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Wein : Spekulation mit Kopfschmerzen

  • -Aktualisiert am

Die Preise für Spitzenweine aus dem Bordelais sind in astronomische Höhen gestiegen. Bild: picture-alliance/ dpa

Den Anlegern werden Traumrenditen versprochen, wenn sie in edle Weine oder in noch exquisitere Fonds investieren. Doch obwohl die Preise steigen, sehen die Ergebnisse aus Käufersicht enttäuschend aus. Und jetzt sagen die ersten Profis auch noch voraus, dass der Markt drehen wird.

          Ein Paradoxon herrscht am Markt für Wein: Die Preise für internationale Spitzenerzeugnisse werden von einer bisher ungekannten Spekulationswelle in absurde Höhen getragen. Gleichzeitig müssen Anleger, die in Wein investiert haben, große Enttäuschungen hinnehmen.

          Der Preis für eine Kiste mit zwölf Flaschen des Bordeaux-Kultweins Pétrus aus dem Jahr 1982 hat sich seit 1992 verzehnfacht, der Preis für einen Lafite desselben Jahrgangs ist sogar um mehr als das Zwanzigfache gestiegen. Doch nur in seltenen Fällen profitieren Anleger von einer solch rasanten Preisentwicklung. Das große Geschäft mit den erlesenen Tropfen machen andere. Es sind Weinhändler, Fondsinitiatoren, Berater und jede Menge halbseidene Gestalten, die dank der Leidenschaft einiger Amateure und dank der Blauäugigkeit vieler Anleger ihren Schnitt machen.

          Experten schwärmen von Traumrenditen

          So soll eine Investition in Wein das Vermögen weniger abhängig von den Finanzmärkten machen, weil die Preisschwankungen kaum von denen an den Aktienmärkten abhängen. In dem Buch „Wine Investment for Portfolio Diversification“ rechnet der Autor Mahesh Kumar vor, dass der Anlageerfolg mit „Investment-Grade-Weinen“ deutlich über dem FTSE 100, dem Leitindex der Londoner Börse, liege.

          Die Realität sieht meistens anders aus. Beispiel Blue Capital: Die Kapitalanlagegesellschaft der Hypo-Vereinsbank legte in den vergangenen Jahren vier Wein-Fonds auf. Derzeit löst sie den VB Bordeaux und den Vinum 2000 auf. Ende der Woche werden die Anleger erfahren, wie das Ergebnis ausfällt. So viel steht schon fest: Es war kein hochprozentiger Erfolg. „Die Wein-Fonds waren nicht so erfolgreich, wie das anfangs gedacht war“, sagt Ottmar Schlüter, Sprecher von Blue Capital, schon vorab. „Man muss eine solche Investition wohl als Liebhaberei sehen.“

          50 bis 80 Prozent in fünf Jahren verspricht der Fonds „Zum Wohle 2006“

          Ambitionierter geht Hans-Werner Busch, Geschäftsführer der Wine Capital Selection GmbH in Berlin, das Geschäft an. Eine Rendite von 50 bis 80 Prozent auf fünf Jahre stellte er bei dem Fonds „Zum Wohle 2006“ in Aussicht. „Die Einschätzung ist immer noch realistisch“, sagte Busch am Montag. „Wir haben einige schöne Sachen eingekauft.“ Der Fonds hat nur ein Volumen von 2,5 Millionen Euro, von denen er marktüblich 154.000 Euro als Vergütung einbehielt. Nun plant er einen internationalen Fonds über 30 Millionen Euro, der nicht nur in deutsche Weine, sondern auch in französische und italienische anlegen soll. „Wir stehen kurz vor dem Abschluss mit einer Bank, die großes Interesse daran hat“, sagt Busch.

          Für Fonds in dieser Größe sieht Jan-Erik Paulson keinen Markt hierzulande. Paulson ist auf den Handel mit Weinraritäten spezialisiert und hatte in der Vergangenheit schon selbst Wein-Fonds aufgelegt. „3 bis 5 Millionen Euro, das ist eine vernünftige Größe für einen Wein-Fonds“, meint Paulson. „Die Banken aber wollen das Zehnfache, und das ist nicht zu machen.“ Deshalb hat Paulson sich entschlossen, keine weiteren Fonds aufzulegen, sondern vermögende Privatkunden individuell zu beraten. Denn ohnehin eignen sich seiner Meinung nach nur die Spitzenerzeugnisse aus Bordeaux für eine Kapitalanlage.

          Die Preise werden fallen

          Der Weinmarkt befindet sich in einem tückischen Umbruch. „Der internationale Markt ist heute völlig überhitzt“, hat Paulson beobachtet. „Es ist sehr viel spekulatives Kapital von den Finanzmärkten in Vermögenswerte wie Kunst geflossen, aber auch in Wein.“ Jetzt sei die Luft zu dünn geworden. „Vor allem die Preise für junge Weine werden runterkommen.“ Das macht eine Neuanlage wenig attraktiv. Vielleicht kauft dann ja der eine oder andere Anleger sogar wieder eine Flasche, um sie zu trinken.

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