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Geldanlage : Immobilien für alle

Nicht nur dass die betroffenen Plattformen alles versuchen, um auch nur einen Imageschaden abzuwenden, alle Marktteilnehmer betonen, dass sie einen hohen Aufwand betreiben, um die Spreu vom Weizen zu trennen. „Wir lehnen 80 Prozent der Vorschläge nach kurzer Sichtung ab“, sagt von Stechow. Nur aus zwei bis fünf Prozent der eingereichten Projekte werde ein Angebot für die Crowd, heißt es von Exporo.

Einige der Plattformen versuchen sich noch spezieller zu positionieren, um den Qualitätsaspekt stärker zum Tragen zu bringen. Zinsbaustein nimmt für sich in Anspruch, nur Projekte mit „erstklassigen Erfolgschancen“ anzunehmen und lieber auf Umsatz zu verzichten. Deshalb gebe es auch stets nur den gleichen Zins von 5,25 Prozent, was für ein Immobilien-Crowd-Projekt am unteren Rand des Zinsspektrums liegt.

Einen eigenen Weg geht die Reabiz Crowd Capital mit der Marke Reacapital. „Wir sichern jedes Projekt mit einer projektunabhängigen erstrangigen Grundschuld an einer Bestandsimmobilie in Hamburg ab“, sagt Geschäftsführer Lasse Kammer. Im Sicherungsfall könne der Treuhänder diese veräußern und die Erlöse an die Investoren auszahlen.

Die Sache mit dem Kleinanlegerschutzgesetz

Das ist für Anleger deshalb von Bedeutung, weil mit dem Kleinanlegerschutzgesetz für das Immobilien-Crowdinvesting ein Nachrangdarlehen gleichsam festgeschrieben wurde. Wie schon der Name sagt, müssen sich die Crowd-Anleger im Insolvenzfall unter den Gläubigern ganz hinten anstellen. Das bedeutet, dass nicht damit zu rechnen ist, dass sie dann irgendwelche Zahlungen erhalten.

Dass das Geschäft weiter gut laufen wird, davon sind alle Plattformen im Grunde überzeugt. „Wir werden künftig noch deutlich größere Zahlen sehen, schätzungsweise etwa 300 bis 400 Millionen Euro im kommenden Jahr“, sagt Stephan von iFunded. „Deutschland hat einen riesigen Bedarf an neuen Wohn-, aber auch Büro- und Gewerbeflächen“, meint von Stechow. „Crowdinvesting versetzt Projektentwickler in die Lage, mehr zu bauen.“ Auch seitens der Entwickler gebe es mehr Bedarf. „Finanzierungen sind zwar derzeit billig, aber die Baukosten selbst steigen stark“, sagt Wohlfarth. „Viele Projektentwickler nehmen Nachrangdarlehen in Anspruch, um einen Teil ihres Eigenkapitals zu ersetzen und dadurch liquide und handlungsfähig zu bleiben.“

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Allerdings schwebt über der Branche die auf 2018 verschobene Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes. Würde die Prospektpflicht eingeführt, könnte dies die Finanzierungsform für Projektentwickler weniger attraktiv machen. Der Bundesverband Crowdfunding wünscht sich dagegen, dass die künftige Bundesregierung ebenfalls prüfen möge, wie der Markt noch ausgeweitet werden könnte, „um noch mehr Anlegern die Möglichkeit zu geben, transparent und selbstbestimmt attraktive Investitionsmöglichkeiten zu finden“.

In der ganzen Welt, auch in den meisten Ländern Europas, begrüßten Regierungen Crowdfunding als Bereitstellung von Wagniskapital, die eine Lücke in der Bereitstellung von Kapital, insbesondere eigenkapitalähnlichen Mitteln, schließe.

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