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Wertverluste in der Krise : Viele Absolute-Return-Fonds enttäuschen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nur wenige Produkte halten das Versprechen, dem Anleger in schlechten Zeiten keinen Verlust zu bescheren. Viele erleiden negative Renditen. Anleger, die in Absolute- oder Total-Return-Fonds investiert haben, müssen derzeit hohe Wertverluste hinnehmen.

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          Die Finanzkrise stellt nicht nur die Nerven von Aktienkäufern auf die Probe. Selbst Anleger, die in Absolute- oder Total-Return-Fonds investiert haben, müssen derzeit hohe Wertverluste hinnehmen. Das ist für sie deshalb besonders ärgerlich, weil diese Fonds unabhängig von der Entwicklung an den Finanzmärkten eine positive Rendite abwerfen sollen.

          Knapp die Hälfte der Absolute-Return-Fonds, die in Deutschland an Privatanleger verkauft werden, weist laut der Fondsratingagentur Lipper für die vergangenen zwölf Monate eine negative Wertentwicklung auf. Noch schlimmer sieht es in den vergangenen sechs Monaten aus: Da haben nur 122 von 264 berücksichtigten Fonds eine positive Wertentwicklung geschafft.

          Von den Anomalien getroffen

          Ein prominentes Opfer ist der Fonds Pioneer Investments Total Return (Isin: LU0149168907), der im vergangenen Jahr einen Absturz von 31 Prozent erlebte und in diesem Jahr bisher weitere 7,3 Prozent verlor. Jahrelang war der Fonds das Vorzeigeprodukt der Fondsgesellschaft der italienischen Bank Unicredit, der in Deutschland die Hypo-Vereinsbank gehört. In seinen besten Jahren kam der Fonds auf ein Volumen von 8,5 Milliarden Euro. In der Zwischenzeit ist es auf 950 Millionen Euro geschrumpft.

          „Uns hat getroffen, dass seit dem Sommer 2008 ganz fundamentale Gesetze an den Finanzmärkten nicht mehr gültig sind“, sagte Norbert Welp, Vertriebschef von Pioneer Investments Deutschland. „Der Fonds wurde von den Anomalien, die an den Märkten auftraten, getroffen.“

          Noch schlimmer wurden von diesen Anomalien Anleger getroffen, die in den Fonds „Absolute Return Bond“ der UBS Asset Management investierten: Die Fondsgesellschaft hat den Fonds am 11. November 2008 komplett geschlossen und in den UBS Money Market Fund überführt - der freilich ein anderes Anlagekonzept verfolgt. Der Absolute Return Bond hatte vor allem in Zinspapiere investiert, die im Zentrum der Finanzkrise standen: MBS, ABS, CMBS und CDOs.

          Keine Korrelation zu Aktien und Renten

          Ihre beste Zeit hatten Absolute- und Total-Return-Fonds 2004 und 2005, als die Stimmung an den Finanzmärkten noch relativ gut war. Unter diesen Oberbegriffen wird heute eine Vielzahl von Anlagestrategien zusammengefasst - die einen direkten Vergleich der einzelnen Fonds allerdings fast unmöglich macht. So zählt der Allianz RCM Systematic Multi Strategy AT (Isin: LU0310774517) zu jenen Fonds, die in diesem Jahr eine leichtes Plus aufweisen. Seit Jahresanfang ist der Wert um 1,2 Prozent gestiegen.

          Das Fondsanalysehaus Morningstar reiht das Produkt zwar unter den Absolute-Return-Fonds ein, doch Fondsmanager Matthias Müller will das so nicht stehen lassen. „Wir haben den Systematic Multi Strategy bewusst nicht Absolute-Return-Fund genannt, weil er ein etwas anderes Anlageziel verfolgt“, sagt Müller. „Der Fonds soll nicht nur eine absolute Rendite erzielen.“ Er solle vielmehr das Risiko-Ertrags-Profil in einem Portfolio optimieren, indem er möglichst keine Korrelation zu Aktien und Renten aufweise.

          Sie gehen ähnlich wie Hedge-Fonds vor

          Zu einer gemeinsamen Definition für Absolute-Return-Fonds rang sich die Branche bisher nicht durch. Auch der Unterschied zwischen Absolute- und Total-Return-Strategien ist nie wirklich geklärt worden. Als gemeinsamer Nenner gilt das Ziel, über einen definierten Zeitraum unabhängig von der Marktentwicklung einen stabilen Wertzuwachs anzustreben. Dazu können diese Fonds auf wesentlich mehr Anlageinstrumente zurückgreifen als klassische Rentenfonds, die im Normalfall auf den Kauf und Verkauf von Anleihen beschränkt sind. Die ursprüngliche Definition des Erfinders dieses Investmentansatzes, der amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco, lautete: Zinsertrag aus Anleihen plus Kursgewinn aus Anleihen. Heute gibt es jedoch auch Absolute-Return-Fonds auf Aktien, Geldmarktinstrumente oder gemischte Anlageklassen.

          In der Praxis ähnelt das Vorgehen des Fondsmanagers dem eines Hedge-Fonds-Managers: Während der Manager eines Aktienfonds klassischerweise nur die Wahl hat zwischen Kauf und Verkauf von Aktien, spekulieren Absolute-Return-Manager unter Umständen gezielt über Terminmarktinstrumente auf fallende Aktienkurse, um auf diese Weise auch an schwachen Märkten zu verdienen.

          Das Geschick des Fondsmanagers entscheidet

          Ein Absolute-Return-Fonds, der in diesem Jahr bisher gut abgeschnitten hat, ist der CAAM Funds Dynarbitrage International (Isin: LU0297159559) der französischen Bank Crédit Agricole, der sich auf Strategien mit Währungen konzentriert und in den vergangenen Monaten kräftig an Wert gewann. Als Basisinvestment eignet er sich jedoch wie die meisten Absolute-Return-Fonds nicht.

          Käufer von Absolute-Return-Fonds sind besonders vom Geschick des Fondsmanagers abhängig. „Bei einem Absolute Return muss der Fondsmanager in der Lage sein, auch Optionen und Futures zu steuern und ganz gezielt bestimmte Risiken aus einem Wertpapier zu extrahieren, beispielsweise die Kreditbonität aus einer Aktie“, sagt ein Fondsanalyst. Damit rangieren diese Fonds in der Hohen Schule der Geldanlage. „Viele Fondsgesellschaften haben Absolute-Return-Fonds aufgelegt und konnten es einfach nicht“, sagt der Fondsanalyst weiter.

          Die großen Fondsgesellschaften erwiesen sich nicht unbedingt als die besten in dieser Gattung, wahrscheinlich weil das Management dieser Fondsgattung sehr individuell ist. „Es ist auffallend, dass derzeit Boutiquen besonders gut abschneiden“, hat der Fondsanalyst beobachtet.

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