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Wertentwicklung : Viele deutsche Fonds taugen nichts

Die DWS erreicht auf dem Börsenbarometer nur einen mittleren Rang. Bild: Hagmann, Roger

Anleger haben Milliarden in Fonds von DWS, Deka und Union investiert. Dabei hätten sie mit ausländischen Fonds viel mehr verdient.

          Es gibt wohl keinen Beruf im Finanzgewerbe, der so viel Transparenz mit sich bringt wie die Arbeit eines Fondsmanagers. Lässt sich doch ständig überprüfen, wie gut sich ein Fonds gerade entwickelt: Wie erfolgreich lief der vergangene Monat, was war im vergangenen halben Jahr los? Jede Fondsgesellschaft, die etwas auf sich hält, gibt über diese Veränderungen auf ihren Internetseiten Auskunft, und man könnte annehmen: Fällt ein Fonds in der Wertentwicklung deutlich zurück, sollte dies dem verantwortlichen Manager einige schlaflose Nächte bereiten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wären ordentliche Ergebnisse der Maßstab, müssten vor allem jene Fondsmanager derzeit übernächtigt im Büro erscheinen, die in Diensten deutscher Anbieter wie DWS, Allianz Global Investors, Deka und Union Investment stehen. Denn eine Auswertung des Analysehauses Morningstar zeigt: Die deutschen Fondsgesellschaften machen ihre Arbeit ziemlich schlecht.

          Nicht mehr als Mittelmaß

          Zwar gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern, aber wer die Wertentwicklung der Fonds in den vergangenen drei bis fünf Jahren miteinander vergleicht, stellt fest: Bei deutschen Gesellschaften ist das Geld der Anleger alles andere als gut aufgehoben, viele der Fonds kommen über das Mittelmaß nicht hinaus oder schneiden sogar deutlich schwächer ab als der Durchschnitt (siehe Tabelle).

          Das Fatale daran ist nun: Trotzdem vertrauen deutsche Privatanleger ihr Geld besonders gerne deutschen Anbietern an. Und dies, obwohl ausländische Gesellschaften wie Invesco oder Templeton (deren Fonds hierzulande genauso erhältlich sind) im Schnitt viel bessere Ergebnisse aufweisen. Zugespitzt gesagt: Auch wenn es schlecht läuft, brauchen sich Deutschlands Fondsmanager keine schlaflosen Nächte zu machen, die Deutschen bleiben ihrer Fondsgesellschaft viel zu oft treu – und nehmen so eine schlechtere Rendite in Kauf. Darum sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah: „Die Anleger sollten schlechte Fonds sofort aus ihrem Depot entfernen.“

          Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist gerade in Deutschland oft leichter gesagt als getan. Denn nicht ohne Grund greifen hierzulande fast ausschließlich deutsche Anbieter das Geld der Privatanleger ab. Ob die Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft DWS, die Sparkassenfondsgesellschaft Deka oder Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken – über die Bankfilialen ihres jeweiligen Mutterhauses verfügen alle Anbieter über einen hervorragenden Vertriebsweg: Wer nach guten Fonds fragt, bekommt zumeist die hausinternen Aktien- und Anleihefonds aufgeschwatzt. Hartem Konkurrenzkampf stellen müssen sich die Fondsgesellschaften also nicht.

          Doch warum ist die Wertentwicklung vieler Fonds derart bescheiden? Diese Frage müssen sich vor allem Union Investment und Deka stellen. In der Morningstar-Auswertung erreichen sie unter 20großen Fondsgesellschaften gerade einmal die Plätze 15 und 17. Das bedeutet: Der Anteil der von ihnen in Deutschland und Europa verkauften Fonds, die Morningstar mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“ bewertet, ist ziemlich niedrig. Bei Union beträgt er gemessen am Volumen der verwalteten Gelder nur 45 Prozent, bei Deka ist der Anteil mit 37 Prozent noch geringer. Morningstar analysiert dabei nicht allein die Wertentwicklung, sondern setzt diese auch ins Verhältnis zu den Risiken, die ein Fondsmanager eingeht – der Fachbegriff lautet Volatilität. Gelingt einem Manager also ein gutes Ergebnis nur, weil er zu anderen Zeiten enorme Schwankungen des Portfolios in Kauf nimmt, führt dies zu einem Abschlag bei der Bewertung.

          „Es fehlt an einem klaren Schwerpunkt“

          Doch es ist nach Ansicht der Analysten mitnichten übertriebene Risikofreude, die zu den schlechten Noten geführt hat, sondern ein viel grundsätzlicheres Problem: Die Fondsgesellschaften bieten ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Produkten an, bei jedem neuen Trend wollen sie mitverdienen – ob nun Schwellenländeranleihen, Hochzinspapiere oder Mischfonds. „Es fehlt an einem klaren Schwerpunkt“, sagt Analyst Masarwah. Hinzu kommen Fehlentscheidungen bei der Anlagestrategie: Union zeigt vor allem bei Anleihefonds Schwächen, noch nicht einmal ein Fünftel von ihnen erhält eine gute oder sehr gute Note (gemessen am Anlagevolumen) – vor allem die jüngste Kursrally südeuropäischer Anleihen haben die Fondsmanager verpasst. Bei Aktienfonds ist die Erfolgsquote mit 60 Prozent dafür viel höher. Die Deka dagegen hat besonders bei Aktienfonds Schwierigkeiten, nur 20 Prozent der Fonds sind besser als der Durchschnitt. Hauptgrund nach Ansicht der Analysten: Es fehlt an einem originellen Investmentstil, die Fonds werden im Wesentlichen so ausgerichtet wie der Dax oder andere große Börsenbarometer.

          Nicht ganz so schwach schneiden DWS und Allianz Global Investors ab, aber auch sie erreichen mit den Plätzen 7 und 8 nur mittlere Ränge: So hat die DWS zwar erfolgreiche Fonds für deutsche und europäische Aktien im Angebot, es mangelt aber an Stärke bei Aktienfonds, die weltweit anlegen. Die Allianz ist ebenfalls bei europäischen Aktien gut, große Fonds des Hauses wie der Fondak können aber nicht überzeugen.

          Weshalb aber gelingt ausländischen Fondsanbietern wie Invesco und Templeton, woran die Deutschen scheitern? Weil sie sich stärker auf einzelne Anlagethemen konzentrieren und eben nicht alles anbieten. So zählt Templeton bei Investitionen in den Schwellenländern zu den weltweit besten Häusern, während sich die erstplazierte britische Fondsgesellschaft Invesco durch Expertise bei Mischfonds und englischen Aktien auszeichnet.

          Natürlich ist auch das keine ewigwährende Versicherung gegen Verluste. Aber angesichts des schwachen Abschneidens der heimischen Fondsgesellschaften sollten Anleger ernsthaft über eines nachdenken – ihnen nun endlich einmal untreu zu werden.

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