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Geldhäuser ohne Kapital : Was Banken aus der Finanzkrise gelernt haben

  • Aktualisiert am

Kollaps einer Bank: Die Angestellten erfahren schlechte Nachrichten. Bild: Reuters

Hugo Bänziger war lange Risikovorstand der Deutschen Bank. Heute weiß er, wie wir uns für die nächste Krise wappnen können.

          Herr Bänziger, vor zehn Jahren begann die Finanzkrise. Was haben wir daraus gelernt?

          Dass wir Banken brauchen, die robust sind und mit Risiken umgehen können.

          Sie haben schon am Vorabend der Krise, 2007 als Deutsche-Bank-Vorstand, gesagt: Ich spiele mit dem Risiko wie mit dem Klavier. Haben die Banker sich alle überschätzt?

          Ich habe das damals aus der Perspektive der Deutschen Bank gesagt. Die Deutsche Bank hatte die Risiken recht gut im Griff. Wir hatten in der Regel keine offenen Positionen. Deshalb hat die Deutsche Bank die Krise vergleichsweise stabil überstanden – zwar mit beachtlichen, aber eben mit verdaubaren Verlusten. Das war nicht bei allen so.

          Jetzt arbeiten Sie für die Privatbank Lombard Odier, die sich damit brüstet, 40 Finanzkrisen seit der Gründung 1796 überstanden zu haben: War die Krise 2007/2008 im historischen Vergleich nur halb so wild? Waren wir hysterisch damals?

          Nein, wir gingen durch eine schwere Krise, so schwer wie die Große Depression in den dreißiger Jahren. Nur den Notenbanken ist es zu danken, dass Schlimmeres verhindert wurde: Die Aktienkurse sind um 40 Prozent gefallen, sehr viele Leute haben sehr viel Geld verloren.

          Das haben sie längst wieder aufgeholt: Die Börsen feiern Rekord um Rekord.

          Der Anstieg der Aktienkurse ist eine Folge der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken. Deren Bilanzsummen sind enorm gestiegen: In Amerika ist sie etwa ein Drittel so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt, in Europa etwas höher, und in der Schweiz liegt sie bei 80 Prozent des Volkseinkommens. Überall haben die Notenbanker Riesensummen ausgegeben, um den Markt zu beruhigen und die Wirtschaft zu retten. Das sehen wir heute an den Preisen, für Aktien wie für Immobilien.

          Liegt in dem Überschwang bereits der Keim für die nächste Krise?

          Die Zentralbanken agieren zum Glück sehr vorsichtig. Die Zinswende geschieht langsam, man bereitet die Märkte darauf vor. Geschähe dies abrupt, wäre das in der Tat gefährlich. Aber das wissen die Notenbanker.

          Hugo Bänziger war bis 2012 Vorstand der Deutschen Bank, jetzt ist er Teilhaber der Schweizer Privatbank Lombard Odier.

          Weiß auch Mario Draghi, dass es allmählich Zeit für die Umkehr ist? Nähert sich die EZB dem Ende der ultralockeren Geldpolitik, wie es die Fed in Amerika vormacht?

          Das fragen sich viele Investoren. Herr Draghi ist da recht sibyllinisch. Aber die Körpersprache der EZB ist heute eine andere als vor einem Jahr.

          Amerikas Banken wurden 2008 vom Staat gezwungen, Kapital von ihm zu nehmen, hinterher haben sie sich schneller berappelt. Hätte Europa es auch so machen sollen?

          Amerikas Weg war im Rückblick besser, aber erst mal sehr schmerzvoll. Die Meinung der Regierungen in Europa 2009/2010 war, dass Bilanzschnitte dieser Größenordnung für die Banken nicht verdaubar wären. Dafür haben wir mit Verzögerung gelitten. Die spanischen Sparkassen musste man hinterher mit viel Geld retten, auch in Belgien und Italien musste nachgebessert werden. Rein volkswirtschaftlich wäre die amerikanische Lösung viel besser gewesen: klarer Schnitt, Kapital abschreiben, neu kapitalisieren – und dann vorwärts marschieren.

          Dann war im Rückblick der Satz von Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann falsch, der tönte, er würde sich schämen, Kapital vom Staat zu nehmen?

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