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Vermögensverwaltung : Mutige Konservative

Deutsche Stiftungen dürfen nicht in alle Anlagen investieren. Bild: dpa

Zentralbanken und deutsche Stiftungen sind zu einer konservativen Geldanlage verpflichtet. Mit festverzinslichen Wertpapieren guter Bonität lässt sich aber derzeit nichts verdienen. Deshalb begeben sie sich immer mehr auf die Suche nach neuen Anlageformen.

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          Wer konservative Großanleger sucht, wird sie vermutlich nicht zuletzt unter Zentralbanken und deutschen Stiftungen vermuten. Zur Aufgabe von Zentralbanken zählt meist auch die Verwaltung von Währungsreserven, und die meisten Zentralbanken stehen in dem Ruf, Reserven am ehesten in Gold und dem Dollar, der wichtigsten Währung der Welt, zu halten. Diese Dollar dürften überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren investiert sein. Deutschen Stiftungen wiederum erlaubt allein schon die Rechtslage nur eine begrenzte Streuung. Und auch wenn große Stiftungen wie die Hertie-Stiftung seit Jahren auch in sogenannte alternative Anlagen investieren, dürften in den Vermögen der meist kleinen deutschen Stiftungen festverzinsliche Wertpapiere dominieren. Mit festverzinslichen Wertpapieren guter Bonität, egal, ob auf Euro oder auf Dollar, lässt sich derzeit bestenfalls die Inflationsrate verdienen - wenn überhaupt.

          Und so erwägen zunehmend auch konservative Investoren, die Palette ihrer Anlagen zu verbreitern. Es gibt sogar Zentralbanken, die ernsthaft überlegen, in Aktienmärkte zu investieren - nicht weil sie spekulieren wollen, sondern um durch Streuung Risiken zu reduzieren. Zu solchen Ergebnissen hat eine Befragung unter 60 Zentralbanken geführt, die zusammen Währungsreserven im Wert von 6,7 Billionen Dollar halten. Organisiert wurde die Befragung von dem Mediendienst Central Banking Publications und der Royal Bank of Scotland. Demnach sehen sich nahezu alle befragten Zentralbanken veranlasst, als Folge der Niedrigzinspolitik der Fed und der Europäischen Zentralbank ihre Anlagepolitik zu verändern.

          Deutschen Stiftungen verwalten Vermögenswerte über mehr als 100 Milliarden Euro

          Eine Änderung besteht in einer größeren Auswahl von Währungen. Hier haben Anlagen in kanadischen und australischen Dollar an Beliebtheit gewonnen. Die Tatsache, dass der Internationale Währungsfonds die beiden Währungen in seiner Statistik nun offiziell als Reservewährungen führt, dürfte ihre Nachfrage durch Zentralbanken noch verstärken. Der kanadische und der australische Dollar sind beide sogenannte „Rohstoffwährungen“, weil in den beiden Ländern viele Rohstoffe gefördert werden. Auch wenn das Interesse vieler Anleger an Rohstoffen und Rohstoffaktien in den vergangenen Monaten nachgelassen hat, bilden sie eine Alternative zu traditionellen Reservewährungen wie dem Dollar und dem Euro. Da die Märkte für kanadische und australische Dollar vergleichsweise klein sind, dürften sie am ehesten als Depotbeimischung geeignet sein.

          Noch etwas überraschender mag die Nachricht sein, dass acht der befragten Zentralbanken bereits im Aktienmarkt investiert sind. Als Alternative zu Anlagen in Einzelaktien werden auch Indexfonds genannt, die billig sind und mit denen sich Zentralbanken von den mit Anlagen in Einzelaktien verbundenen Risiken frei machen. Weitere Zentralbanken denken über Anlagen in Aktienmärkte nach, während viele Traditionalisten einen solchen Schritt nach wie vor für ungeeignet für eine Zentralbank halten. Zentralbanken, die auch in Aktienmärkte investieren, unterscheiden sich nur noch wenig von Staatsfonds.

          In deutschen Stiftungen befinden sich mittlerweile Vermögenswerte über mehr als 100 Milliarden Euro. Mit dem Immobilienvermögen größerer Stiftungen befasst sich eine aktuelle Untersuchung der Famos Immobilien GmbH, eines Family Office für Immobilienvermögen. Befragt wurden 50 gemeinnützige Stiftungen sowie Familienstiftungen mit einem durchschnittlichen Vermögen von 170 Millionen Euro. Die Befragung zeigt, dass die Familienstiftungen eher für Immobilienanlagen zu begeistern sind und durchschnittlich 42 Prozent ihres Vermögens in Immobilien angelegt haben. Familienstiftungen bevorzugen eindeutig Wohnimmobilien mit einem Anteil von 56,2 Prozent am Immobilienvermögen, während dieser Anteil bei gemeinnützigen Stiftungen nur 32,8 Prozent ausmacht. Die Immobilien werden meist selbst verwaltet; die Erfahrungen mit externen Dienstleistern sind oft ernüchternd. Erworben werden Immobilien vor allem als Inflationsschutz - nicht wirklich erstaunlich, da weniger als ein Drittel des Vermögens aus sonstigen alternativen Anlagen und Aktien besteht.

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