https://www.faz.net/-gv6-vwkb

Wald-Anlage : Rendite auf dem Holzweg

  • Aktualisiert am

Holz als Anlage Bild: Rainer Wohlfahrt

Viele Anleger setzen auf den Wald als Investment. Banken kommen ihnen mit Holz-Zertifikaten entgegen. Doch diese Papiere haben ihre Tücken.

          3 Min.

          Seine Liebe zur Natur kleidete Heinrich Heine in das Gedicht: „Ich will mich im grünen Wald ergehn.“ Diesen Wunsch hegen inzwischen auch Anleger, und beileibe nicht nur sonntags beim Spaziergang.

          Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, glaubt den Grund dafür zu kennen: „Im Gegensatz zu anderen Sachwertanlagen hat Holz den wesentlichen Vorteil, dass Anleger auch bei Nachfragerückgängen keinen Grund haben, nervös zu werden. Bäume müssen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt gefällt werden, man kann sie einfach weiterwachsen lassen.“ Das leicht holpernde lyrische Resümee der DWS: „Folglich eignet sich Wald / hervorragend zum Kapitalerhalt.“

          1,3 Milliarden Chinesen richten sich ein

          Tatsächlich ist die Nachfrage seit Jahrzehnten tendenziell nicht gefallen, im Gegenteil. Der weltweite Holzverbrauch hat sich seit 1960 vielmehr gut verdreifacht. Und die Prognosen gehen von weiter kräftigen Steigerungsraten aus. China soll 2030 gut zweieinhalbmal so viel Holz benötigen wie heute. Denn dort, weiß die DWS, „fangen 1,3 Milliarden Menschen an, sich einzurichten“.

          Bild: Bloomberg, DWS

          Dass sich mit Holz ordentlich Geld verdienen lässt, haben Profis wie die dänische International Woodland Company (IWC) in den vergangenen Jahren vorgemacht. Im Durchschnitt lag die jährliche Rendite der IWC-Fonds bei 14 Prozent. Dafür sorgte eine Kombination aus steigenden Holzpreisen, steigenden Bodenpreisen und dem biologischen Wachstum.

          Zertifikate setzen auf Industriefirmen

          Eine Direktanlage in Wald ist für Privatanleger mit zahlreichen Hürden versehen. Wer es einfach will, dem bietet die Finanzindustrie Alternativen an: In Form von Indexzertifikaten, die meist in börsennotierte Unternehmen aus der Holzindustrie anlegen. Zu den Emittenten gehören deutsche und internationale Finanzkonzerne (siehe Kasten unten).

          Die schweizerische Großbank UBS und die britische HSBC sind schon länger mit Holz im Geschäft. Das UBS-Papier wurde im April 2006 aufgelegt, HSBC folgte im Oktober vergangenen Jahres. Seit April werden Anleger bei der österreichischen Raiffeisen Centrobank fündig, seit September bei ABN Amro und Goldman Sachs. Am vergangenen Dienstag hat die DWS ihr neues Produkt herausgegeben. Und Anfang November kommt die Landesbank Berlin mit einem Zertifikat auf den Markt.

          Die größten Landeigentümer Amerikas im Portfolio

          Die Produkte sind unterschiedlich aufgebaut, konzentrieren sich aber häufig auf börsennotierte Unternehmen aus der Holzindustrie. Die Firmen sind entweder Eigentümer von Wäldern, im Forstmanagement oder in der verarbeitenden Industrie tätig. Typisch das DWS-Zertifikat: Es enthält 14 Unternehmen, alles, wie es heißt, „reine Holzaktien“. Deutsche Namen sucht man hier vergebens. Den Aktienkorb dominieren Amerikaner und Kanadier, darunter die größten privaten Landeigentümer Amerikas und West-Kanadas, Plum Creek Timber und Timber West Forest Corporation.

          Ähnlich das UBS-Papier: Es investiert in jeweils 15 Werte aus der internationalen Forst- und Holzindustrie. Der Basket berücksichtigt dabei die größten Unternehmen gemessen an der Marktkapitalisierung. Im Landesbank-Produkt findet sich eine deutsche Firma: der Möbelzulieferer Pfleiderer.

          Von minus 20 bis plus 30 Prozent

          Diese Produkte haben freilich einen Nachteil. Börsennotierte Unternehmen, ob in der Holzbranche oder im Hightech-Bereich aktiv, unterliegen stets den normalen Marktschwankungen. Die langfristigen positiven Eigenschaften einer Waldanlage - sprich: eine Entwicklung unabhängig von den Aktien- und Rentenmärkten - fehlen ihnen. (Die Bäume wachsen, egal ob es eine Finanzkrise gibt oder nicht.)

          Zudem haben Zertifikate die Anleger bislang nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen können, wie ein Blick auf die etwas länger laufenden Papiere zeigt. Das UBS-Produkt gab gleich kurz nach Auflage bis zu 20 Prozent nach, stieg dann ein Jahr lang beständig nach oben, konnte dabei aber auch nicht mehr als rund fünf Prozent im Vergleich zum Startpreis zulegen. Inzwischen liegt es wieder rund zehn Prozent im Minus.

          Nichts für den schnellen Euro

          Dass sich diese Entwicklung nicht verallgemeinern lässt, zeigt das Papier von HSBC. Wer sich hier vor rund einem Jahr einkauft, kann sich heute über einen Zuwachs von rund einem Viertel freuen.

          Generell sollten sich Anleger auf dem Holzweg jedoch immer eines klarmachen: Der Holzmarkt reagiert langsam. Für Investoren, die auf den schnellen Euro setzen, ist er ungeeignet. IWC-Chefstratege Hendrik Lundqvist konstatiert zwar: „Die Holzpreise werden in Zukunft von der weltweit zunehmenden Nachfrage positiv beeinflusst.“ Doch für diese Zukunft empfiehlt sich ein langer Atem.

          ANBIETER VON HOLZ- UND WALDZERTIFIKATEN

          Deutsche Bank (DWS Global Forest and Timber, ISIN: DE000DWS0H49)

          Goldman Sachs (S&P Global Timber & Forestry, ISIN: DE000GS0TWA5)

          UBS (Global Timber, ISIN: CH0024564863)

          Landesbank Berlin (Forest Opportunity, ISIN: DE000LBB1183)

          HSBC (Holz-Basket, ISIN: DE000TB0KWA8)

          Raiffeisen Centrobank (Holzbasket-Winner, ISIN: AT0000A05428)

          ABN Amro (Bauholz, ISIN: DE000AA0M624)

          Weitere Themen

          Angriff auf die Kryptowährungen

          Digitaler Euro : Angriff auf die Kryptowährungen

          Fabio Panetta von der EZB kündigt den digitalen Euro als Schutz für die monetäre Souveränität der Eurozone an. Wird das digitale Zentralbankgeld den Kryptos den Stecker ziehen?

          Topmeldungen

          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          EM-Debatte in München : Kampf um den Regenbogen

          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Stadtrat von München wollen zum EM-Spiel gegen Ungarn ein Zeichen setzen – gegen Viktor Orbán. Die UEFA spielt auf Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.