https://www.faz.net/-gv6-11l2g

Wall Street : Wie schlecht wird das vierte Quartal?

  • -Aktualisiert am

Warten auf die neuen Quartalszahlen auf dem Handelsparkett der New Yorker Börse Bild: AP

Die Anleger rechnen an den amerikanischen Aktienmärkten mit abgrundtief schlechten Zahlen für das vierte Quartal. Doch es gibt Hoffnung: Sogar wenn die Gewinne nur schlecht ausfallen, könnte es schon zu einer Kursrally kommen.

          4 Min.

          Nach dem Jahreswechsel arbeiten die Unternehmen mit Hochdruck an der Zusammenstellung ihrer Jahresendergebnisse, wobei derzeit niemand so recht weiß, wie sie ausfallen werden.

          Die Eskalation der Finanzkrise im vergangenen Herbst und der kräftige Konjunkturabschwung haben die Erwartungen der Analysten und Investoren zur Makulatur werden lassen. Nach schwachen Drittquartalszahlen hielten sich viele Konzernchefs mit Prognosen für das vierte Quartal oder für die Geschäftsentwicklung 2009 zurück. Während Wirtschaftsdaten die Angst vor einer kräftigen Abschwächung schüren, gehen die Meinungen der Ökonomen über das weitere Ausmaß der Misere oder den Zeitpunkt einer einsetzenden Erholung auseinander.

          Analysten halten mit ihren Schätzungen jedoch nicht hinterm Berg. Nach Angaben von Thomson Reuters wird für die im marktbreiten S&P-500 vertretenen Unternehmen ein Gewinnrückgang im vierten Quartal 2008 von 1,2 Prozent prognostiziert.

          Gewinne nahe der Null-Linie

          Angesichts der massiven Wirtschaftsprobleme und Finanzmarktturbulenzen mag dies zwar gering erscheinen, es gilt jedoch zu bedenken, dass noch zu Beginn des vierten Quartals ein Anstieg der Unternehmensgewinne von 46,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr prophezeit wurde.

          Dass die Gewinne nun nahe der Null-Linie schwanken, ist dabei einzig und allein dem Finanzsektor zu verdanken, der im vierten Quartal 2008 gegenüber den Ende 2007 erlittenen Milliardenverlusten geringe Zuwächse verzeichnen dürfte. „Die Finanzwerte werden die Gewinne positiv beeinflussen“, sagt Ashwani Kaul, leitender Research-Analyst bei Thomson Reuters.

          Abseits der Finanzwerte gehen die Analystenschätzungen dagegen von zum Teil starken Einbußen aus. Im Sektor dauerhafte Konsumgüter wird infolge der schwachen Weihnachtssaison und der Konsumabschwächung mit einer Gewinnerosion von 54 Prozent gerechnet. Thomson Reuters zufolge dürften die Gewinne im Energiesektor um 17 Prozent niedriger ausfallen, während bei Industriewerten ein Rückgang von 18 Prozent, im Grundstoffsektor ein Einbruch um 66 Prozent, bei Technologieunternehmen ein Minus von 15 Prozent und für Telekommunikationswerte eine Verringerung von 14 Prozent erwartet wird.

          Gewinnsteigerungen in manchen Branchen

          Wenn die Analysten mit ihren Prognosen richtig liegen, dürften in den Sektoren Konsumgüter, Gesundheitswesen und Versorger einstellige Gewinnsteigerungen auszumachen sein. Die Frage ist jedoch, ob die Wall-Street-Propheten diesmal richtig liegen. In Gesprächen mit Marktstrategen und professionellen Investoren wird jedenfalls erhebliche Skepsis laut.

          „Niemand glaubt ernsthaft, dass der Gewinn von 'Unternehmen X' entsprechend den Konsensschätzungen ausfallen wird“, sagt John Buckingham, Chief Investment Officer von Al Frank Asset Management. Nach seiner Überzeugung sind die Analysten noch immer viel zu optimistisch.

          Die Mitte Dezember von Goldman Sachs und Best Buy vorgelegten Zahlen waren möglicherweise Vorboten der Reaktion des Marktes auf Quartalsberichte. Obwohl die Ergebnisse der Investmentbank und des Elektronik-Einzelhändlers durchwachsen ausfielen, zündete der Markt bei beiden Aktien ein Kursfeuerwerk mit prozentual zweistelligen Zuwächsen.

          Schlechte Zahlen oft schon eingepreist

          Weitere Themen

          Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Glyphosat-Streit : Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Die politischen Spannungen um Hongkong haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart zunächst unbeeindruckt gelassen. Positive Nachrichten im Konflikt um den Unkrautvernichter von Bayer verleihen dem Kurs des Chemiekonzerns Auftrieb.

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.