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Vermögensverwaltung : Stiftungen kämpfen um den Erhalt des Kapitals

Doris Märzluft leitete die Vermögensverwaltung der Deutschen Oppenheim Family Office Bild: Deutsche Oppenheim Family Office

Für Stiftungen wird es immer schwerer, ihr Vermögen angemessen zu verwalten und das Kapital im Sinne des Stiftungszweckes zu erhalten. Dienste von Family Offices wie der Deutsche Oppenheim sind derzeit gefragt.

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          Konservative Anleger haben es derzeit schwer. Was für Privatanleger vor allem unerfreulich ist, geht bei anderen schon an den Rand der Existenz. Stiftungen etwa, die zum einen eine gewisse Ausschüttungshöhe benötigen, um ihre Arbeit zu bewältigen, und gleichzeitig das Kapital erhalten müssen, sind derzeit in keiner beneidenswerten Lage.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doris Märzluft, die die Vermögensverwaltung der Deutsche Oppenheim Family Office AG leitet, kennt die Schwierigkeiten. „Die Aufgabe des Kapitalerhalts ist derzeit nicht trivial“, sagt sie. „Lange Zeit war einfaches Kaufen und Liegenlassen durchaus eine mögliche Strategie.“ Das gelte heute nicht mehr, und so gelangten die Verantwortlichen von Stiftungen derzeit oft an die Grenzen ihrer Kompetenz. Oftmals liege die Entscheidungskompetenz bei Stiftungsvorständen, deren Kapitalmarktaffinität doch eher begrenzt sei.

          So sind die Dienste des Family Offices für Stiftungen derzeit gefragt. Doch Märzlufts Strategien sind für viele dieser Organisationen Neuland. „Die meisten Stiftungen scheuen davor zurück, mehr als 30 Prozent ihres Vermögens in Aktien oder andere Produkte mit größeren Wertschwankungen zu investieren, auch wenn sie rechtlich nicht an solche Grenzen gebunden sind“, sagt die Fondsmanagerin. Manche Stiftungen seien gar ausschließlich in Anleihen investiert. Doch die höher verzinsten Schuldtitel im Portfolio der Stiftungen dünnen sich zunehmend aus, und so reichen die Erträge immer weniger für Substanzerhalt und Ausschüttungen aus. Das führe mitunter zu taktischen Fehlern wie der Investition in illiquide Mittelstandsanleihen oder einer zu hohen Aktienquote.

          Das Anleiheportefeuille muss sich wandeln

          „Der Schwerpunkt bei Anleihen bleibt schon.“ Aber derzeit sei das Management des Bestandes wichtig, nicht die Höhe der Zinskupons. Aktien müssten ins Portfolio, nicht zuletzt, weil die Dividenden höher sind als Zinsen auf Staatsanleihen. Ein für Stiftungen geeignetes Anlagemix müsse daher internationale Aktien enthalten. Zu bevorzugen seien Regionen, die eine hohe Wachstumsdynamik aufwiesen, nicht unbedingt das stärkste absolute Wachstum. Aktuell sieht Märzluft hier die Vereinigten Staaten im Vorteil. Dividenden seien für Stiftungen wichtig, aber nicht die Lösung für alles, sagt Märzluft und verweist auf die schlechte Entwicklung der Versorgeraktien wie Eon und RWE in den vergangenen Jahren.

          Wandeln müsse sich auch das Anleiheportefeuille. Nachrang- und Wandelanleihen seien zu bevorzugen. Auch auf italienische Pfandbriefe setzt Märzluft. Da das Land keinen ausgeprägten Immobilienboom erlebt habe, seien diese als werthaltiger einzuschätzen als Papiere aus vielen anderen Ländern. Insgesamt komme es auf die richtige Auswahl und das richtige Mix von Segmenten an.

          Die Schwankungsbreite der Portfolios nehme dadurch zu, ein Minus von 10 Prozent sei immer möglich. Aber gerade bei einer Stiftung, die auf sehr lange Dauer angelegt sei, wäre das ja eigentlich gerade kein Problem. „Aber das eine ist die Theorie und das andere das Leben.“ Volatilität sei bei Stiftungen unerwünscht. Wilhelm von Finck setzt daher auf eine intensive und regelmäßige Betreuung der Stiftungen, nur so sei den Investoren Sicherheit zu vermitteln. Die Portfolios selbst werden durch den Einsatz von Derivaten gesichert. Die Absicherungsstrategien werden dabei zum Teil durch die Muttergesellschaft Deutsche Bank umgesetzt.

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