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Versicherungen : Neue Runde im Preiskampf der Autoversicherer

  • -Aktualisiert am

Unfälle verlieren ihren Schrecken: Versicherer bieten hohe Entschädigungen Bild: dpa

Autoversicherer unterbieten ihre Prämien aus dem Vorjahr. Den Wettbewerb sind einige Anbieter satt. Bis zum 30. November können Autofahrer den Anbieter ihrer Haftpflicht- oder Kaskoversicherung wechseln. Die Preisunterschiede sind beträchtlich

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          Roboter rechnen Sparmöglichkeiten aus, junge Frauen leisten sich nur noch notdürftige Bekleidung, weil ihre Autoversicherung zu teuer ist. Diese Bilder zeigt in diesen Tagen die Fernsehwerbung. Bis zum 30. November, also in den nächsten sechs Wochen, können Autofahrer den Anbieter ihrer Haftpflicht- oder Kaskoversicherung wechseln. 3 bis 4 Millionen Versicherte machen jedes Jahr davon Gebrauch.

          Die Preisunterschiede sind beträchtlich. So kann etwa eine 30 Jahre alte Fiat-Kleinwagenfahrerin gut 200 Euro sparen, wenn sie ihre Vollkasko-Police nicht über eine Versicherung mit Außenvertrieb abschließt, sondern über einen Direktversicherer. Ladycar, HDI und die Huk 24 bieten Verträge zwischen 293 und 307 Euro an - während der teuerste Anbieter im Vergleich 493 Euro nimmt, wie das Internetportal Financescout 24 errechnet hat.

          Manch preiswertes Angebot mit Vorsicht zu betrachten

          Ein 65 Jahre alter Audi-A3-Fahrer, der durch viele unfallfreie Jahre in der höchsten Schadenfreiheitsklasse eingestuft ist, zahlt für einen HDI-Basis-Vertrag 295 Euro Jahresprämie und spart gegenüber dem teuersten Anbieter 227 Euro. Auch die zweitplazierte Ineas schneidet mit 297 Euro Prämie günstiger ab als die Konkurrenz. Manch preiswertes Angebot sei mit Vorsicht zu betrachten, warnen Verbraucherschützer. Es könnte auf den Wechseltermin im Herbst zugeschnitten sein, um Kunden zu locken, denen dann Zusatzkosten aufgebrummt werden.

          Seit 2004 sinken die Prämien kontinuierlich. Konnten die Versicherer beispielsweise damals durchschnittlich 264 Euro jährlich für eine Autohaftpflicht-Police fordern, dürften es in diesem Jahr 220 Euro sein. Der Preiskampf setzt sich auch in diesem Jahr fort. Dabei zeigte sich schon im vergangenen Jahr, dass der Wettbewerb teuer ist. 2008 verbuchte die Branche einen versicherungstechnischen Verlust von 400 Millionen Euro. 500 Millionen Euro erwartet der Branchenverband GDV für dieses Jahr. Noch können die Anbieter diese Verluste durch gute Kapitalanlageergebnisse ausgleichen. Durchgesetzt haben sich inzwischen Verträge mit Werkstattbindung. Indem die Versicherer mit Autowerkstätten exklusive Partnerschaften vereinbaren, können sie Kosten senken und bieten die Policen um bis zu 20 Prozent günstiger an. „Rund drei Viertel unserer Kunden schließen solche Verträge ab“, sagt Errit Schlossberger, Geschäftsführer von Financescout 24. Inzwischen bietet nahezu jeder der rund 100 Versicherer am deutschen Markt solche Policen an. Nicht für jeden aber lohnen sie sich. „Wer durch lange Unfallfreiheit ohnehin eine günstige Prämie zahlt, sollte sich diese Freiheit nicht mehr abkaufen lassen“, sagt Michael Sittig, Redakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Auch wer auf dem Land lebt, könnte im Schadensfall Nachteile erleiden.

          In der Vollkasko-Versicherung wird die Neupreisentschädigung immer wichtiger. War es in den vergangenen Jahren üblich, diese Leistung nach einem Totalschaden sechs Monate lang zu gewähren, bieten einzelne Unternehmen inzwischen bis zu 36 Monate. „Das ist uns zu großzügig. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht über zusätzliche Rabatte den Markt kaputtmachen“, sagt Uwe Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Directline. Er hält 18 Monate für angemessen.

          Die großen Anbieter sehen sich in einer ungünstigen Lage

          Die großen Anbieter sehen sich durch den Wettbewerbsdruck in einer ungünstigen Lage. Der Branchenführer Allianz war schon in der Vergangenheit nicht bereit, bei den Preisen nachzugeben. Dadurch verlieren die Münchener Marktanteile und Prämieneinnahmen. Im vergangenen Jahr sanken sie um 158 Millionen Euro auf 3,316 Milliarden Euro. So wird es in der Branche als Befreiungsschlag gewertet, dass die Allianz ihren Kunden neuerdings anbietet, die Hauptfälligkeit ihres Vertrages frei zu wählen.

          30 Prozent der Versicherten nutzen dieses Angebot. Viele empfinden den bislang festgelegten 1. Januar als ungünstig, weil kurz nach Weihnachten der Kontostand niedriger ist als später im Jahr oder weil sie ihr Urlaubsgeld erst Mitte des Jahres überwiesen bekommen. Auch die Ergo-Versicherungsgruppe hat für ihre Marken Victoria, Hamburg-Mannheimer und D.A.S. den Termin geöffnet. „Das ermöglicht uns, den Arbeitsaufwand im Vertrieb gleich über das Jahr zu verteilen, dadurch die Kostenquote zu senken und günstiger anbieten zu können“, sagt der Bereichsleiter Kraftfahrt Martin Weirich.

          Konkurrenten vermuten hingegen, dass die beiden Konzerne damit den Wettbewerb ausschalten wollen. Wer zum 1. Mai seinen Vertrag erneuern muss, könnte den Termin vergessen, wenn er nicht durch die intensive Werbung und Berichterstattung in der Wechselsaison daran erinnert wird. Die Huk Coburg, Nummer zwei der Branche, hat sich entschlossen, die Hauptfälligkeit beizubehalten. Würden alle Wettbewerber davon abrücken, drohten Kunden Einsparungen erst verspätet zu erhalten, die sich daraus ergeben, dass sie zu Beginn des Kalenderjahres in günstigere Schadensfreiheitsklassen eingestuft werden. Davon abgesehen will die Huk Coburg jedenfalls auch in diesem Jahr die Prämien weiter senken.

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