https://www.faz.net/-gv6-7prrl

Vermögensverwaltung : Wie reich muss der Kunde sein?

Vermögensberatung: Ein schwieriges Geschäft - mit schlechtem Ansehen Bild: picture alliance / dpa Themendie

Die Berenberg Bank hat beschlossen, sich von Kunden mit einem aus ihrer Sicht zu geringen Vermögen zu trennen. Das Geschäft mit der Vermögensverwaltung ist in Deutschland hart umkämpft.

          Viele Vermögensverwalter klagen über niedrige Erlöse, die sie von ihren oft wenig zahlungsbereiten Kunden erhalten. Die Entscheidung von Berenberg, sich von Kunden mit einem aus der Sicht der Hamburger Bank zu geringen Geldvermögen zu trennen, wirft die Frage auf: Wie viel Geld muss ein Kunde mitbringen, um von einem Vermögensverwalter eine individuelle Betreuung zu erhalten? Die Antwort muss jeder Verwalter für sich selbst finden; einen für die gesamte Branche gültigen Mindestbetrag gibt es nicht.

          Aber viele Vermögensverwalter würden wohl Andreas Grünewald zustimmen, der sagt, unter einer halben Million Euro lohnt es sich kaum. Grünewald, Vorstand der Münchener FIVV AG und Vorstandsvorsitzender des in Frankfurt ansässigen Verbands unabhängiger Vermögensverwalter, rechnete dies am Montag anlässlich eines Pressegesprächs in Frankfurt vor.

          Kaum mehr als eine standardisierte Beratung

          Bei einer in der Branche nicht ungewöhnlichen jährlichen Vergütung von 1,2 Prozent des Anlagevermögens errechnet sich bei einer Anlage von einer halben Million Euro für den Verwalter eine jährliche Gebühr von 6.000 Euro und damit von 500 Euro im Monat. Dies sei nicht nur wegen des mit der Beratung verbundenen Aufwands, sondern nicht zuletzt wegen der zahlreichen mit den Regulierungen verbundenen Verpflichtungen nicht zu viel. Die seines Erachtens völlig überzogenen Regulierungen entmündigten sowohl die Kunden als auch die Vermögensverwalter.

          Eine Mindestsumme von einer halben Million Euro für eine individuelle Kundenbetreuung bedeuten nach den Worten Grünewalds aber nicht, dass weniger betuchte Sparer ohne Vermögensverwaltung auskommen müssten. So akzeptieren manche Verwalter auch Kunden, die 50.000 oder 100.000 Euro mitbringen. Hier aber könne kaum mehr als eine standardisierte Beratung erwartet werden, wobei Standardisierung nicht selten das Anbieten von Fonds bedeutet.

          Der Kunde muss aber nicht nur Geld zur Verwaltung mitbringen, sondern auch bereit sein, einen Verwalter für dessen Dienstleistung zu bezahlen. Denn die Sache ist sehr einfach: Wenn der Kunde den Verwalter nicht bezahlt, muss sich dieser von den Anbietern von Finanzprodukten bezahlen lassen, die er seinen Kunden empfiehlt. Das ist nicht grundsätzlich verwerflich und kann aus steuerlicher Sicht sogar attraktiv sein, sollte aber für den Kunden zumindest transparent geschehen.

          Probleme ergeben sich durch die mangelnde Finanzbildung

          Ebenso wenig ist es verwerflich, dass nicht wenige Vermögensverwalter nicht nur beraten, sondern auch selbst Fonds auflegen. Allerdings sollte der Kunde erfahren, wie gut diese Fonds im Vergleich zu anderen abschneiden. Grünewald sieht im Umgang zwischen Kunden und Finanzhäusern ein erhebliches Problem durch die geringen Wirtschafts- und Finanzkenntnisse vieler Menschen in Deutschland. In der Schule werden meist keine Wirtschaftskenntnisse vermittelt, und Finanzprodukte ebenso wie der sachgemäße Umgang mit Geld bleiben vielen Menschen fremd.

          Das hat im Umgang des Beraters mit seinem Kunden zur Folge, dass der Berater oft bei Adam und Eva beginnen muss, während viele Kunden andererseits völlig überzogene Erwartungen an die Fertigkeiten ihrer Berater haben. Das Geschäft mit der Vermögensverwaltung ist in Deutschland hart umkämpft. Als unbestrittenen Marktführer nennen Fachleute die Deutsche Bank, und hinter ihr dürfte es nach Schätzungen keinen Anbieter geben, der auf einen Marktanteil von deutlich mehr als 2 oder 3 Prozent kommt.

          Ein schwieriges Geschäft

          Neben den Verwaltern in größeren oder kleineren Finanzhäusern haben sich daneben unabhängige Verwalter etabliert. Grünewald nennt eine Zahl von rund 450 unabhängigen Verwaltern, die eine Lizenz der Finanzaufsicht (Bafin) besitzen, von denen etwas mehr als die Hälfte im Verband vertreten sind.

          Das von diesen Mitgliedern verwaltete Vermögen wird auf rund 70 Milliarden Euro geschätzt, was einem Marktanteil in Deutschland von 2 bis 3 Prozent entspricht. Grünewald träumt jedoch von Zuständen wie in der Schweiz, wo die unabhängigen Verwalter auf einen Marktanteil von über 10 Prozent kommen. Marktanteilsgewinne sind allerdings nicht einfach. Viele Kunden bleiben ihren Verwaltern treu, zumal ein Wechsel mit der oft damit verbundenen Übertragung von Konten und Depots als aufwendig wahrgenommen wird. Die Wechselbereitschaft ist nicht sehr hoch; ebenso halten viele Sparer daran fest, viel Geld auf Bankkonten zu halten, anstatt es als Wertpapiervermögen verwalten zu lassen. Die Vermögensverwaltung bleibt ein schwieriges Geschäft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.