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Investmentfonds : Wenn Nachhaltigkeit keine Modeerscheinung ist

Alfred Platow - der Vorstandsvorsitzende des Ökovision-Fonds. Bild: Jan Roeder

Die Ökoworld AG kämpft seit 40 Jahren um einen „Bewusstseinswandel im Geldwesen“. Dafür gibt es viele Preise. Auch Starbucks lässt sich beeinflussen.

          7 Min.

          Wer Alfred Platow sieht, weiß sofort, dass er keinen typischen Vertreter der Finanzbranche vor sich hat. Eher einen Philosophieprofessor oder einen Alt-Achtundsechziger. Dass beide Welten sich aber nicht ausschließen, dafür ist der heute 69 Jahre alte Platow der lebende Beweis. „Ökologie muss auch ökonomisch sein, sonst macht es keinen Sinn“, ist einer seiner Leitsprüche. Bis die Finanzbranche aber begriffen hat, dass Ökologie überhaupt ökonomisch sein kann, hat Platow Jahrzehnte kämpfen müssen. Heute werden seine Ökoworld-Fonds vielfach ausgezeichnet, weisen gute Renditen auf und finden entsprechenden Absatz.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Alle Welt will plötzlich nachhaltig anlegen oder gibt dies zumindest vor. Die Glaubwürdigkeit eines Alfred Platow, der nichts mit dem gleichnamigen Börsenbrief zu tun hat, hat jedoch keiner. Als er vor 40 Jahren mit Klaus Odenthal die „Alfred & Klaus - kollektive Versicherungsagentur“ in einer umgebauten Garage in Hilden bei Düsseldorf gründete, um einen „Bewusstseinswandel im Geldwesen“ zu bewirken, waren die Grünen noch nicht einmal gegründet. Die Versicherer Swiss Life, Mannheimer und Continentale gaben in den achtziger Jahren dem hartnäckigen Drängen Platows nach: Sie willigten ein, die Mittel seiner Gesellschaft Ökowerk nach entsprechenden Kriterien anzulegen. Altersvorsorge für ökologisch orientierte Betriebe sollte so in einem gemeinsamen Versorgungswerk organisiert werden. Doch nach zwei Jahren kapitulierten die Versicherer. „Die dachten, da kommt eh kein Geld rein. Als bald aber 10 Millionen D-Mark zusammen waren, konnten sie die Bedingungen für die ökologische Geldanlage nicht mehr erfüllen“, sagt Platow mit gestutztem Bart und lichterem Haar heute.

          Aufgeben kam für ihn aber nicht in Frage. Er versuchte mit seinem Geschäftspartner Odenthal und der befreundeten Juristin Nissen selbst eine Fondsgesellschaft zu gründen, um das Geld der Kunden nach ökologischen Kriterien anlegen zu können. Doch das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen hielt 1993 nichts davon. „Der Namensbestandteil Öko sei nicht zulässig, disqualifiziere er doch alle anderen Marktteilnehmer als nichtökologisch“, erinnert sich Platow an die damalige Begründung. Die Fondsgesellschaft Ökovision wurde deshalb vor ziemlich genau 20 Jahren in Luxemburg gegründet, wo sie auch heute noch ihren Sitz hat. „Es gibt konsequenterweise bis heute keinen Fonds deutscher Genese, der das Wort Öko im Namen enthält“, sagt Platow.

          Ökoworld-Aktienfonds verwalten heute rund 700 Millionen Euro

          Die Ökoworld-Aktienfonds verwalten heute rund 700 Millionen Euro. Dazu wäre es nicht gekommen, wenn Platow, studierter Sozialarbeiter, die Eltern Steuerberater, die Ehefrau und der Schwiegervater Banker, nicht ein Fondsmanagement klassischer Prägung und streng an der Rendite ausgerichtet, aufgebaut hätte. Denn selbst bei den überzeugtesten Öko-Aktivisten hört beim Geld der Spaß auf.

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