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Wagniskapital : Earlybird bereitet neuen Fonds vor

  • Aktualisiert am

Poster im Büro der Internet-Startup Firma „6Wunderkinder“ Bild: dpa

Wer möchte nicht gleich von Anfang an dabei sein? Der Wagniskapitalgeber Earlybird bereitet jetzt einen neuen Fonds vor.

          3 Min.

          Eine der führenden deutschen Wagniskapitalgesellschaften bereitet ihren nächsten Fonds in Rekordhöhe vor. Earlybird aus München plant binnen einem Jahr einen neuen Fonds für Westeuropa aufzulegen, und er soll mindestens das bisherige Rekordvolumen von 150 Millionen Euro erreichen. "Wir beginnen, jetzt die ersten Gespräche mit Investoren zu führen", sagte Mitgründer Hendrik Brandis im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z./Dienstagausgabe) . "Wir werden den Investoren sicherlich kein Konzept mit einem kleineren Zielvolumen vorlegen, als wir es derzeit haben."

          Earlybird ist auf Beteiligungen an jungen IT- und Medizintechnikunternehmen spezialisiert. Keimzelle und immer noch Hauptregion ist Westeuropa. Die 1997 gegründete Risikokapitalgesellschaft hat bisher fünf Fonds aufgelegt, oder präziser: fünf Generationen von Fonds, wie die Gesellschaft sie nennt. Die ersten vier  bestanden aus je einem  Europafonds, die fünfte besteht erstmals aus drei Unter-Fonds: einem Medizintechnikfonds, einem IT-Fonds Westeuropa und einem IT-Fonds Osteuropa. Der jüngste IT-Fonds Westeuropa ist - ebenso wie der Gesamtfonds der Generation vier es war - mit 150 Millionen Euro  ausgestattet. Er wurde 2012 aufgelegt, 2013 geschlossen, 60 Prozent der Mittel sind schon investiert. Auch der Rest dürfte bald ausgegeben sein. "In sechs bis zwölf Monaten" werde der Fonds voraussichtlich das letzte Unternehmen erwerben, sagte Brandis.

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          Üblicherweise schließt ein neuer Fonds nahtlos dann an. Das sei ist auch für die  nächste, sechste Generation vorgesehen, sagte Brandis. Daraus ergibt sich, dass der neue Geldtopf binnen einem Jahr aufgelegt wird. Konkreter: Dann soll eine erste Tranche des angepeilten Fondsvolumens eingesammelt sein. Dieser Fonds, für den jetzt die Investorengespräche angelaufen sind, wird ein neuer IT-Fonds Westeuropa  sein.

          Earlybird ist durch eine breite Palette Investitionen bekannt geworden. Frisch in Erinnerung ist die Beteiligung am Online-Mitfahrdienst Carpooling.com, den die Eigentümer vor einigen Monaten an die französische Blablacar verkauften. An Microsoft ging Ende Mai das Berliner Softwareunternehmen 6Wunderkinder - ein Start-Up, das eine App für die Verwaltung von Aufgaben (To-Do-Listen) anbietet. Als Preis für das gesamte Unternehmen hatten Insider bisher 100 Millionen bis 200 Millionen Dollar genannt. "Es war näher an 200 als an 100 Millionen", sagte Brandis.Die Rendite auf das eingesetzte Kapital: "massiv über Faktor 2". Kein schlechter Ertrag, in drei Jahren.

          Das ist allerdings in Perspektive zu sehen, im Zusammenhang nämlich mit all jenen Investitionen, die wenig Gewinn einbringen oder einen Verlust - oder die vielleicht sogar gänzlich abgeschrieben werden müssen. Die Kalkulation geht so: Der typische Fonds speist um die 25 Beteiligungen, Volumen beispielsweise jeweils 5 bis 7 Millionen Euro. 20 Beteiligungen laufen mäßig oder schlecht; die fünf anderen, die "Hits", müssen das dann überkompensieren. "Wir kalkulieren mit einer 20-prozentigen Hit-Rate", sagte Brandis. Ein "Hit" ist für Brandis "ein Unternehmen, das größenordnungsmäßig den halben Fonds zurückbringt": also bei einem Fonds mit 150 Millionen Euro Volumen um die 75 Millionen Euro - und damit mehr als das Zehnfache des in das Einzelunternehmen gesteckten Kapitals.

          Absoluter Spitzenreiter der Hit-Parade war für Earlybird aber Interhyp, ein Berater für private Immobilienfinanzierung. 1999, erworben, 2005 an die Börse gebracht, ein Jahr später die letzten Aktien verkauft. Ertrag auf das eingesetzte Kapital: "Faktor 54", wie Brandis jetzt verriet. Seit 2011 gehört das Unternehmen zur niederländischen Finanzgesellschaft ING.

          Verdreifachung des Einsastzes angestrebt

          Die Geldgeber aus dem In- und Ausland sind anspruchsvoll. "Die Investoren erwarten dreimal Kapital über zehn Jahre", sagte Brandis. Ein mit 150 Millionen Euro ausgestatteter Fonds soll also mindestens 450 Millionen Euro zurückbringen. Earlybird gibt die bereitgestellten Gelder in zwei Phasen aus: die Initialinvestition, also das Geld, mit dem man sich an einer Gesellschaft beteiligt, und eine Reserve, für anschließende Investitionen und die Beteiligungen. Jeweils etwa 50 Prozent entfielen auf beide, sagte Brandis.

          In Deutschland klagen hoffnungsvolle junge Unternehmen generell darüber, dass sie zu wenig Anschubhilfe bekommen. Die Kultur des Venture Capitals ist viel weniger ausgeprägt als im angelsächsischen Raum. Aus Perspektive der Investmentgesellschaften  ergeben sich nach Einschätzung von Brandis aber immer bessere Möglichkeiten. Das Internet habe dafür gesorgt, dass Jungunternehmen dank Internet mit guten Geschäftsideen Milliarden Menschen erreichen könnten - und das zu vergleichsweise geringen Kosten. Die Eintrittsbarrieren liegen also niedrig. Und wenn hierzulande relativ wenige Investoren in diese Unternehmen hineingehen wollen, schont das die Preise. "Die Chancen sind noch nie so gut gewesen", resümiert Brandis.

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