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Wall Street : Die große Abwanderung der Top-Banker

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Der Citigroup und den anderen großen Banken in New York laufen nun auch zunehmend die Wertpapierhändler und Kundenberater davon Bild: Reuters

Die Investmentbanken in New York werden schon von den Turbulenzen an den Weltmärkten getroffen. Nun verlassen auch die Top-Kundenbetreuer ihre Arbeitgeber und wechseln zu kleinen, unabhängigen Unternehmen - ihre Kundschaft drängt sie dazu. Der Trend löst Sorgen an der Wall Street aus.

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          Für die Kundenberaterin Lori Van Dusen war es fast wie das Ende einer Ehe. Nach 22 Jahren als Verwalterin von Kundenvermögen bei der Citigroup beschloss sie, dass es an der Zeit sei, zu gehen. Van Dusen verwaltet Geld für Familien und Institutionen mit hohem Eigenkapital. Der Wert ihres durchschnittlichen Kundenkontos liegt bei rund 40 Millionen Dollar.

          Top-Banker wie Van Dusen wechseln immer wieder den Arbeitgeber. Ihre Gründe, die Citigroup zu verlassen, sind für die meisten Kundenberater jedoch eher untypisch. Van Dusen verfügte bereits über ein Maß an Autonomie, das in der Finanzbranche eher selten anzutreffen ist. Bis eine neue Anlage genehmigt wurde, war jedoch stets ein langer, steiniger Weg zurückzulegen, und Van Dusen glaubte, dass es im besten Interesse ihrer Kunden sei, ein Unternehmen zu finden, das den Bedürfnissen von Anlegern mit großem Vermögen gerecht wird.

          So entschloss sie sich, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Partner George Dunn eineinhalb Jahre lang ihre Optionen abgewogen hatte, zu Convergent Wealth Advisors zu wechseln, die vor der Fusion Anlagen im Wert von rund 9 Milliarden Dollar verwalteten. Gemeinsam betreuen Dunn und Van Dusen ein Kundenvermögen in Höhe von 7 Milliarden Dollar. „Wir machten innerhalb eines Geschäfts Geschäfte“, erklärt Van Dusen. „Doch unser Kundenstamm ist anspruchsvoll und wir benötigten eine Infrastruktur, die auf unsere Kunden zugeschnitten ist.“

          Die „Breakaway-Broker“ kommen in Mode

          In der Branche bezeichnet man Van Dusen als „Breakaway-Brokerin“. Seit einigen Jahren schon zieht es viele Banker aus ihren heimischen Kommissionshandelshäusern in die Unabhängigkeit. Inmitten des Chaos, das derzeit an der Wall Street herrscht, haben sich die Abwanderungen von einem gleichbleibenden Strom in eine reißende Flut verwandelt. Die genauen Zahlen lassen sich nur schwer beziffern; niemand kann genau sagen, wie viele Kundenberater im vergangenen Jahr gegangen sind. Die Zahl der Anlagen, die von diesen Brokern zu unabhängigen Maklerhäusern wie Charles Schwab, Fidelity Investments oder TD Ameritrade transferiert wurden, ist jedoch enorm gestiegen.

          In der ersten Hälfte des Jahres 2008 konnte Fidelity 55 abgewanderte Broker und ein Anlagevermögen in Höhe von 7 Milliarden Dollar aufnehmen. Schwab Institutional, eine Division von Charles Schwab, verzeichnete in der ersten Jahreshälfte 2008 ein neues Nettovermögen in Höhe von 9,4 Milliarden Dollar von Beratern, die gerade unabhängig geworden waren. Dies entspricht einem Zugewinn von 300 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und stellt die insgesamt 9,2 Milliarden Dollar von 2007 in den Schatten. „Schaut man sich die 5000 mit Schwab assoziierten Berater an, so hat diese kleine zusammengewürfelte Truppe im vergangenen Jahrzehnt mehr Geld verdient als die gesamte Wall Street“, meint Timothy Welsh, Präsident von Nexus Strategy, einem Unternehmen, das Broker auf ihrem Weg in die Unabhängigkeit unterstützt.

          Der Trend löst Sorgen an der Wall Street aus

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