ganzes. Allerdings gehört es quasi zur Stellenbeschreibung eines jeden Geldverwalters dazu, dass er es zumindest probieren sollte. Unternimmt er nämlich noch nicht einmal den Versuch, den Markt zu schlagen, und ahmt stattdessen nur die Zusammensetzung eines Index nach, könnten Anleger genauso gut einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) kaufen. Ein solcher ETF bildet beispielsweise die Wertentwicklung des Dax exakt ab, kostet aber viel weniger Gebühren als ein normaler Fonds. „Es ist nicht einzusehen, warum Anleger für ein Leistungsversprechen zahlen sollen, das gar nicht erbracht wird“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. „Wer sich als aktiver Fondsmanager bezeichnet, muss Aktien auch aktiv auswählen.“

          Gute Anlagestrategie oder glücklicher Zufall?

          Früher war es gar nicht so leicht, faulen Fondsmanagern auf die Schliche zu kommen. Seitdem zwei Forscher der Eliteuniversität Yale vor einigen Jahren eine Kennzahl mit kompliziertem Namen („Active Share“) entwickelt haben, müssen sich die Geldverwalter allerdings vorsehen. Der „Active Share“ gibt nämlich Auskunft darüber, wie stark die Zusammensetzung eines Portfolios von der Zusammensetzung eines bestimmten Börsenbarometers abweicht. Kommt beispielsweise ein deutscher Aktienfonds auf einen „Active Share“ von null, heißt das übersetzt: Der Fonds bildet exakt den Dax nach - er investiert nicht nur in alle Aktiengesellschaften aus dem Dax, sondern gewichtet deren Anteile auch genau in der Weise, wie dies im Index geschieht. Ein „Active Share“ mit einem Wert von 100 dagegen bedeutet: Der Fondsmanager investiert überhaupt nicht in Dax-Aktien - er agiert völlig losgelöst vom Index.

          In der Morningstar-Analyse fallen unter den großen deutschen Fonds besonders zwei negativ auf - der Dekafonds der Sparkassenfondsgesellschaft Deka und der Unifonds von Union Investment. Beide verwalten Anlegergelder in Höhe von mehreren Milliarden Euro, und beide waren zuletzt vor allem darauf aus, möglichst wenig von der Zusammensetzung des Dax abzuweichen. Entsprechend niedrig ist ihr Aktivitätsgrad - bei beiden Fonds liegt er bei einem geringen Wert von gerade einmal 20. Dass es sogar noch schlimmer geht, zeigt das Beispiel des Fonds „Mediolanum International Equity“, dessen Manager sogar im weltweiten Vergleich durch ein einmaliges Maß an Untätigkeit auffällt. Der Aktivitätsgrad liegt hier bei einem Wert von gerade einmal 2,07 - mit anderen Worten: Der Fondsmanager setzt so gut wie keine eigenen Impulse.

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