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Vermögensverwaltung : Neue Produkte müssen her

Veränderungen erwartet: Auf den Weltmarkt für Vermögensverwalter fließen in den kommenden Jahren 1,9 Billionen Dollar aus traditionellen Anlageprodukten. Bild: dpa

Viele neue Finanzprodukte haben in den letzten zehn Jahren zu wenig verwaltetes Vermögen geschaffen. Dabei zeigt das Ende der Hausse am Anleihemarkt: Neue Produkteinführungen sind derzeit dringend notwendig.

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          In der Vermögensverwaltung existiert ein auf den ersten Blick erstaunlich wirkendes Paradox: Innovationen sind gerade in dieser Zeit zwar sehr wichtig. Aber es ist keineswegs wichtig, als Erster mit einem neuen Produkt auf den Markt zu kommen. Denn die Vermögensverwaltung kennt keinen Patentschutz, und ein neues Produkt eines Wettbewerbers kann in der Regel innerhalb kurzer Zeit zumindest kopiert, im Idealfall aber sogar schon etwas verbessert in den Markt gebracht werden. Dass Finanzprodukte gewöhnlich niedrige Entwicklungskosten aufweisen, erleichtert eine stetige Neuproduktion von Innovationen, die nicht selten kaum mehr sind als alter Wein in neuen Schläuchen.

          Und es gibt ein zweites scheinbares Paradox, auf das die amerikanische Beratungsgesellschaft Casey Quirk in einem aktuellen Bericht („New Arrow for the Quiver“) hinweist: Für die Produktion und Distribution eines neuen Finanzprodukts bedarf es gewöhnlich Expertenwissens, aber in der Praxis entscheidet oft das Glück über den Markterfolg. Eine Analyse neuer Finanzprodukte in den vergangenen 15 Jahren zeige, dass der weitaus größte Teil der Markteinführungen nicht sehr erfolgreich verlaufen sei, heißt es bei Casey Quirk. Für die Hälfte aller neuen Produkte gelte, dass sie zehn Jahre nach der Markteinführung nicht mehr als jeweils 200 Millionen Dollar verwaltete Vermögen geschafft hätten.

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          Neue Produktinnovationen gefordert

          Zumindest nach amerikanischen Maßstäben sind 200 Millionen Dollar bescheiden. Ein Viertel aller Produkte habe nach zehn Jahren mindestens eine Milliarde Dollar verwaltete Vermögen eingefahren; nur 10 Prozent habe die Marke von einer Milliarde Dollar drei Jahre nach der Markteinführung geschafft. Der Zeitraum von drei Jahren ist in der Finanzbranche ein wichtiges Kriterium für den Erfolg eines Produkts.

          Neue Produkte aber erscheinen in unserer Zeit aus mehreren Gründen dringend notwendig. Zum einen nähert sich eine dreißigjährige Hausse am Anleihemarkt ihrem Ende. In Anleihen ist sehr viel Geld investiert, und so liegt die Vermutung nahe, dass zumindest ein Teil dieses Geldes in andere Anlageformen fließt. Da viele Anleger aber hohe Aktienquoten scheuen, bedarf es weiterer Produkte. Bei Casey Quirk nennt man die als Folge des demographischen Wandels sich verändernden Anlagegewohnheiten, Regulierungen der Finanzbranche und ein fragiles Vertrauen vieler Anleger in traditionelle Vermögensverwalter und traditionelle Finanzprodukte als weitere Gründe für die Suche nach neuen Finanzprodukten.

          Sollten die Schätzungen der Beratungsgesellschaft wahr werden, stehen der Branche deutliche Veränderungen bevor. Sie nimmt an, dass im Zeitraum 2016 bis 2020 auf dem Weltmarkt für Vermögensverwalter (ohne China) 1,9 Billionen Dollar aus traditionellen Anlageprodukten fließen werden und darunter sehr viel aus traditionellen Aktienanlagen. Dies scheint einen Zug der Zeit anzukündigen. Die Aktie als Kapitalanlage ist überhaupt nicht tot, aber eine wachsende Zahl von Vermögensverwaltern sieht angesichts nicht geringer Bewertungen des Aktienmarkts die Notwendigkeit, Aktien in komplizierte Finanzprodukte einzubringen – die dann in der Regel den Anbietern höhere Gebühren bescheren.

          Gewinner sind Multi-Asset-Strategien

          Wohin werden in den kommenden Jahren die Gelder fließen? Casey Quirk sieht für passive Anlageprodukte wie Indexfonds eine Nachfrage von 1,1 Billionen Dollar. Leidtragende dieser Entwicklung dürften nicht zuletzt aktive Vermögensverwalter sein, die in der Praxis nicht viel mehr tun, als einen Index abzubilden. In einem solchen Falle ist es in der Tat konsequenter, gleich einen billigen Indexfonds zu kaufen.

          Doch immerhin 3,8 Billionen Dollar dürften im gleichen Zeitraum an moderne und aktiv gemanagte Finanzprodukte fließen, heißt es in der Untersuchung des Beratungsunternehmens. Dies werden nicht zuletzt Finanzprodukte und Strategien sein, die sich von dem althergebrachten Ansatz lösen werden, die Rendite an einer Messlatte („Benchmark“) auszurichten. Sogenannte Multi-Asset-Strategien werden demnach zu den Gewinnern zählen.

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